Unbemerkte Umbenennung

Bremen, 14. Juli 2010. Bremen hat jetzt einen Peter-Zadek-Platz. Bereits im Juni, nachdem sich der Senat im März dafür ausgesprochen hatte, wurde eine Fläche in der Nähe der Städtischen Galerie nach dem Theaterregisseur benannt, der am Theater Bremen von 1962 bis 1967 unter dem Generalintendanten Kurt Hübner als Oberspielleiter arbeitete und etwa mit seinen herausragenden Inszenierungen "Frühlings Erwachen" von Frank Wedekind und "Die Räuber" von Friedrich Schiller für Aufsehen gesorgt hatte. Allerdings habe von der Bremer Namengebung kaum jemand etwas mitbekommen, "weder informiert noch eingeladen waren die Lebensgefährten, Mitstreiter und Anhänger von Peter Zadek", schreibt der ehemalige Intendant Klaus Pierwoß heute in der Nordwestzeitung.

Pierwoß hatte dem Bürgermeister bereits vor einem Jahr seine Mitwirkung bei der Umgestaltung angeboten. "Lange Zeit hörte ich nichts mehr. Nach ungefähr einem Jahr flatterte dann donnerstags eine Einladung in meinen Briefkasten, mit der zum darauffolgenden Dienstag zur Zeremonie der Umbenennung eingeladen wurde. Die Zeitknappheit verunmöglichte (nicht nur mir) die Teilnahme." Initiatoren der Umbenennung seien nicht der Kultursenator oder das Theater gewesen, sondern Stadtgrün und die Städtische Galerie. Wesentlicher Rahmen für die Umbenennung war ein Projekt eines landschaftsarchitektonisch arbeitenden Künstlers in der Umgebung der Schwankhalle.

Niederschmetternd sei es, dass diese posthume Ehrung an der Theaterwelt vorbei ging. Weder informiert, noch eingeladen noch einbezogen war Zadeks Lebens- und Arbeitspartnerin, die Schriftstellerin und Übersetzerin Elisabeth Plessen, die gerade an den wichtigsten Theatern der Republik mit einer Lesung aus Zadeks Erinnerungen "Wanderjahre" auftritt. "Wie wunderbar wäre es doch gewesen, in Bremen Lesung und Umbenennung miteinander zu verbinden. Stattdessen eine kulturbürokratische Exekution, lieblos und ohne jegliche Umsicht, ohne nötige fachliche Kompetenz."

(nwzonline/sik)

 

 
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