Cosimas Hornstöße

von Christian Baron

Meiningen, 11. Januar 2013. Als Richard Wagner 1883 starb, war Cosima gerade einmal 45 Jahre alt. 47 Jahre sollten bis zum eigenen Tod noch folgen, in denen die Gemahlin des Komponisten dessen Vermächtnis ebenso akribisch verwaltete wie ihre eigenen Memoiren pflegte. Um Letztere dreht sich Reinhard Baumgarts "Wahnfried. Bilder einer Ehe", das Jan Steinbach am Meininger Theater zur Uraufführung gebracht hat. Basierend auf dem Drehbuch zum gleichnamigen Spielfilm von 1986, bedient sich der Regisseur für die Dramatisierung eines retrospektivischen Kunstgriffs: Cosima wandelt gedoppelt über die Bühne; einmal in real life (Chris Pichler) und einmal als sich erinnernde und das Geschehen subtil kommentierende Greisin (Ulrike Barthruff).

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Shakespeare mit Kanzleramtsanmutung

von Ute Grundmann

Meiningen, 9. Dezember 2011. Herzog Vincentio verkündet das schiefe, schmerzende Happy End wie einen Parteitagsbeschluß von einer Tribüne herunter. Und die Betroffenen und Begnadigten, die sich unter der (Partei-)Fahne versammelt haben, reagieren darauf ungefähr so euphorisch wie Delegierte auf einen faulen Kompromissantrag. Heutig sollte er wohl sein, der Shakespeare, den Veit Güssow am Theater Meiningen inszenierte. Parallelen zu heutiger Politik und Parteienmoral sind unübersehbar. Und so blieb es bei dieser "Maß für Maß"-Premiere auch nicht bei Andeutungen in Bühnenbild und Videoeinblendungen.

Ein Hintern, der Geschichte schrieb

von Matthias Schmidt

Meiningen, 11.12.2010. Kaum zu glauben, aber im Foyer der Meininger Kammerspiele wird immer noch über die Vertreibung von Res Bosshart getuschelt. Dabei ist es fünf Jahre her, dass Teile des Publikums (und des Ensembles) den von ihnen ungeliebten Intendanten aus der Theaterstadt jagten. Bosshart war ihnen zu modern und wahrscheinlich auch irgendwie zu westlich. So gesehen mutet es zunächst verrucht an, dass die Meininger an diesem Abend ein Stück des bekennenden Theaterkonservativen und Wende-Verächters Peter Hacks aufführen. Im Falle von "Der Maler des Königs" sogar uraufführen.