Untermieter in meinem Kopf

7. Februar 2010. Ist Helene Hegemanns feuilletonauf feuilletonab gefeierter Roman Axolotl Roadkill ein Plagiat? Diesen Vorwurf hat am Freitag der Popkulturblog Die Gefühlskonserve von Deef Pirmasens erhoben und verblüffend ähnliche Passagen und Dialogstücke des Romans der Siebzehnjährigen mit dem Buch "Strobo" des Berliner Blogger Airen nachgewiesen, das im vergangenen Jahr erschien.

Nur 48 Stunden später reagierten der publizierende Ullstein Verlag und die Autorin auf die Vorwürfe. "Natürlich haben wir Helene Hegemann vor Drucklegung ihres Buches gefragt, ob sie Quellen oder Zitate verwendet hat," teilte Siv Bublitz von Ullstein mit. "Sie verwies lediglich auf ein Zitat von David Foster Wallace, für das wir eine Abdruckgenehmigung eingeholt haben. Offenkundig hat sie die Tragweite dieser Frage unterschätzt und ist auf Quellen und Zitate aus dem Netz – wie etwa den Blog von Airen – nicht eingegangen."

"Das, was wir machen, ist eine Summierung aus den Dingen, die wir erleben, lesen, mitkriegen und träumen," erklärte inzwischen Helene Hegemann. "Es gibt da ziemlich viel, was mit meinen Gedanken korrespondiert und sich in mein Gehirn einschreibt, dadurch aber gleichzeitig auch etwas komplett anderes wird. Ich bin nur Untermieter in meinem eigenen Kopf. Airen, von dem ich insgesamt eine Seite, ohne sie groß verändern zu müssen, regelrecht abgeschrieben habe, ist ein großartiger Schriftsteller, dessen Blog im Internet einen Teil der alternativen Lebensweise, über die ich berichten wollte, auf den Punkt gebracht hat (...) Trotzdem habe ich natürlich einen legitimen Anspruch der Leute nicht berücksichtigt, weil mir die juristische Tragweite nicht bewusst und ich, so leid es mir tut, total gedankenlos und egoistisch war."

(sle)

 

 

Kommentar schreiben