Medienschau: Spiegel & Tagesspiegel – Matthias Lilienthal über seine Volksbühnen-Pläne
"Ich kann nicht ändern, dass ich keine Ost-Identität habe"
"Ich kann nicht ändern, dass ich keine Ost-Identität habe"
17. Februar 2025. Im Interview mit dem Spiegel und in einem Artikel des Berliner Tagesspiegels spricht Matthias Lilienthal erstmals nach seiner Ernennung zum Intendanten der Berliner Volksbühne ab 2026 über seine Pläne für das Haus.
Im Spiegel lobt er dabei seinen Vorgänger René Pollesch und bestätigt dem Magazin, dass er selbst ihn in den 1990er Jahren – damals Chefdramaturg des Hauses unter der Intendanz von Frank Castorf – nicht engagieren wollte: "Ein blöder Irrtum“, so Lilienthal rückblickend. Er fände "gut“, was Pollesch an der Volksbühne gemacht habe, sein eigener Ansatz aber sei ein anderer. "Ich möchte eine Vielzahl von Arbeitsweisen versammeln, die ästhetisch möglichst weit voneinander entfernt sind. Das Line-up der Regisseure soll großteils aus dem internationalen Raum kommen.“ Gleichwohl tritt Lilienthal dem potenziellen Verdacht entgegen, das Haus "in eine internationale Eventbude“ verwandeln zu wollen: "Ich bin mir der Wurzeln der Volksbühne bewusst. Ich stelle das Ensemble nicht infrage.“
Auch auf die "Ost-Identität“ des Hauses wird Lilienthal von den Spiegel-Redakteuer:innen Elisa von Hof und Wolfgang Höbel in dem launigen Interview angesprochen und direkt gefragt: "Fehlt Ihnen als Westler nicht das tiefere Verständnis für das Lebensgefühl Ost?“. Darauf Lilienthal: "Das fehlt mir völlig. Ich kann aber nicht ändern, dass ich keine Ost-Identität wie Frank Castorf habe. Fragen Sie doch Herrn Chialo, warum er keinen Menschen aus dem Osten eingestellt hat.“ Gleichwohl habe er vor, so der designierte Intendant, "Projekte mit Ost-Bezug“ am Haus umzusetzen.
Das Thema vertieft er noch etwas im Text im Tagesspiegel. "In den Neunzigern habe ich mit der Osthaftigkeit der Volksbühne vollständig identifiziert“, sagt er dort in einem Artikel von Rüdiger Schaper. "Heute ist es nicht mehr so ganz einfach, den Osten im Bezirk Mitte zu spüren. In der Volksbühne selbst ist das anders, da leben die alten Diskurse, zum Beispiel die Frage des Panslawismus etwa bei Dostojewski. Damit sich auseinanderzusetzen wird spannend.“
Im Spiegel äußert sich Lilienthal auch zur finanziellen Lage des Hauses, das ebenfalls – in vergleichsweise drastischer Form – von den im Dezember 2024 beschlossenen Kulturkürzungsmaßnahmen betroffen ist. Abgesehen davon, dass er "ganz schön penetrant“ sein könne und den Kultursenator entsprechender "Penetranz“ daran erinnern werde, was er Positives über das Haus am Rosa-Luxemburg gesagt habe, denkt Lilienthal auch über privatwirtschaftliche Unterstützung nach: "Vielleicht müsste sich der Kultursenat mal mit Unternehmen zusammensetzen und darüber nachdenken, ob es eine privatwirtschaftliche Kulturstiftung des Bundes geben kann. Ist natürlich kein idealer Moment dafür, wenn es der Wirtschaft schlecht geht, schon klar. Aber vielleicht ändert sich das in zwei, drei Jahren.“
(Der Spiegel / Tagesspiegel / cwa)
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