Dantons Tod – Friederike Heller schlägt sich in ihrer Dresdner Inszenierung von Büchners Drama auf die Seite der Titelfigur
Die Kinder der Revolution fressen
von Tobias Prüwer
Dresden, 2. Mai 2015. Lebemann oder Tugendtropf? Für Friederike Heller ist das keine Frage. Am Staatsschauspiel Dresden schlägt sich ihr "Dantons Tod" eindeutig auf die Seite des gemäßigten Genießers. Ein Abend mit tollen Bildern und deutlichen Schwankungen auf der Genussskala.
Onkel Wanja - Nach dem "Kirschgarten" inszeniert Nurkan Erpulat am Gorki Theater wieder einen Tschechow
Utopisches Zusammensein
von Leopold Lippert
Berlin, 2. Mai 2015. Nach dem schrillen Kirschgarten von 2013, dem von vielen Seiten die Übereindeutigkeit der postmigrantischen These angekreidet wurde, wirkt Nurkan Erpulats "Onkel Wanja" am Gorki Theater regelrecht bieder. An einer Stelle etwa sitzt Wanja (Tim Porath) stockbesoffen inmitten alter Kartons voller Erinnerungen und redet mit einem Huhn, das, weil es ein echtes Huhn ist, mitfühlend zwischen seine Monologzeilen gackert. Zuvor hat er schon mit vollem Mund gesprochen und gespuckt, sich von der Drehbühne langsam in den Spagat zerren lassen, und auch die obligatorisch-sarkastischen Tschechow-Pointen lässig abgespult ("Ideales Wetter um sich aufzuhängen!"). Tatsächlich: Man amüsiert sich recht harmlos an diesem Abend.
Die Stunde da wir nichts voneinander wußten - Tiit Ojasoo und Ene-Liis Semper vom estnischen Theater NO99 inszenieren am Hamburger Thalia einen wortlosen Peter Handke
An der Klagemauer
von Falk Schreiber
Hamburg, 30. April 2015. Die Agora ist schonmal weg. Schrieb zumindest Moritz Schuller am Premierentag im Berliner Tagesspiegel, in einem Abgesang auf den öffentlichen Raum namens "Bühne ohne Volk": "Jene Orte, die traditionell Gemeinschaft schufen, haben diese Funktion verloren", heißt es da. "Die Ausdifferenzierung der Gesellschaft macht den Raum, den alle gemeinsam haben, kleiner. Selbst das Einkaufen findet nicht mehr auf dem Markt, sondern im Internet statt – ohne soziale Interaktion." Ein Befund, der unbeabsichtigt auch Peter Handkes "Die Stunde da wir nichts voneinander wußten" trifft, jene fast ein Vierteljahrhundert alte Szenenfolge von einem namenlosen, belebten Platz in der Großstadt. Wo aber kein Leben mehr stattfindet, haben auch die Plätze keine Bedeutung mehr, wie das Theater: "Die Gesellschaft ist kein Theater mehr, sie hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen; umgekehrt ersetzt das Theater die Gemeinschaft nicht mehr."
Regie: Nico and the Navigators
Regie: Marie Bues
Regie: Ulrike Hatzer
Regie: Liquid Penguin Ensemble
Regie: Lars-Ole Walburg
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