Offen und transparent bleiben

Rom, 30. Juli 2014. Das Teatro Valle steht offenbar kurz vor der Räumung. Darauf weist die Teatro-Valle-Stiftung auf ihrer Homepage hin. Grund ist ein äußerst kurzfristiges Ultimatum, das bei einem Treffen am Montag mit der neuen Kulturassessorin Roms, den beiden Leitern des Teatro di Roma (d.i. der Verbund der städtischen Theater) und Vertretern der Region Latium ausgesprochen wurde.

Zwar erkannte die Stadt bei dem Treffen, das die Stiftung seit ihrem Bestehen eingefordert hatte, zum ersten Mal ausdrücklich an, dass die Besetzung vor drei Jahren positiv war sowie dass die einhergehenden Erfahrungen und Impulse von großer Bedeutung für die Theaterszene nicht nur Italiens waren. Auf dieser Grundlage schlägt die Stadt jetzt vor, dass Theatergebäude zurück in die Obhut der Stadt zu geben, die neuen Arbeitsweisen und Ansätze des Teatro Valle aber in die zukünftige Bespielung des Theaters mit einfließen zu lassen.

Andererseits wurde ein schroffes Ultimatum gestellt, das Theater innerhalb von drei Tagen bis morgen zu räumen und an die Stadt wegen dringender Instandhaltungsmaßnahmen "zurückzugeben". Eine Forderung, der sich die Besetzer grundsätzlich nicht verschließen, wie es aus ihrem Umfeld heißt: Sie betrachten das Theater als Gemeingut, das sie vorübergehend am Leben und offen gehalten haben und das sie zurückgeben wollen, wenn es tatsächlich nach neuen Modellen verwaltet werden soll. Allerdings wurden sämtliche Bestrebungen der Vertreter der Teatro-Valle-Stiftung, "einen runden Tisch einzurichten, schriftliche Garantien zu erhalten und sich auf einen Fahrplan zu einigen, von allen Repräsentaten der Institionen abgelehnt", so die Stiftung.

Ob es morgen tatsächlich zu einer gewaltsamen Räumung kommen wird, erscheint derzeit unklar. Wie nachtkritik.de aus dem Umfeld des Teatro Valle erfuhr, gab es gestern eine große öffentliche Versammlung im Theater, bei der auch der Präsident von Teatro di Roma anwesend war. Das Team des Teatro Valle hat beschlossen, ab sofort durchgehend ein künstlerisches Programm zu veranstalten, offen und transparent zu bleiben, um die Schwelle für eine Räumung zu erhöhen.

Italienische und internationale Kulturschaffende, u.a. Slavoj Zizek und Etienne Balibar, haben ihre Unterstützung für das Projekt Teatro Valle bekundet und appellieren an die Stadt Rom, die in den vergangenen drei Jahren gemachten "einmaligen Erfahrungen" nicht durch eine überstürzte Schließung abzubrechen.

(Teatro-Valle-Stiftung / geka)

 

Mehr zum Teatro Valle: Zuletzt berichtete Markus Hladek vom Teatro Valle, davor lieferte Schauspielerin Eva Löbau erste Eindrücke in ihren Theaterbriefen 1 und 2.

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