Nur der Handschuh fühlt die Welt

von Jan-Paul Koopmann

Oldenburg, 10. Januar 2020. Widerspruchsfrei ist das nicht und die Übergänge mögen fließend sein, aber es lässt sich doch ziemlich genau sagen, wo die allgemeine Anspannung in offenen Wahnsinn umschlägt: Astronautin Alex steht draußen auf Socken vor dem Habitat und harkt den Mars, im Hintergrund jagt Ulf eine imaginäre Ziege, während Kollege Christian mechanisch immer wieder nach dem Hörer des Notfalltelefons schnappt, mit dem sich dieser Spuk hier beenden ließe – wenn denn mal jemand ranginge.

Dies Haus kennt die geheimsten Wünsche

von Andreas Schnell

Oldenburg, 23. Februar 2019. Kennt jeder: Werbung auf Internetseiten, die Produkte anpreist, die man gerade gekauft hat. Oder über die man just jemandem in einer Whatsapp-Nachricht geschrieben hat. Werbung, die verdächtig gut auf die geheimen Wünsche reagiert, die man höchstens dem Internet anvertraut. Paranoia hin, schöne neue Service-Welt her – der Algorithmus ist ein unauslöslicher Teil des Alltags. Und Datenklau sowieso.

Enthaltsame Lovestory

von Benno Schirrmeister

Oldenburg, 17. November 2018. Wirklich sehr schön ist jener Moment im elften Bild, als Artjom seinem Freund Mischa von seinem großen Traum erzählt hat: zu Voice of Russia gehen, berühmt werden, Follower haben. Und Mischa, der als Promi-Friseur in Moskau den Produzenten kennt, ziert sich erst und sagt dann schließlich doch ja, er wird Artjom dem berühmten Produzenten vorstellen, versprochen. Und Fabian Kulp, der die Hauptrolle von Dimitri Sokolows "Russian Boy" bei der Uraufführung in Oldenburg spielt, rastet total aus vor Freude darüber, und er will Fabian Felix Dott, der feinnervig und wohltuend klischeefern den Coiffeur Mischa spielt, um den Hals fallen und ihn wirklich abknutschen. Und genau in dem Augenblick überfällt wie ein Schrecken, die beiden die jähe Erkenntnis: Das geht nicht! Wenn uns jetzt jemand sieht! Das können wir nicht öffentlich machen! Nicht hier, nicht hier in Russland, nicht mal in Moskau. Und diese Einsicht lässt den Kuss im Ansatz erfrieren: "Vielleicht ist es woanders anders, aber bei uns nicht" hatte Artjom schon in einer der ersten Szenen des Abends gesagt. "Bei uns wird dir für so was der Kopf weggeschossen".

Die Zukunft war gestern

von Jan-Paul Koopmann

Oldenburg, 2. September 2018. Grau ist der Terrorstaat, meist dunkel und ungefähr so sinnlich wie ein verwaschenes Unterhemd. Wo George Orwells Roman "1984" noch mit den Gerüchen von gekochtem Kohl und nassen Fußmatten beginnt, herrscht im Oldenburgischen Staatstheater eine geradezu sterile Unwirklichkeit aus grauen Wänden, grauer Kleidung, kaltem Licht und monotonen Beats im Hintergrund. Aber nicht nur das riechende Gemüse fehlt unter der Regie von Luise Voigt – auch der Big Brother spielt hier höchstens eine Nebenrolle.

Lang schon im Leerlauf

von Jens Fischer

Oldenburg, 14. April 2018. Es quietscht. Es soll quietschen. Das ist eine Regieidee. Und die zieht Lucia Bihler am Staatstheater Oldenburg konsequent durch. Also quietscht es zwei Stunden lang bei jedem versuchten Schritt der Schauspieler. Ihre Schuhe verkleben stets neu mit der Farbtunke auf dem Bühnenboden. Jede Bewegung ist so ein mühsam die Körper verdrehender Befreiungsversuch, den die Adhäsionskräfte sofort wieder scheitern lassen. Das von Ödön von Horváth ins Hotel "Zur schönen Aussicht" bestellte Personal wird an diesem Abend also niemals aufbrechen oder gar abheben, sondern nur immer weiter im Siff der schäbigen Verhältnisse herumwaten.

Klammheimliche Erlösungsphantasien

von Jens Fischer

23. Februar 2018. Endlich mal wieder kein endloses TV-Serien-Streamen, kein öffentlich-rechtlicher Rosamunde-Pilcher-Kitsch und auch nicht das ewig gleiche Talkshow-Geschwätz. Zeit für einen Abend im Oldenburgischen Staatstheater! Und dann ist die Bühne gerahmt wie ein TV-Bildschirm. Bühnenkunst wird auf Privatfernsehmüll gehetzt. Das kann ja heiter werden. Ist das ein Versprechen penibler Kopierkünstler oder eine Drohung amüsierter Banalitäten-Fans? Auf jeden Fall ist's Reenactment.

