Das Kreuz fällt

von Falk Schreiber

Hamburg, 6. Februar 2016. Vielleicht sollte man Michel Houellebecqs "Unterwerfung" noch einmal neu lesen. Man sollte alle Feuilletondiskussionen vergessen, ob wir es bei der Vision eines islamistisch regierten Frankreichs mit einer hellsichtigen politischen Analyse zu tun haben oder mit einem islamophoben Machwerk, man sollte das Attentat auf die Charlie Hebdo-Redaktion vergessen, die Anschläge in Paris vergangenen Herbst, die Kölner Silvesternacht, vielleicht vergisst man den 11. September 2001 auch noch. Und dann kann man "Unterwerfung" lesen als das, was der vor etwas mehr als einem Jahr erschienene Roman eigentlich ist: als dystopischen Science-Fiction-Reißer, mit dem Hang ins Verschwörungstheoretische, der diesem Genre innewohnt, aber auch mit der sozialkritischen Kraft und erzählerischen Wucht, die eine gelungene Dystopie ausmachen. Man sollte "Unterwerfung" noch einmal so lesen, nackt und naiv, und dann könnte man den Roman vielleicht auf eine Theaterbühne bringen.

Die Perspektive einer typischen Houellebecq-Figur

Natürlich ist Karin Beier nicht naiv. Und natürlich weiß sie auch, dass sie Gefahr läuft, Beifall von der falschen Seite zu bekommen, wenn sie "Unterwerfung" für das Hamburger Schauspielhaus dramatisiert, gerade in der islamophob aufgeheizten Situation nach Köln. Also verzichtet sie in ihrer Fassung auf Houellebecqs derbste Ausfälle und konzentriert sich auf die glaubens- und institutionskritischen Aspekte der Vorlage.

Ja, wir erleben tiefgreifende Veränderungen, als 2022 eine islamistische Partei die Macht in Frankreich übernimmt, aber im Grunde wären die Veränderungen bei einer Rückbesinnung auf den Katholizismus oder einem Durchmarsch der Rechten ähnlich. Zumal die laizistische Republik eindeutig abgewirtschaftet hat, die Umwälzungen sind unausweichlich. Das Problem dabei: Wir erleben diese Umwälzungen aus der Perspektive von François, und der ist eine typische Houellebecq-Figur, larmoyant, lustlos, lebensmüde. Wenn einem so jemand sagt, dass die Zukunft gar nicht so schlimm sein wird – sollte man dann nicht annehmen, dass es ganz besonders schlimm wird?

Atemberaubend, aber ohne Haltung

François ist also ein doppelter Boden für den Stoff, eine Möglichkeit, sich ganz schnell von jedem Interpretationsansatz zu distanzieren. Und Edgar Selge tut in einer (über fast drei Stunden atemberaubenden) Soloperformance, was er kann, damit man den Niedergang Europas zwar mit einer gewissen Angstlust genießt, diesen Niedergang aber auch nicht ernst zu nehmen braucht. Sein François ist ein Houellebecq-Doppelgänger mit strähnigen Haaren im beigen Anzug von der Stange (ein ausgesucht geschmackloses Kostüm: Hannah Petersen), bisschen ungepflegt, bisschen verklemmt, bisschen jovial, bisschen rückgratlos. Wir sehen François beim lustfreien Trockensex, wir sehen, wie sich François die entzündeten Fußsohlen eincremt, wir sehen, wie François seinen schmalen Körper durch die Kulisse quetscht: "eine ermüdende, trostlose Abfolge kleiner Alltagssorgen." Für eine Positionierung des Abends gibt diese so clowneske wie beeindruckende Darstellung also kaum etwas her – mit Selge nimmt Beiers Inszenierung weder eine Haltung zum Islamismus ein noch eine zur Islamophobie, im Gegenteil gibt sie die meisten Haltungen vorerst der Lächerlichkeit preis.

unterwerfung2 560 Klaus Lefebvre uDas Kreuz als pathosgeladenes Zeichen und unbequemer Rückzugsort, darin der clownesk aufspielende Edgar Selge © Klaus Lefebvre

