Medienschau – VAN-Magazin: Kritik an Ausgaben der Komischen Oper
Nicht mit jedem Euro
Nicht mit jedem Euro
3. Juli 2025. In einem längeren Rechercheartikel kritisiert das Musikmagazin VAN die Mittelverwendung an der Komischen Oper Berlin.
Im Fokus des von Hartmut Welscher und Merle Krafeld verfassten Rechercheartikels stehen Verstöße gegen den Denkmalschutz bei der Inbetriebnahme der Übergangsspielstätte Schillertheater, zudem Reisekostenabrechnungen, der Erwerb eines ausrangierten Busses (der für Außenspielstätten der Oper Werbung machen sollte, aber de facto nie eingesetzt wurde) sowie Beraterhonorare und die Mandatierung eines Presseanwalts in Reaktion auf die VAN-Recherchen.
In der Einschätzung der VAN-Autor*innen, die ihren Artikel auf Akteneinsicht sowie auf Äußerungen aktueller und ehemaliger Mitarbeiter*innen stützen, werde an der Komischen Oper "nicht mit jedem Euro umsichtig gewirtschaftet". Wobei der Vorwurf vor dem Hintergrund der jüngsten Berliner Sparmaßnahmen formuliert ist (die die Komische Oper mit rund 4 Millionen Euro Kürzungen am laufenden Betrieb für 2025 treffen).
Die Komische Oper verweist in ihrer Antwort auf Kritikpunkte des Artikels auf ihr funktionierendes Controlling und hat zudem einen renommierten Presseanwalt eingeschaltet, über den sie mitteilt: "Der Betrieb der Komischen Oper Berlin wird mit größtmöglicher Effizienz geführt." Der gesamte Text ist im Netz frei zugänglich.
(van.de / chr)
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- Der gekürzte Millionenbetrag wird mit vornehmlich kleinsten Summen verglichen wie z.B. Taxirechnungen. Was ist wohl die Motivation hinter diesem Vergleich?
- Zu den "Beraterhonoraren" (im Plural): es geht im Artikel nicht um mehrere, sondern nur um einen Berater, nämlich Christian Carlstedt, der als Casting-Berater engagiert ist, statt für den Job eine zusätzliche festangestellten Leitungsposition zu besetzen. Die personelle Ausstattung von Staatsoper und Deutsche Oper ist ja wohl erheblich größer, ein Vergleich ist unredlich. Wird ein externer Berater mehr verdienen als ein:e festangestellte:r Casting-Direktor:in? Ohne diese Information ist der Vorwurf doch aussagelos.
- Zu den Dienstreisen: An jedem größeren Haus werden umfangreiche Dienstreisen gemacht, das soll man bitte auch mal mit Zahlen von z.B. der Staatsoper vergleichen, man wird sich sehr wundern.
- Herr Welscher echauffiert sich, dass teilweise mehrere Dienstreisen an denselben Ort gemacht wurden. Dabei reicht es doch, wenn man ein Theater sich einmal angeguckt hat, warum muss man sich das dann noch ein zweites Mal ansehen? Kann es sein, dass da vielleicht auch unterschiedliche Inszenierungen begutachtet wurden? So "weit" wurde nicht gedacht, der Artikel bewegt sich auf dem Niveau von: "Warum brauchen wir 12 Erste Geigen, wenn die sowieso alle die gleiche Stimme spielen?"
Unter dem Strich Kampagnenjournalismus, der versucht, in die Welt zu setzen: Theater verschwenden Geld, man kann da ruhig kürzen, denn sie haben ja eh genug. Unterste Schublade.
An die Staatsoper Unter den Linden dürften weniger hohe Erwartungen geknüpft sein als an die Komische Oper. Und ob diese Erwartungen nun durch VAN (CM: "Kampagne") böswillig, unberechtigterweise demoliert werden oder auch Moser und Bröking einen Anteil daran haben bleibe vorerst dahingestellt. Dem Erfolg der Komischen Oper als Ensemble-Haus mit tollen Produktionen möge dies – gerade in finanziell seit Chialo/Wegner derart prekären Zeiten – keinen Abbruch tun. Bestenfalls erhalten Demokratie und Kritikfähigkeit dadurch Auftrieb.
Die Motivation Ihres Kommentars stellt sich auch selbst ein Bein, nach dem Motto: das machen doch alle anderen auch so. Also nicht kritisieren?
Genau das ist der Kern der Kritik: Diese ganzen Privilegien sind nicht nur übertrieben, sondern sie zeigen ein grundlegendes Problem. Während oben großzügig mit Budgets jongliert wird, müssen unten viele die eigentliche Arbeit machen – und das oft unter echt schwierigen Bedingungen. Schaut man mal hinter die Kulissen, dann sieht man Bühnenarbeiter, Maskenbildner, Requisite-Leute und Techniker, die den ganzen Betrieb am Laufen halten und dafür im Schnitt vielleicht 3.000 Euro brutto im Monat verdienen. Für diese Menschen gibt es keinen Luxus oder Dienstprivilegien. Die rackern sich ab, damit der große Auftritt gelingt, während andere im Fünf-Sterne-Hotel residieren und Austern schlürfen.
Es ist ja völlig in Ordnung, dass Kunst öffentlich finanziert wird – das ist wichtig, weil Kultur für alle da sein sollte. Aber mit diesem Geld geht auch Verantwortung einher. Und die bedeutet vor allem Transparenz und ein Bewusstsein dafür, wo Prioritäten gesetzt werden. Und Verhältnismäßigkeiten. Wenn viel Geld in Prestigeprojekte und Repräsentation fließt, gleichzeitig aber anständige Gagen, gute Arbeitsbedingungen und innovative Ideen auf der Strecke bleiben, dann läuft es am Kern vorbei.
Das große Problem ist auch die Abhängigkeit: Viele trauen sich nicht, das offen zu kritisieren, weil sie ihre Jobs nicht riskieren wollen. Wer einmal aneckt, steht schnell auf irgendeiner schwarzen Liste. Deshalb braucht es endlich klare Regeln: Transparente Berichte darüber, wofür Gelder ausgegeben werden, Kontrollgremien, die wirklich hinterfragen, und vor allem: Mehr Bescheidenheit in den Chefetagen. Das wäre zeitgemäß.
Öffentliche Mittel sind kein Selbstbedienungsladen für persönliche Annehmlichkeiten. Sie gehören allen, die diese Kunst möglich machen – den Künstlerinnen und Künstlern, dem Publikum und denen, die im Hintergrund schuften. Wenn wir nicht anfangen, diese Schieflage ehrlich anzusprechen, wird klassische Musik am Ende immer mehr zu einem elitär wirkenden Zirkus, den viele Menschen einfach nicht mehr ernst nehmen. Kulturförderung soll Wirkung entfalten, #einefüralle, nicht nur ein paar Führungskräften den roten Teppich ausrollen.