meldung

Neues Leitungsteam fürs Staatstheater Wiesbaden

29. Februar 2024. Die kommenden Leiterinnen des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Dorothea Hartmann und Beate Heine, die das Haus in Co-Intendanz übernehmen, haben ihr künstlerisches Leitungsteam für den Start zur Saison 2024/25 vorgestellt. Laut Mitteilung des Theaters werden im Schauspiel Emel Aydoğdu und Anne Tysiak (die sich die Künstlerische Leitung des JUST– Junges Staatstheater Wiesbaden teilen) und Hannah Stollmayer (Leitende Dramaturgin Schauspiel) Verantwortung übernehmen.

Neuer Generalmusikdirektor wird der britische Dirigent Leo McFall, derzeit Chefdirigent des Symphonieorchesters Vorarlberg und des Staatlichen Symphonieorchesters Thessaloniki. Bruno Heynderickx wird seine Arbeit als Ballettdirektor des Hessischen Staatsballetts fortführen.

Weitere Mitglieder im neuen Leitungsteam sind: Chin-Chao Lin (1. Kapellmeister und Stellvertretender Generalmusikdirektor), Franziska M. Kaiser (Casting-Direktorin und Künstlerische Produktionsleitung Musiktheater), Theresa Willeke (Künstlerische Betriebsdirektorin), Katja Leclerc (Leitende Dramaturgin Musiktheater und Konzert) und Isabelle Winter (Leitung Kommunikation und Marketing).

Biographien

Emel Aydoğdu, geboren 1990 in Gaziantep, Türkei, ist Regisseurin und Autorin. Sie studierte Szenische Forschung, Religionswissenschaften, Kunstgeschichte und Moderne und Zeitgenössische Kunst in Bochum. Sie war von 2017 bis 2019 als Regieassistentin am Theater Oberhausen engagiert und arbeitete unter anderem am Schauspielhaus Bochum, Jungen Schauspielhaus Düsseldorf, Maxim Gorki Theater Berlin, Theater Osnabrück, Theater Oberhausen, Jungen Staatstheater Braunschweig, Theater Konstanz und Theater Bonn.

Anne Tysiak studierte Theaterwissenschaft, Philosophie und Neuere deutschen Literatur in München und Nizza und erwarb in London einen zusätzlichen Masterabschluss im Fach Physical Theatre. Die Weiterbildung zur Theaterpädagogin (BuT) absolvierte sie in Heidelberg. Theaterprojekte führten sie unter anderem an die Wuppertaler Bühnen, zum "Spielart"-Festival München und Théâtre National de Nice. Während ihres Studiums war sie als Regieassistentin und Abendspielleiterin am Bayerischen Staatsschauspiel München tätig und gastierte mit dem Ensemble "Die Stelzer" in vielen Ländern. In London war sie 2012 Mitbegründerin der internationalen Physical-Theatre-Company CakeTree Theatre. Am Theater Heilbronn, wo sie als feste Regieassistentin engagiert war, debütierte sie 2016 als Regisseurin.

Hannah Stollmayer studierte Germanistik, Soziologie und Theaterwissenschaft in Hamburg, Jena und Porto/Portugal und schloss einen Master in Literatur-Kunst-Kultur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ab. Sie erhielt ein Doktorandenstipendium der Universität Hamburg und forschte dort einige Jahre im Fachbereich Germanistik und Theaterforschung zu Pop-Literatur und zeitgenössischen Theatertexten sowie zu Inszenierungen im Kontext von Menschen mit Fluchterfahrung und -geschichte. Von 2018 bis 2020 war sie Dramaturgieassistentin und Produktionsdramaturgin am Thalia Theater Hamburg. Zu Beginn der Spielzeit 2020/21 wechselte sie an das Stadttheater Konstanz.

Leo McFall ist seit der Saison 2020/21 Chefdirigent des Symphonieorchester Vorarlberg und seit 2023 Chefdirigent des Staatlichen Symphonieorchesters Thessaloniki. Der Pianist und Bratschist McFall studierte Dirigieren in Helsinki und Zürich. Von 2012 bis 2015 war er Erster Kapellmeister des Staatstheaters Meiningen 2015 wurde er mit dem Deutschen Dirigentenpreis ausgezeichnet. Er erarbeitete Konzerte unter anderem mit dem BBC Philharmonic, Orchestre National du Capitol de Toulouse, dem Orchestre National de Lyon, den Nürnberger Symphonikern, dem Staatsorchester Kassel, den Philharmonischen Orchestern von Dortmund, Monte-Carlo, Belgrad und Tampere und leitete die Oulu Sinfonia und das Kuopio Symphonieorchester in Finnland.

Bruno Heynderickx schloss seine Tanzausbildung am Stedelijk Instituut voor Ballet, Antwerpen im Jahre 1986 ab. Er tanzte für einige der namhaftesten Tanzkompanien Europas: Scapino Ballet, Ballet du Nord, Euroballet, Ballet du Grand Théâtre de Genève und Rui Horta Stage Works. 2005 gründete Heynderickx die internationale Produktions-Agentur CAMPAI vzw. für zeitgenössischen Tanz und Theater mit Sitz in Belgien. Von 2008 bis 2014 war Heynderickx Künstlerischer Direktor der zeitgenössischen norwegischen Tanz-Company Carte Blanche, im Anschluss wurde er Kurator des Hessischen Staatsballetts und ist seit der Spielzeit 2020/2021 Ballettdirektor.

