Medienschau: Tagblatt – Kein Konkurs am Zürcher Schauspielhaus

Überraschendes Plus

Überraschendes Plus

24. Januar 2025. Statt eines Verlusts haben Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg, die vorzeitig nicht verlängerten Intendanten am Zürcher Schauspielhaus, in ihrer letzten Spielzeit 2023/24 schwarze statt roter Zahlen geschrieben. Das berichtet Daniele Muscionico im Tagblatt von der Generalversammlung des Theaters. Damit ist einer der offiziell genannten Gründe für die Nichtverlängerung hinfällig.

Der Verwaltungsrat des Schauspielhauses habe dem Intendanten-Duo im vergangenen Jahr immer wieder vorgeworfen, "mit seinem als woke verschrienen Spielplan und künstlerisch avancierten neuen Formaten den Konkurs des Hauses" zu riskieren, so Muscionico. Zu geringe Ticketeinnahmen waren bei der Nichtverlängerung im Februar 2023 auch als ein Grund angegeben worden, warum die Stadt Zürich ihre Förderung für das Schauspielhaus nicht nur nicht angehoben, sondern Einsparungen verlangt habe.

Nun müsse der Skandal am Zürcher Schauspielhaus vertagt werden, schreibt Muscionico. Die Bilanz von Stemann und von Blomberg laute auf den zwar unerheblichen, aber positiven Betrag von 23.506 Franken im Plus. Auch die Auslastungszahlen seien nicht viel schlechter gewesen als jahresweise etwa in der Intendanzzeit von Barbara Frey. 2009/10 habe deren Auslastung in der Gründungsspielstätte, dem Pfauen, bei lediglich 54 Prozent gelegen, 2014/15 bei 55 Prozent. Bei Stemann und von Blomberg seien im Geschäftsjahr 2023/24 im Pfauen 53 Prozent der Plätze pro Vorstellung verkauft gewesen, im Vorjahr 48 Prozent. Im Schiffbau, der 2000 eröffneten Spielstätte in einer denkmalgeschützte Industriehalle, habe die Auslastung der Halle bei 86 Prozent gelegen (Vorjahr 54 Prozent), in der kleineren Box bei immerhin 79 Prozent (Vorjahr 48 Prozent), so das Tagblatt.

(Tagblatt / eph)

Kommentare  
Medienschau Zürich: Interessant
In derselben Woche, in der der damaligen Intendanz des Schauspielhauses Zürich grundlos gekündigt wurde – wie nun bekannt ist –, erhielt das Zurich Film Festival (ZFF), ein Festival der NZZ-Gruppe, eine Subventionserhöhung um 150’000 Franken auf insgesamt 500’000 Franken jährlich. Dieselbe NZZ, die eine Kampagne gegen das Schauspielhaus führte, profitierte damit indirekt von einem politischen Schulterschluss linker und rechtsbürgerlicher Kreise.

Diese Entscheidung zeigt, wie politische Interessen in die Kulturpolitik hineinwirken. Die grundlose Kündigung generierte enorme Mehrkosten, machte eine extrem teure Zwischenintendanz nötig und hinterließ bei vielen Beteiligten Unsicherheit. Auch wenn die künstlerische Qualität und Integrität der kommenden Intendant:innen dadurch nicht infrage gestellt werden soll, ist dies ein klares Warnzeichen: Künstler:innen sind der Willkür politischer Machtkämpfe ausgeliefert. Wenn es hart auf hart kommt, entstehen fragwürdige Allianzen, und es liegt im Ermessen der Mächtigen, ob eine Intendanz als geglückt oder gescheitert dargestellt wird. Je nach Stimmung gibts dann Defizite oder eben nicht. Wie es der Stadtpräsidentin ins Machtkalkül passt.

Zitat (Februar 2023)
„Ab diesem Jahr erhält das ZFF von der Stadt Zürich neu 500’000 Franken. Der Gemeinderat hat die jährliche Subvention von 350’000 Franken pro Jahr um 150’000 erhöht.

Quelle:
Artikel zur Subvention des Zurich Film Festivals: https://www.tagesanzeiger.ch/das-zurich-film-festival-erhaelt-mehr-geld-und-soll-gruener-werden-896811077934
Medienschau Zürich: Kein Skandal ist ein Skandal
Traurig muss ich nun es also nicht mal mehr vermuten: Der Stemann / vom Blomberg / Zürich-"Skandal" war sogar unter finanziellenusw Aspekten lediglich Kind einer eskalierende Sehnsucht-nach-Wut-Stimmung.
Ich danke den beiden und allen Mitstreiter*innen für ihren Mut und ihr Programm, für viele tolle Erlebnisse, verbunden mit einem herzlichen "Glück auf!" in die Zukunft.
Genau dieses wünsche ich natürlich auch Pınar Karabulut und Rafael Sanchez in Zürich!
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