Das Theater gehört uns

von Lukas Bärfuss

Berlin, 4. September 2021. Der Dramatiker und Georg-Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss saß in diesem Jahr der Jury bei den Autor:innentheatertagen am Deutschen Theater in Berlin vor, gemeinsam mit seinen Kolleg:innen Fritzi Haberlandt und Schorsch Kamerun las er die Texte der Dramatiker:innen. 212 Stücke wurden bei dem Festival eingesandt, drei von ihnen kamen zur Uraufführung, gezeigt bei der Langen Nacht der Autor:innen. Zu ihrer Eröffnung hielt Lukas Bärfuss eine Rede über das Stückeschreiben in Zeiten der Pandemie, Autor:innenschaft – und was das Theater für ihn ist und sein kann. Hier ist sie zu lesen.

Auflaufmodelle

von Lara Tacke, Julian Gutmann, Giorgi Jamburia, Seongji Jang, Lorenz Nolting, Ana Edroso Stroebe, Wiebke Jakubicka-Yervis

6. September 2021. In der anstehenden Bundestagswahl macht die Gruppe der über 60-jährigen 40 Prozent der Wahlberechtigen aus, während die unter 30-jährigen gerade mal auf 14 Prozent der Wähler*innen kommen. Gleichzeitig haben ebendiese über 60-jährigen in den letzten Jahrzehnten bewiesen, dass sie zur Lösung der rasenden Probleme unserer Zeit, dem Klimawandel, dem Erstarken neokolonialer Ausbeutungsmodelle, Sexismus und Rassismus wenig, wenn nicht gar nichts beizutragen haben. Nun hat sich die weltpolitische Lage in den letzten Jahren derart zugespitzt, dass kürzlich auch das Bundesverfassungsgericht in seinem historischen Klimaschutzurteil befand: Wir haben es hier mit einer radikalen Generationenungerechtigkeit zu tun. Denn hat unser Wirtschaftssystem bisher auf einer Expansion in den Raum basiert – Rohstoffe und billige Arbeitskräfte werden importiert, Müll und Emissionen exportiert – verschiebt das derzeitige Nichthandeln der Politik die Probleme in die Zukunft. Man expandiert in die Zeit und nimmt den kommenden Generationen das weg, was ihnen zur Verfügung stehen müsste, um Gesellschaft und Kultur nach ihrem eigenen Anspruch zu gestalten. Kurzum, ihr lebt auf unsere Kosten.

Was können Medien heute kulturjournalistisch noch leisten?  Oder: Wir müssen reden!

von Petra Kohse

Berlin, 18. August 2021. Wenn das freie Theater anruft und sagt: "Hast du Zeit? Wir müssen reden!", dann ahnt der Kulturjournalismus, was die Stunde geschlagen hat. Beziehungsweise, dass dieselbe der Wahrheit gekommen ist. Denn ja, es stimmt: Das freie Theater kommt im kulturjournalistischen Tagesgeschäft kaum noch vor. Also eigentlich: nicht. Im Sinne einer kontinuierlichen Berichterstattung kommt es nicht mehr vor.

Ein Paternoster der Kritikkritik

von Luna Ali

Berlin, 18. August 2021.

1 In jeder Wiederholung liegt ein Anfang

In seinem Text "Kritik als Berufsstörung" schreibt Kurt Tucholsky unter seinem Pseudonym Peter Panter die folgenden Worte: "Doch sind wir leider so weit gediehen, daß Kritik nur noch als Berufsförderung oder Berufsstörung angesehen wird, und so wird denn auch der Kritiker gewertet. Lobt er, ist er für den Belobten ein großer und bedeutender Kritiker; tadelt er, so ist er für den Getadelten ein Ignorant und taugt nichts."

Alleskönner:innen

10. August 2021. Dramaturg:innen machen am Theater alles: Stücke lesen, Themen für die Spielzeit setzen, Proben begleiten, Publikumsgespräche moderieren. Sie kommunizieren, nach innen wie nach außen, und erinnern immer mal wieder daran, dass Theater für ein Publikum entsteht. Ihr Beruf hat sich verändert. Waren sie früher vor allem Anwält:innen der Literatur, sind sie heute vor allem Manager:innen einer Produktion.

