Literatur als Provokation der Theaterkritik

von Kai Bremer

30. Januar 2019. Als vor Kurzem Simon Strauß in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" dazu aufgerufen hat, vergessene Theaterstücke für die Gegenwart wiederzuentdecken, hat das auch hier für einige Reaktionen gesorgt. Bemerkenswert ist jedoch nicht nur das Anliegen an sich, sondern auch der Umstand, dass der Theaterkritiker damit indirekt daran erinnert, dass solide Textkenntnis und wohl begründete literaturkritische Kompetenzen zu den Fundamenten der Theaterkritik zählen.

Von Vielfalt und Verstärkung

26. Januar 2019. Flüstern, Raunen, Intimität: Mit Mikroports geht das auch auf dem Theater. Als technische Verstärkung von Schauspielerstimmen sind sie mittlerweile Standard. Wie Regisseur*innen aber auch ästhetisch und inhaltlich mit Mikroports umgehen, ist Thema in Folge 11 von "Der Theaterpodcast". Außerdem sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp mit Sandrine Micossé-Aikins vom Berliner Projektbüro Diversity Arts Culture über Vielfalt auf und hinter den Bühnen, Stichwort: Diversität.

Die als erste in den Kampf ziehen

von Sophie Diesselhorst und Elena Philipp

Berlin, 25. Januar 2019. Was ist eigentlich mit der Volksbühne? Erstaunlich ruhig ist es geworden um den Aufreger der letzten drei Jahre. Mit Gastspielen bewährter Erfolgs-Inszenierungen aus Hamburg, Hannover und Stuttgart füllt Interimsintendant Klaus Dörr das Haus und hält Berlins Kultursenator Klaus Lederer den Rücken frei, damit der in Ruhe eine*n Nachfolger*in bestimmen kann. Zu sagen, dass die Entscheidung mit Spannung erwartet wird, wäre eine gehörige Untertreibung.

Wie? Ach!

von Andreas Wilink

24. Januar 2019. Eine kleine, vielleicht unwesentliche Akzentverschiebung, aber doch wohl bezeichnend. In seiner Vita und desgleichen bei seiner Vorstellung am heutigen Donnerstag im Kölner Rathaus las und hörte man von dem designierten Schauspielhaus-Intendanten (ab Sommer 2021) etwas über seine Zeit als Intendant der Schauspielbühnen Stuttgart. Wie, ach? Ein gewisses Erstaunen. Aber es ist eben nicht das Staatsschauspiel Stuttgart gemeint, sondern eigener Aussage nach "das Sprechtheater mit dem höchsten Publikumszuspruch in Baden-Württemberg". Nun, ein Schelm usw.

Krach vor den Kulissen

von Tobias Prüwer

Halle, 22. Januar 2019. "Natürlich gab es auch mal Krach unter uns, aber wir haben vermieden, dass es in der Zeitung stand.“ Der Ex-Intendant und sein Ex-Verwaltungschef auf dem Podium ernten viel Applaus für eine simple Einsicht. Konflikte in der Öffentlichkeit auszutauschen, ist für die Bühnen Halle jedoch seit Jahren an der Tagesordnung. Denn der Betrieb, offiziell städtische Theater-, Oper- und Orchester GmbH (kurz TOOH) genannt, verfügt nicht nur über einen komplizierten Namen, sondern eine ebenso schwierige Entscheiderkonstruktion. Um über diese zu diskutieren, luden die Oper und das Neue Theater ein.

"Er wusste, was Mitleid ist"

von Fabian Hinrichs

Berlin, 17. Januar 2019. Vielen Dank an Aenne Quiñones, an Annemie Vanackere, an Hans-Ulrich Müller-Schwefe und an Sabine Reich für die Einladung, mich mit Herrn Schleef zu beschäftigen, ein ehrenvoller Auftrag.

Wachgerüttelt, durchgeschüttelt

21. Dezember 2018. Was bleibt, im Rückblick auf die Debatten des Theaterjahres 2018? #MeToo, ganz klar. Über Gleichstellung in den Leitungsetagen der Theater sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp mit France-Elena Damian vom Verein Pro Quote Bühne. Um neue Informationen zu den Querelen am Wuppertaler Tanztheater hat das Theaterpodcast-Duo die Redakteurin der Wuppertaler Rundschau, Nicole Bolz, gebeten. Außerdem diskutieren Burkhardt, Damian und Philipp, ob Theater mit rechten Ideologen reden sollten.

Unkultur leisten

von Andrea Heinz

19. Dezember 2018. So schnell kann es gehen. Anfang November machte die Meldung die Runde, die Stadt Linz wolle den Theatervertrag mit dem Land Oberösterreich einseitig aufkündigen und damit de facto die Förderung des Landestheater Linz einstellen. Am 6. Dezember wurde der Austritt bei einer Gemeinderatssitzung mit den Stimmen von SPÖ und FPÖ beschlossen, ÖVP, Grüne, Neos und KPÖ stimmten dagegen. Auch die mehr als 21.000 Stimmen, die vom Linzer Landestheater gegen die Kündigung gesammelt wurden, konnten daran nichts ändern. Die Aufregung ist nun groß. Landestheater-Intendant Hermann Schneider ließ gleich nach dem Gemeinderatsbeschluss verlauten, er sei "von diesem Moment an nicht mehr geschäftsfähig im Hinblick auf die Spielzeit 2019/20". Zwar gab tags darauf Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) im ORF bekannt, das Land werde die fehlenden Subventionen der Stadt übernehmen, was aber prompt Befürchtungen in der Freien Szene weckte, sie müssten am Ende für diese Geldumschichtung bezahlen.

Im Minenfeld

von Falk Schreiber

Hamburg, Dezember 2018. Künstler können nicht mit Geld umgehen. Und Wirtschaftsmenschen haben keine Ahnung von Kunst. Was natürlich ein Klischee ist, das bei Licht betrachtet sofort Gegenbeispiele provoziert. Andererseits fällt immer wieder auf, wie kaufmännische und künstlerische Leitung an Theatern einander nicht grün sind. Bis hin zu öffentlichen Zerwürfnissen, die im Extremfall die Existenz des jeweiligen Theaterbetriebs gefährden können.

Abschied von der Komfortzone Haustarif

von Michael Bartsch

Dresden, 10. Dezember 2018. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist immer für Überraschungen gut, womit er sich aber in der eigenen CDU nicht nur Freunde schafft. Zum Auftakt des Sächsischen Theatertreffens im Mai begrüßte er die Akteure von Staatsschauspiel Dresden, fünf Kulturraumtheatern und zwei Großstadtbühnen nicht nur formelhaft. Er forderte zugleich eine "ordentliche Bezahlung der Kulturschaffenden" und sprang damit an die Spitze einer Bewegung, die seit rund zwei Jahrzehnten zur Rückkehr in den Flächentarif bei Theatern und Orchestern drängt. Die "Haustariffalle" ist nicht allein ein sächsisches Problem, hat aber hier zu Einkommensverzichten von teilweise mehr als 30 Prozent geführt. Nur so ließ sich das Überleben von Kultureinrichtungen ohne weiteren Stellenabbau und Spartenschließungen sichern.

Unterkategorien