Spiralblog 124 - Geheimplan gegen Deutschland. Teil 2
Argumente + Beweise
11. Sepember 2025. Gestern haben Correctiv und Regisseur Kay Voges am Schauspiel Köln das "Nachspiel" zum Geheimplan gegen Deutschland auf die Bühne gebracht. Mit einem neuen Beweisstück, einer notariellen eidesstattlichen Erklärung von Erik Ahrens nämlich, und einer Chronologie des Drucks, der seit anderthalb Jahren von Rechtsaußen ausgeübt wird.
Von Simone Kaempf
Screenshot aus dem Mitschnitt "Geheimplan gegen Deutschland. Das Nachspiel"
11. September 2025. Aus dem entscheidenden Papier liest der Schauspieler Andreas Beck kurz vor Ende des Abends: Wie es dazu kam, dass Erik Ahrens, Teilnehmer am Potsdamer Geheimtreffen, zwischenzeitlich rechtsextremer Influencer und Berater vor allem für Maximilian Krah, sich nicht nur mit der AfD zerstritt, sondern nach eigenem Bekunden ganz aus der Szene ausstieg.
Vor einem Notar erklärte er schließlich eidesstattlich, dass in Potsdam tatsächlich über "Remigration" gesprochen wurde, und zwar in dem Maße, dass sie einer ethnischen Säuberung gleichkomme. Das war ja immer wieder bestrittten worden nach Veröffentlichung des Geheimplans. "Jetzt wirds spannend", sagt Andreas Beck, bevor er den Umschlag öffnet, um aus der Erklärung vorzulesen.
Spannend war es aber schon vorher, von Beginn des Abends an. Aus vielen Gründen. Weil der Schauspieler Andreas Beck, der auch bei der Szenischen Lesung im Januar 2024 am Berliner Ensemble mit auf der Bühne stand, nicht nur akribisch erzählt, was alles danach geschehen ist: wie eine Anwaltskanzlei Druck aufgebaut hat, Gerichtsprozesse stattfinden und Berichterstattung plötzlich kritisch wird. Wie Beck selber ins Zweifeln kommt, stellvertretend für einen selbst, als etwa die "Zeit" in einem Text von der Correctiv-Recherche wenig übrig ließ.
Und weil Beck einen großen Bogen schlägt und dennoch eine Schneise schafft durch all die Ereignisse, juristischen Formulierungs-Spitzfindigkeiten und Unsicherheiten. Er schwitzt, stockt immer wieder, macht Pausen – es geht um etwas und das ist Schwerstarbeit. Und doch so wichtig, wie der Abend zeigt. Er rüttelt erneut wach, liefert Argumente und Beweisstücke. Nachschaubar im Mitschnitt des Abends und nachlesbar in dem Reportage-Bericht, den Correctiv gestern Abend auf seiner Website veröffentlichte. Ein erneuter Coup.
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Auf der Seite von Correctiv befinden sich zudem der gestrige Theatertext, ein Kompendium von Fragen an diesen sowie der Ursprungstext des „Vorläufers“ am BE.
Zu danken ist zunächst allen, die diese Form der medialen Präsenz ermöglichten und sich nicht davor scheuten und scheuen, so auch zum Feindbild jener Rechten zu taugen !
Jetzt gilt es vor allem dranzubleiben, auf breitester Front; dieses Thema eignet sich als Spaltpilz für das rechtsextreme Lager; man siehe nur die Absatzbewegungen auch Herrn Krahs: das sind mehr als nur Einzelne !
Aber auch dies: Wo auch immer ein Gerichtsverfahren in dieser Causa öffentlich zugänglich sein sollte, sollte eine möglichst breite Öffentlichkeit auch diese Gelegenheiten wahrnehmen (zweckdienlich scheinen mir insofern alle verfügbaren Informationen zu Terminen öffentlicher Verhandlungstage)..