Das Dimmen der Lautstärke

von Oliver Bukowski

17. August 2017. Nun also ich. Warum erst jetzt?
Weil ich, wie damals in den persönlichen Gesprächen, den direkten Kontakt zu Darja Stocker suchte. Die Idee: Vielleicht schaffen wir es, mit einander zu reden und der anscheinend so unversöhnlichen Debatte durch eine GEMEINSAME Veröffentlichung die andere Qualität zu geben. Darja Stocker hat geantwortet und denkt über meinen Vorschlag nach. Sicherlich gibt es viel zu besprechen, denn ich kenne bis heute ja nicht einmal den Wortlaut des Beschwerdebriefes an den Präsidenten der UdK; die Autorinnen wiesen an, ihn strikt vertraulich zu behandeln. Die Universitätsleitung folgte dem, und so standen wir zwar in der Kritik, nur in genau welcher?

So war’s nicht

von Anne Rabe 

14. August 2017. Sexismus, strukturelle Benachteiligung und Gewalt sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig, die Diskussion darüber notwendig. Deshalb hat es mich nicht gewundert, dass es auch eine Debatte zu Sexismus an Schreibschulen gibt. Heute aber wurde ich durch nachtkritik.de auf einen Text von Darja Stocker aufmerksam (hier die Presseschau des Texts, der im "Merkur" erschienen ist), der, wie nachtkritik.de es selbst zusammenfasst, von "erschütternden Erfahrungen während der Zeit" an der Universität der Künste in Berlin berichtet. Dieser Text betrifft mich, denn ich habe ab 2006 mit Darja Stocker gemeinsam im Studiengang "Szenisches Schreiben" studiert.

Die Volks(bühnen)vertreter

von Esther Slevogt

5. August 2017. Was macht eigentlich Michael Müller (SPD)?, fragt man sich in diesen Tagen, in denen die Unterschriften unter die Petition gegen die Pläne des neuen Volksbühnenintendanten Chris Dercon immer schwindelndere Höhen erreichen und auch sonst der Ton in der Auseinandersetzung immer schriller wird. Im Internet, wo das neue Volksbühnen-Team zum 1. August 2017 die Social Media Accounts übernommen hat, brach sofort ein Shitstorm gegen sie los, der einen das Fürchten lehren kann. Ist Wutbürgertum das neue Bildungsbürgertum?, fragt man sich allerdings angesichts des Hasslevels, das manche Posts erreichen. Hier desavouiert sich ein Anliegen selbst. Auf die zivilisatorischen Kräfte der Kunst, insbesondere der darstellenden, darf man anscheinend nicht hoffen.

Sehnsucht nach der großen Geste

Interview: Elena Philipp

3. August 2017. Wie weit darf die Kunst in ihrem Bestreben, politisch aufzurütteln, gehen? "Tod dem Diktator" stand auf Flugblättern, die das Zentrum für politische Schönheit (ZpS) kurz vor dem G20-Gipfel im Juli aus dem Fenster eines Istanbuler Hotels am Gezi-Park flattern ließ. Ausgeworfen von einem ferngesteuerten Drucker. Es war der spektakuläre dritte Teil der Aktion "Scholl 2017", zu deren Anfang Münchener Schüler*innen aufgefordert wurden, im Geiste der "Weißen Rose" Flugblätter gegen eine Diktatur ihrer Wahl zu verfassen (nachtkritik.de berichtete). Über die politischen und künstlerischen Implikationen der ZpS-Aktionen spricht nachtkritik.de-Redakteurin Elena Philipp mit dem Kölner Theaterwissenschaftler Peter W. Marx, der kürzlich in der taz einen Essay über Theater und Tyrannenmord veröffentlicht hat.

