Medienschau: taz – Porträt des Regisseurs Ran Chai Bar-zvi

Magie, Poesie, Aktivismus

Magie, Poesie, Aktivismus

26. April 2025. In der taz stellt Sabine Leucht den Regisseur Ran Chai Bar-zwi vor, dessen Inszenierung "Caligula" beim Festival "Radikal jung" eingeladen ist und der ab Herbst zur Hamburger Mannschaft der neuen Thalia-Intenantin Sonja Anders gehört.

Einen Initiationsmoment, der den 1989 in Jerusalem Geborenen für das Theater entflammt hat, schildert Leucht so: Als sehr junger Mann sei Bar-zwi einmal in Berlin zu Besuch gewesen. In der Hoffnung, das würde auch ohne Sprachkenntnisse gehen, habe es ihn zu Jürgen Goschs Inszenierung "Sommernachtstraum" am Deutschen Theater gezogen – und er verstand erst mal nichts: "Die Schauspieler haben 15 Minuten lang Vögel gespielt," zitiert sie Bar-zwi im O-Ton. "Ich saß im letzten Rang und habe gestaunt, wie bereit das Publikum für diesen weirden Theatermoment war. Dieses schöne Gefühl von Respekt und Tradition, die sich ganz selbstverständlich in den Alltag integriert, war mir neu. Erst hat mich die Magie der Veranstaltung, dann hat mich die Poesie auf der Bühne getroffen.“

Allerdings knabbert Ran Chai Bar-zvi Sabine Leucht zufolge derzeit eher an der Frage, wie politisch er sich als queerer, in Deutschland lebender israelischer Regisseur auch auf der Bühne positionieren darf und muss. "Das Schwinden der Verbündeten nicht nur in den USA zwingt queere Menschen zu ihren aktivistischen Ursprüngen zurück.“ Das bisschen mühsam erworbene Selbstverständlichkeit sei perdu.

(sle)

Kommentare  
Medienschau Ran Chai Bar-zvi: Sanft und radikal
Ein super Regisseur, schon seit Jahren. Finds immer spannend, was er macht. Mein Favorit: Das wirkliche Leben, in Hannover. Maximal beklemmend.
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