Sechs zu vier

8. März 2021. An europäischen Theatern sind Männer stärker repräsentiert als Frauen und nehmen öfter hochrangige Positionen ein, zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der European Theatre Convention (ETC), die am heutigen internationalen Frauentag auf deren Website veröffentlicht wurde. Die Untersuchung fußt auf Daten von 22 europäischen Ländern, 4000 Theatermitarbeiter*innen und 11.500 Künstler*innen in 650 Aufführungen.

Studie ETC 8Maerz2021Studie zur personellen Vielfalt an Theatern © ScreenshotEs ist die erste Studie zur personellen Vielfalt von Theatern in Europa. Sie wurde von den beiden Wissenschaftlerinnen Annalisa Casini und Sarah Sepulchre der belgischen Universität UCLouvain im Auftrag des Theaternetzwerkes durchgeführt und basiert auf einer freiwilligen Selbstprüfung durch ETC-Mitgliedstheater, "um in allen Unterhaltungssektoren vorherrschende, geschlechtsspezifische Ungleichheiten und mangelnde Vielfalt aufzudecken und Veränderungen voranzutreiben", wie der Verband bekanntgibt.

Weitere Missverhältnisse

Bei "prestigeträchtigen Positionen" im Bereich der Dramatik, Regie und Technik dominierten laut der Untersuchung die Männer, während Frauen mehr als 70 Prozent der Positionen in klassisch weiblich konnotierten Arbeitsbereichen wie "Kostümbild" und "Friseurhandwerk" innehaben. Bei Theaterprogrammen betrage das Verhältnis von Männern und Frauen sechs zu vier. Auch seien Frauen häufiger in prekären Vertragssituationen beschäftigt als Männer und "an der Spitze der Hierarchie weniger präsent". Auf den Bühnen machten die Wissenschaftlerinnen 43 Prozent weibliche und 57 Prozent männliche Charaktere aus. Bei Führungspositionen im Theaterbereich legen Frauen der Studie zufolge stärker Wert auf diverse Teams als ihre männlichen Kollegen.

Zudem zeigten die Ergebnisse eine "bemerkenswerte Abwesenheit von Personen mit Minderheitenhintergrund (wie LGBTQ, Migration) in den Personalsituationen der ETC-Mitgliedstheater", so die ETC. Auch Menschen mit Behinderung seien kaum vertreten.

Verhaltenskodex für Vielfalt in Aktion

Die Veröffentlichung der Studie folgt der Verabschiedung des Verhaltenskodex für Vielfalt in Aktion, in dem die ETC für europäische Theater "fünf Grundsätzen zur Gewährleistung der Chancengleichheit und des vielfältigen künstlerischen Ausdrucks im Theater" formuliert hat.

(www.europeantheatre.eu / sdre)

Mehr zu der Studie: Stephanie Drees hat dazu ETC-Geschäftsführerin Heidy Wiley befragt – hier das Interview.

 

 
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