Medienschau: FAZ – Droht historischem Schauspielhaus Chemnitz Abriss?

Eines der wenigen Theater der Ostmoderne

Eines der wenigen Theater der Ostmoderne

9. August 2025. Wird ausgerechnet im Kulturhauptstadtjahr das identitätsprägende Gebäude des Chemnitzer Theaters grundsätzlich infrage gestellt? Das thematisiert Annette Menting im Feuilleton der FAZ. Weil eine Sanierung der Stadt zu teuer sei, drohe dem wertvollen Bau der Ostmoderne faktisch der Abriss.

"Das heutige Gebäude wurde 1980 als einer der seltenen ostmodernen Theaterbauten fertiggestellt, entworfen von dem Architekten Rudolf Weißer, der mit seinem Kollektiv wenige Jahre zuvor die ikonische Stadthalle als zentrales Kulturhaus konzipiert hatte. Das Theater war in der DDR-Zeit eine wichtige Spielstätte, in der namhafte Regisseure inszenierten, renommierte Schauspieler auftraten und, abseits der Hauptstadt, auch unliebsame Aufführungen gezeigt wurden."

Das Schicksal des denkmalgeschützten Schauspielhauses scheine die Politik nicht zu scheren, so die Autorin. "Die lapidare Empfehlung, für das Gebäude einen Ideenwettbewerb auszuschreiben, bietet jedenfalls keine tragfähige Perspektive. Ein Theaterhaus mit Bühnenturm und Zuschauersaal wird sich ohne gravierende Eingriffe wie Teilabbrüche kaum für theaterfremde Nutzungen anpassen lassen. Es wird aber schon einmal mit Einnahmen aus dem Verkauf des Theaters gerechnet, die zur Finanzierung des Neubaus beitragen sollen. Die Neubaulösung wird auch vom Theaterintendanten favorisiert."

Doch es gebe auch Gegenstimmen: "Vor einigen Wochen kam die Forderung auf, den Rang als Kulturhauptstadt ernst zu nehmen, die Sparmaßnahmen im Kulturhaushalt zurückzunehmen und das Schauspielhaus zu erhalten." Auch der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten habe sich in einem offenen Brief an die Verantwortlichen gewandt und angesichts der Bauwende in der Architektur ein klares Plädoyer für den Erhalt des Schauspielhauses ausgesprochen.

(sle)

Mehr zum Thema:

Kommentare  
Medienschau Theater Chemnitz: Schade
Ich finde es nicht nur schade, sondern wirklich erbärmlich!
Wünsche allen die vor Ort kämpfen viel Kraft!
Medienschau Theater Chemnitz: Auf geht's!
Das Schauspielhaus muss bleiben! Am Chemnitztalviadukt hat es schon einmal geklappt, die öffentliche Gleichgültigkeit in Engagement zu wandeln. Wenn das gelingt, dreht sich auch die Politik um 180 Grad, wie seinerzeit die Baubürgermeisterin! Auf geht's!
Medienschau Theater Chemnitz: Viel zu leise unterwegs
Ich finde es problematisch, wie wenig über den Neubau-Entwurf gesprochen wird. Dass Annette Menting weiter das alte Schauspielhaus beschwört, dessen Sanierung faktisch unbezahlbar wäre und den durch Kürzungen bedrohten freien Trägern in keiner Weise zugute käme, ist bedauerlich und politisch fatal. Aber: selbstverständlich darf das Schauspielhaus nicht abgerissen werden! Meiner Ansicht nach sind sowohl die Stadtspitze, als auch die freien Träger, die den Neubau befürworten und nicht zuletzt das Theater Chemnitz viel zu leise in der Öffentlichkeit unterwegs. Warum kommen die realen Sanierungskosten nicht auf den Tisch? Warum keine runden Tische zum Thema Neubau? Warum werden die freien Träger nicht eingebunden und die Öffentlichkeit so wenig informiert? So wird die Chemnitzer Stadtgesellschaft, die so viel mit dem "alten" Schauspielhaus verbindet, niemals gewonnen werden und der Neubau wird scheitern, ebenso wie die Sanierung des alten Baus – dieses Thema wird zunehmend populistisch ausgeschlachtet werden, und niemandem ist geholfen. Hört auf mit der Geheimniskrämerei, beerdigt die Wunschträume von der Sanierung, trennt die eine Diskussion (Weiternutzung des Schauspielhauses) von der anderen ab und sprecht endlich öffentlich über die Potenziale und Gefahren eines neuen Kulturquartiers!
Kommentar schreiben