Brüder und Schwestern - Nationaltheater Weimar
Familenbande im Gezeitenwechsel
von Harald Raab
Weimar, 10. November 2019. Der Ort könnte nicht passender sein, um Abwicklung in Szene zu setzen: das alte E-Werk Weimars, heute Spielstätte des Deutschen Nationaltheaters. Es riecht immer noch nach Schmieröl. Leitungsrohre ohne Zweck laufen von irgendwoher nach nirgendwo, museale Eisensaurier des Industriezeitalters. Auf der Bühne eine Arena, begrenzt von einem Mauerhalbrund. In der Mitte, wolkig ausfransend die deutschen Farben Schwarz, Rot, Gold aufgetragen. Links ein Monumentalgemälde zu Ehren 40 Jahre DDR-Sozialismus mit Gottvater Marx, einem Held der Arbeit und einer Genossin. Rechts ein Bild der hedonistischen Bauhausgesellschaft beim Maskenball mit Altmeister Gropius als Mephisto. Der Maler Dieter M. Weidenbach, einst Meisterschüler bei Willi Sitte, trägt live noch letzte Pinselstriche auf. Und die Parole "Fuck the Wall". Vom Bühnengeschehen lässt er sich kaum beeindrucken.
Der Riss durch die Welt - Residenztheater München
Künstlermahnungen aus dem Ghetto
von Petra Hallmayer
München, 8. November 2019. Der Abend beginnt mit einem langen Schweigen. Stumm sitzen zwei Männer und zwei Frauen auf rotgepolsterten Stühlen auf der leeren dunklen Bühne. In Rückblenden und Zeitsprüngen erzählt Roland Schimmelpfennig in seinem im Auftrag des Bayerischen Staatsschauspiels entstandenen Stück "Der Riss durch die Welt", das von Tilmann Köhler nun am Cuvilliéstheater uraufgeführt wurde, von einer radikal misslingenden Begegnung.
Schloss Rosmersholm - Theater Bremen
Wiedergänger mit Herz
von Jan-Paul Koopmann
Bremen, 8. November 2019. Die Leiche nicht wegzuschaffen, war wirklich ein Geniestreich. Denn obwohl sich in Ibsens "Rosmersholm" ohnehin alles um die vorab verblichene Beate dreht, macht es einen schon richtig kirre, wie sie da die ganze Zeit in ihrer kalten Pfütze liegt. Im schmuddelweißen Kleid der Wasserleiche steckt Lisa Guth, die krampfig zuckt und die sich windet, wenn die anderen über sie sprechen: ein Resonanz-Zombie, der in seiner Gelenkigkeit ein bisschen an dieses furchtbare Mädchen aus Der Exorzist erinnert, oder an Hideo Nakatas Ring - an Horror jedenfalls, auch wenn Armin Petras' Geistergeschichte unterm Strich doch sehr viel trauriger ist als unheimlich.
Regie: Yael Ronen
Regie: Susanne Zaun
Regie: Thom Luz
Regie: Antú Romero Nunes
Regie: Annett Kruschke / Reinhard Göber
Regie: Kay Voges
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