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Stadt Erfurt beurlaubt Gleichstellungsbeauftragte

28. Oktober 2023. Nachdem sie mutmaßliche Übergriffe am Theater Erfurt in einem Zeitungsbericht öffentlich gemacht hat, wurde die Gleichstellungsbeauftragte Mary-Ellen Witzmann von der Stadt Erfurt beurlaubt. Das berichtet der MDR. 

Hintergrund ist ein Bericht in der Thüringer Allgemeinen, der am 21. Oktober 2023 veröffentlicht wurde. Darin hatte die kommunale Gleichstellungsbeauftragte Mary-Ellen Witzmann über mutmaßliche Übergriffe von Theater-Mitarbeitern auf sechs Personen berichtet. Witzmann gab an, dass ihr Schreiben mit Anschuldigungen von Sängerinnen aus dem Jahr 2019 sowie jüngere Fälle vorliegen. Gleichzeitig geht aus dem Bericht hervor, dass sich die seit gut drei Monaten im Amt befindende Gleichstellungsbeauftragte von Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) massiv in ihrer Arbeit behindert und nach eigenen Angaben sogar arbeitsrechtlichen Drohungen ausgesetzt sieht.

Vorwurf des eigenmächtigen Verhaltens

Die Stadtverwaltung warf der Gleichstellungsbeauftragten am vergangenen Montag in der Sache eigenmächtiges Verhalten vor. Das Gleichstellungsgesetz sehe keine eigenständigen Ermittlungen durch die Beauftragte vor, so Andreas Bausewein. Zudem habe Witzmann trotz mehrfacher Aufforderung weder einen Bericht noch Belege vorgelegt, die ein Handeln der Stadtspitze erlaubt hätten. Ferner habe sie die Presse informiert, bevor sie ihre Analyse dokumentiert und ihrem Vorgesetzten mitgeteilt habe. Auch Tobias Knoblich, Kulturdezernent der Stadt Erfurt, kritisiert die städtische Gleichstellungsbeauftragte in einer Mitteilung scharf. Ihr Verhalten komme nicht nur einer Vorverurteilung aller beteiligten Akteure gleich, sondern gefährde auch das eigentliche Verfahren.

Komission wurde einberufen

Zwischenzeitlich wurde laut der Stadt Erfurt eine Kommission unter Leitung des Dezernenten beauftragt, den Vorwürfen gegen die Theatermitarbeiter nachzugehen. Man habe dabei den Personalrat des Theaters eingebunden. Die Vorwürfe gegen die Gleichstellungsbeauftragte Witzmann seitens der Stadtspitze wurden derweil von einigen Stimmen aus den Stadtratsfraktionen kritisiert – unter anderem sagte Karola Stange, gleichstellungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Thüringer Landtag, sie finde es unerhört, dass eine Gleichstellungsbeauftragte daran gehindert werde, "Transparenz und Gleichberechtigung herzustellen". 

Am vergangegen Freitag gab die Stadt bekannt, die Vorwürfe über sexuelle Übergriffe am Theater Erfurt mit einer Berliner Anwaltskanzlei aufzuklären. Die Arbeit der Kanzlei laufe unabhängig. Des Weiteren wurde die Beurlaubung von Mary-Ellen Witzmann bekannt gegeben. Auf Anfrage des MDR äußerte sich die Gleichstellungsbeauftragte aus arbeitsrechtlichen Gründen selbst nicht zur Sache, so der Sender. Witzmann wird in der Sache anwaltlich vertreten.

(mdr.deThüringer Allgemeine / sdre)

 

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