Und in der Wand klafft eine Lücke

Das Bühnenbild setzt dagegen freilich ein starkes Zeichen. Olaf Altmann hat eine schwarze Wand an die Rampe gestellt, in der sich ein riesiges Kreuz langsam dreht. Das Kreuz ist ein (augenscheinlich unbequemer) Rückzugsraum für François, und in der Schlussszene kippt es folgerichtig nach hinten weg: Drei ganzkörperverschleierte Statistinnen huschen noch über die Bühne, dann ist es vorbei, die Islamisten haben übernommen, und in der Wand klafft eine Lücke. Das kann man plakativ finden, aber immerhin – Altmanns Bühne sagt in ihrer pathosgeladenen Eindeutigkeit etwas aus, etwas, an dem man sich reiben kann.

Es gibt Bezugspunkte, die "Unterwerfung" nur schwer erträglich machen. Die Vorstellung, dass ein dekadentes, perspektivloses Europa von "Fremden" gewaltsam überrannt wird, findet sich auch in Jean Raspails "Das Heerlager der Heiligen", einem in der rechten Szene kultisch verehrten Roman von 1973. Und die Idee, dass westliche Eliten mit arabischen Herrschern paktieren, um Europa islamisch zu kolonisieren, erinnert an Gisèle Littmans islamophobes Eurabien-Konzept aus den 1970ern. All das hat Beier in den Hintergrund gerückt, zum Glück: Sollten Rechtspopulisten und Islamfeinde ins Schauspielhaus pilgern, um ihre Weltsicht bestätigen zu lassen, werden sie enttäuscht werden.

Der Preis für diese Ausgewogenheit ist allerdings, dass wir nicht mehr erschrecken, was es für entsetzliche Haltungen gibt, wir erschrecken nur, wie entsetzlich sich Selges François gehen lässt. Wenn nur das Bühnenbild daran erinnert, dass es in "Unterwerfung" um mehr geht als um den Weltekel eines traurigen, weißen Mannes, dann fällt auf, dass diese Inszenierung vor allem eine diskursive Leerstelle darstellt.

 

Unterwerfung
von Michel Houellebecq
Fassung von Karin Beier und Rita Thiele
Uraufführung
Regie: Karin Beier, Bühne: Olaf Altmann, Licht: Rebekka Dahnke, Kostüm: Hannah Petersen, Dramaturgie: Rita Thiele.
Mit: Edgar Selge.
Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause

www.schauspielhaus.de

 

Karin Beiers Fellini-Inszenierung Schiff der Träume am Hamburger Schauspielhaus (Premiere: Dezember 2015) wurde gerade zum Theatertreffen 2016 eingeladen – auch dies ein "europäisches Requiem".

 

Kritikenrundschau

Hubert Spiegel von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (8.2.2016) sieht die "imponierende Leistung eines großen Schauspielers. Aber statt eines Kraftakts hätte man lieber subtilere Energieströme fließen sehen.  Mit Hinweis auf den stürmischen Applaus merkt der Kritiker an: "Dass Houellebecq dem alten, in der Kölner Silvesternacht aktivierten Angstklischee von schwarzen Händen, die nach dem Fleisch weißer Frauen greifen, ein anderes Phantasma der Verfügbarkeit entgegengesetzt hat, nämlich das der devoten, allein ihrem Ehemann sexuell verfügbaren Muslima, geht beinahe unter. Karin Beier hat die Unterwerfung erträglich gemacht."

Till Briegleb von der Süddeutschen Zeitung (8.2.2016) ist unentschieden. "Durch das feine Changieren zwischen den Rollen des Autors, seiner Figur und des Darsteller erspielt sich Edgar Selge genau die ironische Distanz, die es braucht, um Houellebecqus im Kern unrealistische Konstruktion vom Untergang des Abendlandes als Komödie zu sehen." Er lobt die "subtil-komödiantische Schauspielleistung" Selges hat aber auch Zweifel, "ob diese Form der mimetischen Ironie wirklich die richtigen Fragen aufwirft" oder "das Thema dann vielleicht nicht doch zu sehr der Virtuosität unterworfen wird."

