Medienschau: Berliner Zeitung – Design-Studio LSD verlässt Volksbühne

Wache Lässigkeit

Wache Lässigkeit

10. Juli 2025. "Die Castorf-Neumann-Ära der Volksbühne ist vorbei", vermeldet die Berliner Zeitung. Denn das Haus am Berliner Rosa-Luxemburg-Platz und das von Bert Neumann mitgegründete legendäre Design-Studio LSD gehen getrennte Wege.

Das Design-Studio LSD (Last Second Design) hatte Bert Neumann zusammen mit seiner Frau Lenore Blievernicht gegründet. Später stieß sein Sohn Leo Neumann dazu, der zuletzt während der Intendanz von René Pollesch den Look des Hauses prägte. "Kühne Ansagen, wache Lässigkeit und Chichi-Freiheit – von diesem der Realität der Gegenwart abgetrotzten Geist zehrte das Theater noch lange nach Neumanns Tod und Castorfs Weggang", schreibt Ulrich Seidler in der Berliner Zeitung. Die Trennung sei, nach Aussage von Blievernicht und Leo Neumann, "im Einvernehmen" erfolgt.

Demnächst beginnt Matthias Lilienthal seine Volksbühnen-Intendanz. Das neue Design kommt von Designstudio 200Kilo und arbeitet mit gekleckerten Schriftzügen.

(Berliner Zeitung / chr)

Kommentare  
Medienschau LSD: Verhältnisse
Verstehe ich richtig, dass Bert Neumann zusammen mit seiner Frau eine Firma hatte, die jahrelang von der Volksbühne beauftragt wurde, dass Design des Hauses zu gestalten?
Medienschau LSD: Neue Häuser, neue Schriftarten
Leider ist die neue VB-Website ein Graus. Viel Invest für keinen Mehrwert. - Und wer gekleckerte Buchstaben mag, hat sicherlich auch an den Hieroglyphen des Theaters an der Parkaue seine Freude: https://www.parkaue.de/

Mir hat sich noch nie erschlossen, warum besondere Häuser sich durch besonders neue (und Schriftarten beweisen müssen.

Als ob der Name Lilienthal nicht genug Neuhaftigkeit verströmen würde ...
Medienschau LSD: Nur für eine Spielzeit
Mit Antritt von Matthias Lilienthal wird dann wieder eine neue Agentur beauftragt... Die jetzige "CI" ist nur für die Spielzeit 2025/26 gedacht.
Medienschau LSD: Nicht verschenkt
@steuerzahler: Dachten sie das das Volksbühnendesign, das zu den signifikantesten, meistkopierten Designs in ganz Europa zählt hat Bert Neumann einfach an die Volksbühne verschenkt? (...) Hat ihnen schonmal ein Maler umsonst die Wohnung gestrichen? (...) Haben sie Bert Neumann irgendwann gekauft und muss jetzt automatisch alles was er geschaffen hat in ihren Besitz übergehen? Vielleicht fragen sie mal bei Jung von Matt nach wie die sowas handhaben. (...)

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Der Beitrag wurde gekürzt. Bitte keine überzogene Polemik.
Herzliche Grüße aus der Redaktion
Medienschau Design-Studio LSD: Corporate Look
@Hans Zisch: Häuser, die zeitgenössische Kunst schaffen, brauchen auch ein zeitgemäßes Corporate Design.
Medienschau Design-Studio LSD: Compliance-Verstoß?
Es geht längst nicht mehr um die Frage, ob Bert Neumann und seine Frau gute Arbeit geleistet haben. Es geht um ein strukturelles Problem, das im Theaterwesen erschreckend normalisiert scheint: Wie kann es sein, dass die Ehefrau eines leitenden Mitglieds der Volksbühne über Jahre hinweg regelmäßig Aufträge vom Haus erhielt? Und noch grundlegender: Konnte Bert Neumann als Teil der Leitung seine eigenen Honorare im Grunde mit sich selbst aushandeln?

In jedem anderen Bereich – ob Politik oder Wirtschaft – würde eine solche Konstellation mindestens als Interessenskonflikt gelten, oft als klarer Compliance-Verstoß. Nur im Kulturbetrieb wird daraus eine künstlerische Notwendigkeit konstruiert, wo in Wahrheit mangelnde Transparenz und strukturelle Intransigenz herrschen.

Der Kunstbetrieb fordert gern Autonomie und Freiheit. Beides ist wichtig. Aber Autonomie darf nicht zum Deckmantel für institutionelle Unkontrolliertheit werden. Es ist höchste Zeit, dass auch Theaterhäuser sich an grundlegende Standards von Fairness und Rechenschaftspflicht halten – nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer gesellschaftlichen Bedeutung.
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