Medienschau: WELT – Antisemitismusvorwürfe am Gorki

"Semantische Verengungen"

"Semantische Verengungen"

21. September 2025. Die Initiative Artists Against Antisemitism sagt, das Berliner Gorki-Theater spiele in einer aktuellen Werbekampagne mit antisemitischen Codes. Jakob Hayner hat sich die Bilder in der WELT angesehen und findet: Es ist nicht so eindeutig, wie es scheint. 

Konkret geht es um drei "problematische Bilder" aus der aktuellen Fotokampagne mit Mitgliedern des Gorki-Ensembles. Zu sehen ist darauf unter anderem ein Schauspieler, der eine rot bemalte Hand reckt. Ein anderer trägt die Kufiya und ein T-Shirt, das eine israelische Landkarte überzogen von einem an die Kufiya erinnernden Muster zeigt. Eine dritte Kollegin, ebenfalls mit Kufiya, hat den Mund zugeklebt.

Eine "ungeheuerliche Entgleisung der symbolischen Auslöschung Israels" sieht darin das Bündnis Artists Against Antisemitism. Jakob Hayner findet in der WELT: "Das Problem bei der Kritik mutmaßlich antisemitischer Bilder ist, dass man selbst den Common Sense der Antisemiten, der das Bild zum Code macht, bereits als Resultat voraussetzen muss." Dies könne zu "semantischen Verengungen und Verkürzungen führen, weil man den von Ambivalenz befreiten Blick einer nur in Codes kommunizierenden Weltsicht übernimmt". Gleichwohl stünden die Bilder für "hermeneutische Stolperfallen".

Die Kampagne zeige, "dass die seit zwei Jahren im buntgemischten und politisch engagierten Ensemble des Gorki-Theaters schwelenden Konflikte nun in einer größeren Öffentlichkeit ausgetragen werden". Es sei nun am Publikum, "sich zu dem zu äußern, was man da geboten bekommt", so Hayner.

(WELT / jeb)

Kommentare  
Medienschau Gorki-Kampagne: Eindeutiger Antisemitismus
Eine Schauspielerin mit einer Kufiya um die Hüften, im Hintergrund ist die Explosion eines Gebäudes in Gaza zu sehen, ein Schauspieler mit Kufiya und Anti-Israel-Shirt, dabei deutlich zu erkennen: das T-Shirt zeigt ein Palästina ohne Israel.
Laut Theater konnten die Ensemblemitglieder bei dem Shooting „nach freiem künstlerischem Ermessen im Rahmen ihrer Kunstfreiheit sich zu sie berührenden Themen individuell äußern, weshalb Posen, Hintergründe, Kostüme und Requisiten frei von ihnen gewählt wurden“. Vorgaben für das Shooting oder eine anschließende Kontrolle der Motive habe es nicht gegeben. So macht man sich die Welt, wie sie einem gefällt.
Aber wahrscheinlich bin ich da nur "semantisch verengt", weil ich über die "hermeneutischen Fallen" stolpere. Für mich ist es ein eindeutiger Antisemitismus.
Medienschau Gorki-Kampagne: Wo?
Lieber Herr Weckherlin, wo haben Sie denn die Plakate gesehen? Ich finde die nicht auf der Webseite?


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Werte Sonja, die Plakate waren im zitierten Artikel dokumentiert. Einige finden sich noch via Instagram: https://www.instagram.com/maxim_gorki_theater/
Eins der besagten Plakate wurde vom Gorkitheater zurückgezogen und ist nur noch im Artikel von Jakiób Hayner zu sehen, auf dem diese Medienschau beruht. Viele Grüsse aus der Redaktion.
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