"Keine Unterwerfung, sondern ein praller, fast altmodisch süffiger Theaterabend" ist Karin Beiers Houellebecqu-Apdation aua Sicht von Werner Theurich auf Spiegel-Online (7.2.2016). Karin Beier habe den Text eingedampft und sich völlig zu Recht auf die immense Präsenz Edgar Selges verlassen. "Sorgfältig gesetzte Bilder" würden diesen "anspruchsvollen Text-Ritt für den Schauspieler wie fürs Publikum über die lange Distanz niemals langweilig werden lassen".

"Offensiv frustriert, raumgreifend einsam, diabolisch enttäuscht von der Sinnlosigkeit seiner Existenz" habe der Schauspieler Edgar Selge die Hauptfigur Francois aus Houllebecqs Roman angelegt, findet Eva Behrendt in der tageszeitung (8.2.2016). "Kurzum: Er ist ein virtuoser Entertainer des Elends männlicher Dekadenz." Jedoch: Da man sich von Selges Francois so leicht distanzieren könne, wolle sich das "verführerische Schillern des Romans" im Schauspielhaus nicht so recht einstellen.

Hans-Dieter Schütt von der Zeitung Neues Deutschland (8.2.2016) lobt Selges Francois als bestechend kabarettistisch. Er sei "die flatternde, fluchende, schwitzend erklärungsnotständige Verkörperung der europäischen Syndrome: überall gefräßiger Selbstbezug, gottlose Demokratien."

"Genau arbeiten Beier und Selge an den Nuancen und weisen so gewitzt hin auf die Verführungskraft der Bequemlichkeit und die Gefahr politischen Desinteresses", schreibt Katja Weise für den NDR (7.2.2016). Der Abend werde so zu einem "ebenso unterhaltsamen wie wichtigen Diskussionsbeitrag in einer Debatte, die nicht erst seit dem Anschlag auf Charlie Hebdo in Europa geführt werden muss."

Elske Brault von Deutschlandradio Kultur (6.2.2016) findet, der Roman funktioniere auf der Bühne, "weil Selge es wirklich großartig macht und die Kürzung Houellebecqs spitze Bemerkungen noch weiter zuspitzt".

Franziska Bulban schreibt in der Neuen Zürcher Zeitung (8.2.2016): Die Einsamkeit, die Houellebecq in "Unterwerfung" beschreibe, habe Beier klugerweise "zum Zentrum ihrer Bühnenadaptation" gemacht. Über die "erbitterte Debatte", ob das Buch "islamophob oder hellsichtig" sei, sei fast vergessen worden, dass vor allem unsere Gesellschaft porträtiert werde. Beier und Selge gelingt es aus Sicht dieser Kritikerin, die distanzierte stets reflektierende, das Geschehen kommentierende Figur des François auf die Bühne zu holen, "ohne mit einer szenischen Lesung zu langweilen oder die Intelligenz der Vorlage mit theatralen Mitteln zu überfrachten". Selge wechsele "meisterlich zwischen prolligen Zoten und intellektueller Fachsimpelei, zwischen Weinerlichkeit und Angeberei".

Peter Kümmel wundert sich in der Zeit (11.2.2016) über "frenetischen, einverstandenen Schlussapplaus", wie man ihn im Schauspielhaus lange nicht mehr gehört habe. Kümmel scheint es, als wollte sich das Publikum mit dem Künstler gegen die von ihm dargestellten Verhältnisse verschwören. "Zweieinhalb Stunden lang hatte der großartige Edgar Selge uns auf der Bühne die finstere Zukunft vorgespielt, ein Europa, welches seine Werte aufgibt und sich dem Islam unterwirft, aber nun, mittels der gebündelten Kräfte der applaudierenden Masse, sollte die Zeit zurückgedreht und der Schauspieler aus dieser Zukunft herausgemeißelt, geborgen, gerettet werden – er ist doch schließlich einer von uns!" Der "grandiose" Selge feiere jede "Scheußlichkeit als Pointe". Er prostet uns gleichsam mit Eiter zu. Er hebe sein Glas auf die Erbärmlichkeit. "Ein dunkler Übermut liegt diesem Abend zugrunde."