 

"Wo die Angst ist, da geht's lang!"

Barbara Frey im Gespräch

Bochum, 3. August 2021. Sie habe kürzlich, erzählt Barbara Frey, in einem Hotelfoyer nahe eines Essener Zechengeländes eine Frauenskulptur gesehen, die "Schwarze Barbara". Die Heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute, ist auch Nothelferin des Menschen bei der Gefahr plötzlichen Todes. Und schon sind wir, hier im Bochumer Haus der Kultur Ruhr am Gerard-Mortier-Platz als dem Logistik-Zentrum der Ruhrtriennale und ihrer Intendanz, mitten im Thema. Am 14. August beginnt Freys erste Saison ihrer auf drei Jahre angelegten Intendanz des NRW-Festivals mit ihrer Inszenierung von Edgar Allan Poes "Der Untergang des Hauses Usher". Das Gespräch führt Andreas Wilink.

Jedermann kennt kein Morgen

von Reinhard Kriechbaum

18. Juli 2021. Die Stimme der Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler ist heuer vom Tonband zu vernehmen. Sie verweist auf das Sicherheitskonzept der Salzburger Festspiele. Und sie betont mit klaren Worten, dass es zu alledem auch die tätige Mithilfe des Publikums braucht. Sprich: Bitte Maske aufsetzen!

Die Wunde aufstechen, bis sie blubbert

Interview mit Claudia Bauer, Lucia Bihler, Pınar Karabulut, Theresa Thomasberger und Josephine Witt

15. Juli 2021. Im März trat Klaus Dörr als Intendant der Berliner Volksbühne zurück, nachdem mehrere Mitarbeiterinnen Belästigungsvowürfe gegen ihn erhoben hatten. Bald machte das Wort Femwashing die Runde. Der Begriff, bislang vor allem aus der Wirtschaft bekannt, bezeichnet die Strategie, ein pro-feministisches Image zu etablieren, während sich an den Strukturen im Hintergrund wenig ändert. Auch Dörr hatte sich um ein fortschrittliches Außenbild des Hauses bemüht und dezidiert Frauen für die Regie engagiert. Alles nur Fassade? Wie bewerten die Volksbühnen-Regisseurinnen den Skandal? Hat er ihr Selbstverständnis verändert? Simone Kaempf und Jorinde Minna Markert haben mit fünf von ihnen gesprochen.

Ein "Wir" irrt sich gewaltig

von Michael Wolf

Berlin, 23. Juni 2021. Außerhalb Griechenlands erregt das Athener Embros-Theater vor allem Aufsehen, wenn es mal wieder in seiner Existenz bedroht ist. 2006 fiel die Förderung weg, einige Zeit stand es leer. 2011 besetzten Künstler das staatseigene Gebäude, zwei Jahre später folgte die Räumung, dann eine erneute Besetzung. Die selbstverwaltete Bühne, so liest man, hat sich seither zu einem soziokulturellen Zentrum entwickelt. Der Eintritt ist frei, Studenten, Flüchtlinge und Nachbarn treffen dort aufeinander. Im Mai endete diese Erfolgsgeschichte vorerst, die Behörden versiegelten das denkmalgeschützte Gebäude mit Beton. Der Staat, immer noch in größten wirtschaftlichen Schwierigkeiten, will es wohl einer kommerziellen Nutzung zuführen. Nach Protesten soll das Theater Medienberichten zufolge inzwischen aber wiedereröffnet worden sein.

Draußen vor den Theatertüren

8. Juni 2021. Alles muss raus! Theater, das bedeutet in diesem Sommer vor allem draußen spielen: Vor dem Schloss, dem Dom, auf dem See oder auf den eigens errichteten Open-Air-Bühnen von Stadt- und Staatstheatern. Corona-sicher und nur bedingt wettergeschützt begegnen die Schauspieler und Schauspielerinnen ihrem Publikum jetzt bei Tageslicht.