Endlich angekommen

von Nikolaus Merck

30. Juni 2017. Eitel Sonnenschein in Wien, da der zuständige Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien Magister Thomas Drozda den neuen Burgtheaterdirektor Martin Kušej den Medien präsentierte. Er freue sich, "den wichtigsten Regisseur des Landes" für das "wichtigste Theater des Landes" gewonnen zu haben, strahlte der Magister. Und der Künftige in Jeansjacke und krawattenlosem Blauhemd gleichsam sein Desinteresse am austriakischen Hof- und Kleiderordnungszeremoniell nach außen kehrend, revanchierte sich für die Freundlichkeit mit einem Herzensbekenntnis: "Ich kann nicht anders, ich bin halt Österreicher, deshalb ist der Burgtheaterdirektor ein besonderer Job", zudem sei er, anders als früher, diesmal gerufen worden, laut genug, um das beschauliche München für neue Wiener Herausforderungen hinter sich zu lassen.

Der blinde Fleck

2. Juni 2017. Wie halten sie's mit den Schauspieler*innen? Diese Frage kam immer wieder auf im Zuge der Debatten um die beiden neuen Intendanzen in Berlin. Ohne festes Ensemble starten an der Volksbühne Chris Dercon und Marietta Piekenbrock in die nächste Spielzeit. Oliver Reese versammelt am Schiffbauerdamm eine Riege hochkarätiger Spieler*innen, allerdings mit monochronem Hintergrund. Wie viel Diversität ein Stadttheater-Ensemble nötig hat, diskutieren Nikolaus Merck und Elena Philipp im Podcast.

Das Herz des Spiels

von Georg Kasch und Christian Rakow

Berlin, 30. Mai 2017. Große Fußstapfen locken ihn, scheint’s. Der Gang ins Berliner Ensemble ist der Eintritt in eine mächtige Traditionslinie: von Ernst Josef Aufricht, Bertolt Brecht, Helene Weigel, Ruth Berghaus und Heiner Müller. Sie alle nennt Oliver Reese auf seiner Antrittspressekonferenz, die heute Vormittag im Rangfoyer des Berliner Ensembles über die Bühne ging. Vorgänger Claus Peymann ward aus dieser Linie geflissentlich ausgespart. Manchmal ist auch ein Verschweigen ein Seitenhieb. Und durchaus verständlich als zarte Retourkutsche für die harten Kanten, die Peymann gegen seinen Nachfolger zu Zeiten ausgeteilt hatte (wegen der Nichtverlängerungen des Peymann-Ensembles, wegen der Nähe zum "Phänotyp" Tim Renner, man erinnert sich...).

(K)ein Ende des Nomadentums

von Astrid Kaminski und Elena Philipp

Berlin, 29. Mai 2017. Tanz: der einen Frust, der anderen Lust? Oder: Liegt da gerade ein Theater im Sterben und ersteht als Tanzhaus wieder auf? Chris Dercon, ein tanzzugewandter Intendant, zwei Haus-Choreograph*innen (Mette Ingvartsen, Boris Charmatz), neun von 16 Spielzeit-Produktionen mit Tanzhintergrund: Wie reagiert die Tanzszene eigentlich auf das neue Programm der Volksbühne Berlin? Gleich mal vorweg: Orchestrierter Jubel sieht anders aus.

"Seien Sie doch ein bisschen kosmopolitisch!"

von Julika Bickel, Elena Philipp und Christian Rakow

Berlin, 16. Mai 2017. Nach der Pressekonferenz zum Programm seiner neuen Volksbühne (ab August 2017)  rannten alle auf Chris Dercon los, um Fragen zu stellen. nachtkritik.de beantwortete der zukünftige Intendant der Volksbühne Berlin Fragen zum Stand des Ensemble-Aufbaus und seinem künftigen Repertoire. Er erinnerte sich auch an die profunde Frisuren- und Bartkritik, die nachtkritik.de bei einem seiner früheren Auftritte geleistet hatte. Die Fragen stellten Elena Philipp und Christian Rakow, die Bilder videografierte Julika Bickel.

An den
ehemaligen Regierenden Bürgermeister
und Kultursenator der Stadt Berlin
Herrn Klaus Wowereit

 

Berlin, den 22.4.2017

Sehr geehrter Klaus Wowereit,

Vor einigen Tagen las ich Ihr Interview mit der FAZ zu Fragen der Berliner Kulturpolitik, des traurigen Schicksals der Volksbühne, zu Claus Peymanns Ausscheiden als Direktor des Berliner Ensembles usw.

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