Schluss mit dem Ablasshandel der Theater!

von Dirk Pilz

23. Oktober 2017. Meine Damen, meine Herren, ich danke für die Einladung, hier sprechen zu dürfen. Mir wurde in dieser Runde zwar, nun ja, die Rolle des jüngeren Zeitgenossen zugewiesen, aber ich werde mir die Freiheit nehmen, ein paar vermeintlich alte, womöglich banale Dinge zu sagen.

Es braucht Vitamin V

Interview: Sophie Diesselhorst und Anne Peter

16. Oktober 2017. Es ist 2017, aber es gibt Winkel auf der Welt, in denen kann von Geschlechtergerechtigkeit noch lange keine Rede sein. Im deutschen Theater zum Beispiel, das auf der Bühne doch so gern gegen Ungerechtigkeiten aller Art Sturm läuft. An den Stadt- und Staatstheatern werden nicht mal ein Drittel der Inszenierungen von Regisseurinnen verantwortet, auf den großen Bühnen sind es sogar noch weniger. Daran muss sich etwas ändern, findet der Verein "Pro Quote Bühne", der morgen mit einem Manifest und einer Pressekonferenz im Deutschen Theater das erste Mal an die Öffentlichkeit geht. Sophie Diesselhorst und Anne Peter haben mit den Regisseurinnen und Mitgründerinnen France-Elena Damian und Angelika Zacek über die Missstände im Theaterbetrieb, ihre Forderungen und Visionen gesprochen.

Freiräume

von Gerhard Preußer

4. Oktober 2017. Das Theater muss weichen. Oder zumindest vorläufig ausweichen. Drei große Schauspieltheater in Nordrhein-Westfalen hausen jahrelang in Ausweichspielstätten: Köln, Düsseldorf, Dortmund. Und auch diese drei sind im deutschsprachigen Theater keine Ausnahme: den Theatern in Frankfurt, Oldenburg, der Stuttgarter Oper steht die Ausweichexistenz noch bevor.

Niederlagen überall

von Nikolaus Merck

Berlin, 28. September 2017. Nach sieben Tagen ist heute die Besetzung der Volksbühne in Berlin auf Wunsch des Hausherren Chris Dercon beendet worden. Polizisten "entfernten" die Besetzer*innen mit sanfter Gewalt vom symbolisch aufgeladenen Ort des Geschehens. Die Sache verlief friedlich, immerhin, die Scharfmacher auf den publizistischen und parteipolitischen Schreibtisch-Barrikaden bekamen nicht den von ihnen herbeigeredeten Häuserkampf geboten.

Halligalli und Bambule im Verantwortungs-Vakuum

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 25. September 2017. Die Berliner Volksbühne ist besetzt. Seit Freitagabend. Mit der Aufstellung einer Papp-Bombe des potenten Typs B61-12 (die Besetzer nennen sie und sich "VB6112") wurde die Übernahme besiegelt (Nordkorea und Donald Trump lassen grüßen). Auf einem Transparent an der Volksbühnen-Fassade weht der Spruch: "Make Berlin geil again".

Warum hört der Streit nicht auf?

von Christian Rakow

Berlin, 19. September 2017. Mit der Berufung des Museumsleiters Chris Dercon auf den Intendantenposten der Berliner Volksbühne im Jahr 2015 entzündete sich eine Debatte um den damit verbundenen Strukturwandel des Hauses, die als Berliner Theaterstreit bundesweit bekannt wurde. Auch nach dem Spielzeitstart der Intendanz Dercon mit zwei Tanz-Marathons an der neuen Volksbühnen-Spielstätte auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof ist der Streit nicht beendet.

Wir Ausputzer

von Andreas Wilink

8. August 2017. Der Fleck muss weg. Es ist der Fleck auf der Weste des Düsseldorfer Oberbürgermeisters und des eigentlich doch gar nicht so gebeutelten Stadtsäckels. Ein bisschen ist es auch ein Schandfleck, der das Image der Kultur-Landeshauptstadt verunreinigt hat. Das Düsseldorfer Schauspielhaus wurde Ende 2016 kurzzeitig mit seinem angestammten Standort am Gründgens-Platz, mithin in seinem Status und seiner Perspektive in Frage gestellt. Großes Theater wegen der unausgegorenen, dann hastig relativierten Ideen des OB Thomas Geisel – als Konsequenz bildeten sich geschlossene Reihen für die von Stadt und Land NRW je zur Hälfte getragene Bühne. Die Zukunft aber kostet Geld. Das Haus ist zu und wird’s noch lange bleiben. Die Sanierung und allerlei Reparatur-Maßnahmen, die im Kontext der Neuordnung des zentralen Areals stattfinden, sollen an die zwölf Millionen Euro kosten.

Das Dimmen der Lautstärke

von Oliver Bukowski

17. August 2017. Nun also ich. Warum erst jetzt?
Weil ich, wie damals in den persönlichen Gesprächen, den direkten Kontakt zu Darja Stocker suchte. Die Idee: Vielleicht schaffen wir es, mit einander zu reden und der anscheinend so unversöhnlichen Debatte durch eine GEMEINSAME Veröffentlichung die andere Qualität zu geben. Darja Stocker hat geantwortet und denkt über meinen Vorschlag nach. Sicherlich gibt es viel zu besprechen, denn ich kenne bis heute ja nicht einmal den Wortlaut des Beschwerdebriefes an den Präsidenten der UdK; die Autorinnen wiesen an, ihn strikt vertraulich zu behandeln. Die Universitätsleitung folgte dem, und so standen wir zwar in der Kritik, nur in genau welcher?

So war’s nicht

von Anne Rabe 

14. August 2017. Sexismus, strukturelle Benachteiligung und Gewalt sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig, die Diskussion darüber notwendig. Deshalb hat es mich nicht gewundert, dass es auch eine Debatte zu Sexismus an Schreibschulen gibt. Heute aber wurde ich durch nachtkritik.de auf einen Text von Darja Stocker aufmerksam (hier die Presseschau des Texts, der im "Merkur" erschienen ist), der, wie nachtkritik.de es selbst zusammenfasst, von "erschütternden Erfahrungen während der Zeit" an der Universität der Künste in Berlin berichtet. Dieser Text betrifft mich, denn ich habe ab 2006 mit Darja Stocker gemeinsam im Studiengang "Szenisches Schreiben" studiert.

Die Volks(bühnen)vertreter

von Esther Slevogt

5. August 2017. Was macht eigentlich Michael Müller (SPD)?, fragt man sich in diesen Tagen, in denen die Unterschriften unter die Petition gegen die Pläne des neuen Volksbühnenintendanten Chris Dercon immer schwindelndere Höhen erreichen und auch sonst der Ton in der Auseinandersetzung immer schriller wird. Im Internet, wo das neue Volksbühnen-Team zum 1. August 2017 die Social Media Accounts übernommen hat, brach sofort ein Shitstorm gegen sie los, der einen das Fürchten lehren kann. Ist Wutbürgertum das neue Bildungsbürgertum?, fragt man sich allerdings angesichts des Hasslevels, das manche Posts erreichen. Hier desavouiert sich ein Anliegen selbst. Auf die zivilisatorischen Kräfte der Kunst, insbesondere der darstellenden, darf man anscheinend nicht hoffen.

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