Sterne lügen nicht

von Georg Kasch und Christian Rakow

31. Dezember 2020. Nachdem wir 2020 mit Überraschungen eher unschöne Erfahrungen gemacht haben, gehen wir jetzt auf Nummer sicher. Folianten auf, Sternkonstellationen geprüft – Sterne lügen nicht.

Bitte nicht Corona sagen!

30. Januar 2020. Keine Frage, 2020 wird als Corona-Jahr in die Annalen eingehen. Das Jahr, in dem die Theater dicht machten wie ehedem zu Pestzeiten bei Shakespeare, als lokale wie internationale Festivals der Reihe nach abgesagt wurden (bis einige Sommer-Events mit reduziertem Platzangebot auftraten), als Worte wie "Lockdown" oder "Social Distancing" in den täglichen Sprachgebrauch rückten, als man anfing von "analogem" Theater zu sprechen, wenn man die Kunst in Schauspielhäusern meinte. Aber was mehr hatte das Jahr 2020 zu bieten?

Danach die ganze Welt

von Falk Schreiber

Hamburg, 3. Juli 2015. Mein Verhältnis zum Stadttheater hat zunächst einmal mit Sex zu tun. Ich bin in den Achtzigern in einer kleinen Stadt aufgewachsen, in Ulm, und was über kleine Städte zu sagen ist, sangen schon Lou Reed und John Cale: "When you're growing up in a small town/bad skin, bad eyes, gay and fatty/people look at you funny/when you're in a small town." ("Smalltown", in: Lou Reed/John Cale: "Songs for Drella", 1990) Will sagen: In kleinen Städten gibt es nichts zu wollen, ästhetisch und menschlich. Ob man nun schlechte Haut hat, schwul ist oder dicklich oder anderweitig nicht ins Raster passt. Das abendliche Entertainment der Sechzehnjährigen verantworteten (meist kirchliche) Jugendgruppen und Sportverein, na danke auch. Das Aufwachsen in einer Kleinstadt hätte die Hölle sein können, in den Achtzigern.

Von der Homepage zur Homestage

28. Dezember 2020. In diesem Jahr war alles anders. Und so ist der meistgelesene Text des Jahres 2020 genau genommen gar kein Text: der digitale Spielplan nämlich. Darauf versammelte die Redaktion vom ersten Tag des Lockdowns im März an Termine der digitalen Theater-Angebote im gesamten deutschsprachigen Raum. Schnell gesellte sich das eigene Angebot nachtkritikstream dazu. Die täglichen Nachtkritikstreams waren aus der Frage entstanden: Wie können wir nach der Einstellung des Spielbetriebs das deutschsprachige Theaterschaffen weiterhin repräsentativ abbilden, wenn wir nicht mehr darüber schreiben können?