 

mehr nachtkritiken

Kommentare

Kommentare  
#1 Unterwerfung, Hamburg: unentschieden und mutlosLudwigZwei 2016-02-07 11:10
gehen wir also gleich in medias res, blitzlichtartig.

ein vergnüglicher abend immerhin, ohne langeweile - aber reicht das?

und wird diese in zahlreichen witzen und prompten lachern sich manifestierende vergnüglichkeit dem thema gerecht, dem vermeintlich ernsten, und was, vor allem, war eigentlich das thema des abends, das thema der regie? es blieb unklar.
vielleicht ein glanzauftritt für edgar selge; oder kleine pikant pornographische anekdoten zu sexualität und liebe, beide immer wieder scheiternd; kleine pikante anekdoten aus dem universitären milieu mit karrieristen, opportunisten und akademikern ohne ideen und visionen; hämorrhoiden; überhaupt wehwehchen; die leckersten französischen weine, speisen und die sogenannte französische lebensart; die angst vor religionen, insbesondere dem islam; die (vor)freude auf religionen, insbesondere den islam...?

ein den roman recht bieder abarbeitender bunter reigen, unentschieden, mutlos, ohne pointe und ohne klare positionierung.
im hintergrund aber ein dauerhaftes, im schwächeren zweiten teil immer dominanteres dräuen, ob die lösung denn nicht vielleicht doch in einer allgemeinen hinwendung zur religion liegen könnte.
(...kann sie übrigens nicht!)

und wenn edgar selge dann endlich seine häßliche, spießige kleidung ablegt und austauscht gegen das viel schönere edle, reine weiß als zeichen des islams, dann ist man fast geneigt, es ihm gleich zu tun. beinah´ mag und will man rufen: ja, warum denn nicht, einen versuch könnte es wert sein...
(...kann es übrigens nicht!)



p.s. rührendster moment, der einzige fast, als sich der schauspieler verspricht und rasend schnell, naturgesetzlich fast, entschuldigt beim publikum - ein moment außerordentlichster höflichkeit, rar und lange nicht erlebt im wirklichen leben

p.p.s. und immer wieder, diese persönliche bemerkung sei mir gestattet, irritiert mich das ausgesprochen konservativ anmutende frauen- und männerbild, das in den stücken der regisseurin und intendantin, den eigenen wie diesem oder den von ihr gewählten wie "die schule der frauen", durchzuschimmern scheint und das dem publikum, beiden geschlechtern, befremdlicherweise immer das beglückteste lachen entlockt
#2 Unterwerfung, Hamburg: Ironie-ProblemSascha Krieger 2016-06-17 07:42
Zum einen gelingt es Selge, seinen Francois zum Symbol zu vergrößern. Die schlaffe Dekadenz der den Kopf angesichts der als Überforderung erfahrenen Komplexität der Gegenwart in den Sand steckenden Intellektuellen und so genannten bürgerlichen Mitte bekommt in ihm ein Gesicht und eine Stimme. Er ist die Gesellschaft, die dem, was ihr entgegentritt, nichts entgegenzusetzen weiß, weil sie ihre Substanz vergessen, ihr Fundament verlassen hat. Diese Figur und Selges Spiel sind scharfe Gesellschaftskritik. Steh auf, zeige Rückgrat, nimm Haltung ein, möchte man ihm – und uns – zurufen. Doch das tut er natürlich nicht, zieht sich zurück in das beengende, aber einen klaren Rahmen vorgebende, doch zugleich sinnentleerte Kreuz, das Olaf Altmann inmitten einer schwarzen Wand auf die Bühne gestellt hat. Das Symbol des christlichen Abendlandes hat seine Bedeutung verloren, es rotiert, wackelt, wird zur schiefen Ebene, auf der alles ins Rutschen gerät: zunächst Francois’ Einkaufstüten, später, er, sein Leben, seine Welt. Ein starkes Bild, nicht zuletzt am Ende, wenn die westliche Welt still kapituliert, das Kreuz im Hintergrund entschwindet und einen leeren Raum hinterlässt, in der Francois ganz adrett konvertiert, ein neues Kleid überstreift, einen neuen Raum findet für seine Bequemlichkeit.

