Fünfzehnter Brief

"Der Mensch soll mit der Schönheit nur spielen, und er soll nur mit der Schönheit spielen. Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." (Friedrich Schiller)

Der spielende Mensch

von Olga Grjasnowa

29. Juni 2019. Was ist ein spielender Mensch? Im Prinzip ist er unser Zeitgenosse. Ein Hipster. Ein RTL2-Zuschauer. Einer von der Latte-Macchiato-Fraktion, wie es sie nur noch in der Provinz gibt. Viele Mutmaßungen über ihn und sie stehen im Raum. In Zeiten der Selbstoptimierung, in denen selbst das Aufräumen zu einem Event mit therapeutischer Wirkung erhoben wird, hat das Spiel etwas zutiefst archaisches und zugleich zeitgenössisches. Es handelt sich um verschwendete, nicht genutzte Zeit. Einer der wenigen verbliebenen Freiräume. Das Spiel ist heute allgegenwärtig: Candy-Crush-Saga auf den Handys, Brettspiele für Erwachsene, Instagram, die Kommentarspalten der Zeitungen – und dennoch haben diese Spiele nichts mit "Schönheit" zu tun. Eigentlich auch nichts mit dem Spiel, zumindest mit dem intellektuellen. Die Schönheit geht uns verloren. Vielleicht nehmen wir sie nicht ernst genug. Womöglich haben wir sie einfach verspielt.

Vier normale, deutsche Sekunden

von Marina Davydova

26. Juni 2019. Das deutsche Theatersystem gilt in Russland, ja überall in der Welt, als vorbildlich. Wie effektiv es ist, kann man an den Ergebnissen ablesen. Man braucht sich lediglich das Programm eines beliebigen internationalen Festivals anzuschauen, um zu verstehen: Im internen Ranking belegt das deutsche Theater nach wie vor die vordersten Positionen.

Theater und Politik

von Falk Richter

Hamburg 20. Juni 2019. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Lehrende, liebe Studierende, was kann Theater? Was soll Theater bewirken? Und wie politisch kann und soll Theater sein?

Rendezvous mit der Antike

von Michael Wolf

19. Juni 2019. Vier Stunden pro Tag verharrt sie auf einem Sockel, ruht sich aus, diese erschöpfte Königin. Um sie herum antike Statuen, vor Jahrtausenden gestoppte Zeit. Mit langsamen Bewegungen variiert sie ihre Position, sackt in sich zusammen, steht dann doch auf, streckt die Arme aus, tastet in die Leere, zieht die Hände wieder zurück. Nur für mich, den einzigen Besucher des kleinen Archäologischen Museums von Piräus an einem heißen Nachmittag.