(Hessisches Staatstheater Wiesbaden / chr)
 

mehr meldungen

Kommentare  
Leitungsteam Wiesbaden: Geschlechter-Diversität?
Wieder einmal stellt sich vor allem beim Schauspiel die Frage, ob die oft wiederholte Aussage noch Gültigkeit hat, dass gemischte Teams am erfolgversprechendsten arbeiten? Weniger Geschlechter-Diversität ist nicht vorstellbar [Intendantin+ Leitende Dramaturgin+ Zwei Leiterinnen Junges Schauspiel].
Leitungsteam Wiesbaden: Verengte Strukturen
Lieber J.A.,
stellt sich einfach die Frage, was Erfolg ist? Aktuell glaube ich, dass viele Menschen im Theater vom eigenen Status als potentiellem oder realem Opfer sehr fest überzeugt sind (ganz unabhängig von der eigenen aktuellen Position in einem Organigramm) und Erfolg so bewerten, dass sie Strukturen schaffen in denen sie diese Annahme machtvoll als arbeitsrechtliche Realität umsetzen. Auch so, indem sie ganz dezidiert Diskussionsräume oder Diversität auf eine "erträgliche" Perspektive des "safer space" verengen. Die Ergebnisse dieses Handelns können ziemlich erfolgreich im Sinne von Auslastung sein. Das sollten Sie auf jeden Fall mitbedenken, wenn Ihnen Erfolg am Herzen liegt.
Setzen Sie testweise in Zukunft einfach vor jede mögliche Diskriminierungserfahrung ein "strukturell" und schon sind sie einer konkreten argumentativen Auseinandersetzung enthoben. Das geht ganz gut mittlerweile, ist meine Erfahrung. Klingt schlicht, ist aber so.
Leitungsteam Wiesbaden: Quotenmann gesucht?
@ 1 und 2: Ich kann Ihrer 'Argumentation' nicht folgen. Wir bewegen uns in einem Umfeld, in dem auf ca. 70 Prozent weiblicher Studierender ungefähr 20 Prozent männliche und darüber hinaus ca. 10 % non-binäre Studierende kommen. Wenn diese Leute dann in den Beruf starten, kehrt sich innerhalb kürzester Zeit das Verhältnis um. Im Ganzen kommen weiterhin auf 75 % Männer in Leitungspositionen 25 % Frauen und Non-binäre. Was ist anstößig, wenn vor diesem Hintergrund an einem Haus einmal im Schauspiel nur weiblich gelesene Personen in der Leitung sind? Noch dazu, wenn es dort in den vergangenen Jahren eher umgekehrt war? Bis zum Erweis des Gegenteils sollten die ausgewählten Personen als die qualifiziertesten gelten, wie es das Gesetz für die Posten in staatlichen Institutionen vorschreibt. Wenn Sie inhaltlich etwas zu meckern haben, dann bitte Fakten auf den Tisch!
Oder stellen Sie sich so etwas wie den Quotenmann vor, der immer dabei sein sollte?
Leitungsteam Wiesbaden: Nachvollziehbarkeit
Lieber Benjamin Walter,
das ist sehr schön, dass sie die Diskussion auf die Ebene von Zahlen bringen wollen. Nur stellt sich für mich zunächst einmal die Frage von welcher Menge sie ihre Prozentangaben ableiten. Wo studiert mensch Intendanz oder Chefdramaturgie oder Leitung Junges Theater? Ich kenne diese Studiengänge leider gar nicht. Komparatistik? Germanistik? Theaterwissenschaft? Dramaturgiestudiengänge der Kunsthochschulen? Regieschule? Leitungsstudiengänge für Kunst- und Kulturmanagement? Irgendwie schwierig nachzuvollziehen, wie sie da ihren Zahlen generieren. Aktuell sind in Wiesbaden 2 Dramaturginnen, 1 Dramaturg und ein Schauspieldirektor am Werke. Wie sie auf umgekehrte Verhältnisse kommen, bleibt ihr mathematisches Geheimnis.
(...)
Hinsichtlich der Frage nach dem, was sie mit den "qualifiziertesten" meinen, wird es vielleicht etwas interessanter. Gesetze rufen sie auch auf. Ich kenne keine Intendanz, die jemals eine Personalentscheidung auf der Basis von assesment centern o.Ä. beim NV-Solo getroffen hätte. Wer qualifziert ist, entscheidet, wenn ich die Gesetze richtig deute, einzig die Intendanz und hört dabei in der Regel noch den Betriebsrat an. Ob andere Mitarbeitende gehört werden, ist dem Gutdünken der Intendanz anheim gestellt.
Ich frage jetzt einmal zaghaft: Sind sex, gender, race, class etc. auch Qualifikationen in ihrem Sinn? Sollten wir vielleicht über Personalentscheidungen im Sinne von affirmative action / empowerment deutlicher bzw. strukturierter (auch von Seiten des Aufsichtsrats) reden? Sollte es dazu vielleicht sogar eine klare Gesetzgebung geben, die der künstlerischen Freiheit (aka freier Intendanzentscheidung) gegenüber sogar priorisiert werden könnte? Wenn ja, dann bitte klar und deutlich und schriftlich. Alles andere, inklusive ihrer vagen Zahlen, ist nur etwas fürs Bauchgefühl, das nicht argumentieren möchte. Aber all das ist nichts fürs Arbeitsrecht, finde ich. Da braucht es einfach mehr Nachvollziehbarkeit und outspokeness.

(Anm. Redaktion. Ein scharfer Anwurf wurde aus diesem Kommentar entfernt.)
Kommentar schreiben