Doch ist Selges Francois eben vor allem ein Clown, der – nach der Pause mit weißer Farbe im Gesicht, deren Quelle die Fußsalbe des Hypochonders ist – alles in den Dreck allumfassenden Spotts zieht, ein Entertainer, der Unterhaltung sucht und findet. Viel wird gelacht an diesem Abend, doch es ist selten ein erkennendes Lachen. Wenn es um die Frauenrolle im neuen islamischen Frankreich geht, herrscht ausgelassene Heiterkeit im Publikum, alles so schön lächerlich und ganz weit weg. Denn das ist das Problem mit der Ironie: Sie distanziert. Was hier verhandelt wird, mag mit uns zu tun haben, aber in seiner Grundskepsis gegenüber allem und jedem scheint es weit weg. Dieser Abend versucht sich dem schwierigen Stoff zu stellen, in dem es erst einmal nichts von ihm ernst nimmt. Und er tut das so konsequent, dass es am Ende keinen Weg zurück gibt. Und so entlarvt er die westliche Selbstbezogenheit , die Arroganz der alles verschlingenden Ironie nicht nur – er teilt sie gleichzeitig auch. Was dazu führt, dass die Haltungslosigkeit, die er anprangert, zu seinem eigenen Grundproblem wird, Houellebecqs alles andere als eindeutige Anklage sich zu einer Varieténummer mit netten Lichteffekten reduziert. Wo er sich in der Ambivalenz des Buches positionieren müsste, macht er es sich im Unentschiedenen bequem. Auch das ist eine Botschaft.

Komplette Rezension: stagescreen.wordpress.com/2016/06/17/die-zivilisation-ist-ein-hanswurst/
#3 Unterwerfung, Hamburg: LeserkritikKonrad Kögler 2016-10-12 17:02
Fast drei Stunden lang steht Edgar Selge allein auf der Bühne vor einem überdimensionalen christlichen Kreuz, das Olaf Altmann entworfen hat. Dieses Kreuz wirkt anfangs wie ein Fremdkörper, als ob es nach einer Thalheimer-Inszenierung vergessen wurde.

Selge hat das schwere Los, den nur leicht gekürzten Roman als langes Solo vorzutragen. Vor allem in der ersten Hälfte drückt er sehr aufs Tempo. Nur wenn wieder eine der anzüglichen Stellen ansteht, in denen François nostalgisch über Sexabenteuer berichtet, wird Selge etwas langsamer. Diese Passagen werden vom Publikum besonders dankbar aufgenommen, bevor die Parforce-Tour weitergeht.

Die Ironie, die man als Leser von Houellebecqs Roman auskosten kann, blitzt zwar an der einen oder anderen Stelle auf. Aber anstatt sie sich auf der Zunge zergehen und in der Weite des Schauspielhauses nachhallen zu lassen, hetzt Selge schon weiter.

Auch manche Roman-Dialoge verpuffen, da Selge in seinem Ein-Personen-Kraftakt mit nur zwei Ausnahmen (besonders schräge Vögel aus dem Professoren-Kollegium an der Sorbonne) alle Figuren mit derselben Stimmlage spricht.

Die zweite Hälfte des Abends ist konzentrierter. Dann nutzt Selge auch das Bühenbild stärker: er krabbelt im christlichen Kreuz, das längst keinen Halt mehr bietet, sondern schwankt und rotiert.

Komplette Kritik: daskulturblog.com/2016/10/12/unterwerfung-michel-houellebecqs-roman-als-edgar-selge-solo-am-schauspielhaus-hamburg/

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