Medienschau: Süddeutsche Zeitung – Gastbeitrag von Kulturstaatsminister Wolfgang Weimer
Tafelsiber der Aufklärung
Tafelsiber der Aufklärung
5. Juni 2025. Über "Korridore des Sagbaren, Erkundbaren und Darstellbaren", die er aktuell von rechts ebenso wie von links bedroht sieht, schreibt Kulturstaatsminister Wolfgang Weimer heute im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung.
"Wenn Kulturkämpfe ausgefochten werden, geht es selten um Kultur. Es geht um Macht. Verhandelt wird über Deutungsmacht," so Weimer in seinem Text unter anderem. "Wir stecken derzeit mitten in einem solchen Kulturkampf. Zum einen hat er eine globale Dimension, da der Neo-Nationalismus in gleich vier Großmächten die politische Oberhand gewinnt", in Russland, China, Indien und den USA.
Europa gerate in diesem globalen Kulturkampf in einen 'defining moment' seiner geistigen Integrität. "Deutschland ist mittendrin. Bleiben wir die Hochburg der Aufklärung? Oder verfallen auch wir der identitätsideologischen Freiheitsfeindlichkeit von rechts und von links?"
Als ein Beispiel für die "freiheitsfeindliche Übergriffigkeit der Linken" in der Cancel-Culture nennt Weimer die Verbannung einer Venus-Bronze aus einer Berliner Behörde, da sie als "frauenfeindlich" empfunden worden sei. Hier sieht Weimer eher das Credo eines jakobinischen Bildersturms am Werk denn progessives Denken. "Sein modernes Pendant, der Shitstorm, gehört mittlerweile zum festen Inventar radikal-feministischer, postkolonialer, öko-sozialistischer Empörungskultur." Wesentliche Treiber dieser Empörungskultur seien die Algorithmen der US-Tech-Konzerne.
Aber auch die rechten und rechtsradikalen bis rechtsextremen Kulturkampfreflexe lassen aus Weimers Sicht "nichts an Engstirnigkeit vermissen". Ihren Tilgungsfuror könne man etwa in der zweiten Trump-Ära besichtigen: "Eine Lehrerin, die ihren Schülern den unbekleideten David von Michelangelo gezeigt hatte, wurde von Polizisten abgeführt und anschließend gefeuert."
"Sowohl linke als auch rechte Eiferer trauen weder der Freiheit der Kultur noch der Kompetenz des Bürgers, sich in aller Freiheit ein eigenes Urteil zu bilden. Eine fatale Unterstellung. Linke wie Rechte wollen die Kunst politisieren, haben sich aber ein denkbar ungeeignetes Objekt ausgesucht. Es liegt gerade im Wesen der Kunst, Freiheit zu atmen und gerne vieldeutig zu bleiben." Wer Kunst ihre Ambiguität nehme, mache sie flügellahm und habe die Kunstfreiheit nicht begriffen.
(SZ / sle)
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