Terror als Horror

von Jens Fischer

Oldenburg, 23. August 2017. Lehrer Gunnar sieht aus wie verpeilter Bücherwurm. Prahlt aber damit, Sex mit seinen Schülerinnen zu haben. Das sei ihr inzwischen auch egal, schnattert seine biederbunt herausgeputzte Gattin – und bebt dabei vor Empörung. Und schon sind wir mittendrin. "Szene einer Ehe", sagt Gunnar, sei eines von diesen "Beziehungsdramen, in denen ich mich behaglich suhlen kann". Gefahrlos aus der Schlüssellochperspektive des Film- oder Theaterzuschauers anderen beim Durchleben des eigenen Elends zuschauen. Es trifft sich, dass mit Oldenburgs Schauspielchef Peter Hailer ein Regisseur "Utøya" von Edoardo Erba inszeniert, der bereits Erfahrung mit solchen Eheterrorstücken hat.

Eine Moral für den Cyberspace, bitte

von Jens Fischer

Oldenburg, 4. Juni 2017. In der analogen Welt kommen sie nicht klar, fühlen sich klein und beschädigt. Als Bodensatz. Und sorgen selbst nicht für Auftrieb. Tauchen vielmehr noch tiefer ab, immer weiter, immer ausdauernder hinein in die digitale Parallelwelt. Dort, so die Verheißung, könne man vergessen, wer man zu sein glaubt und die Identitätssuche neu starten: einfach Reset und entdecken, wer man sein könnte. Alles ist möglich. Hyperintensive Erlebnisse inklusive.

Spielend performt

von Jens Fischer

Oldenburg, 30. März 2017. Mösenschleim, Hurensöhne sind so Worte, die aus den Lautsprechern purzeln, vom "Fotzen-Helmi" ist die Rede. Nebel wird in die Bühnenluft gehaucht. Zwei Frauen inszenieren ihre Brüste, Pobacken und Scham zu Softporno-Kalenderposen. Als Möhren zur Klitorisstimulation angesetzt werden, schleichen etwas weniger nackige Darsteller herein, tragen aus Schaumstoffresten gebastelte Puppen in Blumengestalt und becircen ein ebenso knautschiges Bienenobjekt. Mit dem Hauchen von Straßenstricharbeiterinnen: "Hey, komm zu mir." Kein Zweifel, es geht um Sex. "Gulliveras Reise" fokussiert einige höchst skurril wirkende Möglichkeiten, erregt zu werden, um Orgasmen zu erleben. Verheimlicht auch den Leistungsdruck nicht. "Aber wir wollen alle kommen, das ist doch schön", sagt Musikerin Solene Garnier.

Die Maschine lebt

von Jens Fischer

Oldenburg, 26. August 2016. Wie im Synchronstudio. Vier Sprechkünstler am Pult, darauf die Partitur der Worte. Nur dass jetzt nicht lippensynchron Dialoge übersetzt, sondern mit wahnwitzig präziser Intonationskultur einige Interviewpassagen einer Dokutheater-Recherche zum Transhumanismus nachgeahmt werden. Im mal kraus, mal kreiselnd gedachten, manchmal gestotterten, vernuschelten oder dialektgefärbten, per Äähhs & Co. fragmentarisierten, von Atemzischlauten rhythmisierten O-Ton.

Wellensittichweltverschwörung

von Tim Schomacker

Oldenburg, 16. April 2016. Ein in den Bühnenboden eingelassenes Laufband. Dahinter eine Leinwand mit langsam fortziehender Gegend in Schwarz-Weiß drauf. Davor ein Quadratmeterbündel Bühnenregen, der in einem Rost verschwindet. Darauf Paul. Ende sechzig. Thomas Birklein geht ihn so, dass nie ganz klar ist: Läuft er von irgendwo, vor irgendwas weg? Oder doch eher irgendwas oder -wem entgegen? Kaum mehr als Mantel, Seesack und eine uralte Armeepistole seien ihm geblieben, sagt Paul in forciertem Spaziergangtempo. "Ich gehe die Pfade meiner Jugend ab, um herauszukriegen, wie ich der geworden bin, der ich bin."

Herr Aldi, gebn se mal n Kilo Sinn!

von Tim Schomacker

Oldenburg, 14. Februar 2016. Nichts gegen blöde Witze. Solche, die sich anfühlen wie zu süße Eiscreme, bei denen die Zuhörenden schlagartig Luft einziehen durch die Zähne. Nur müssen sie halt gut sein, die blöden Witze. Wenn Martin Laberenz drei Stunden auf Kafkas "Amerika"-Roman losgeht, kalauerts nicht eben selten. Nur... Nun ja.

Alle möglichen Welten

von Jens Fischer

Oldenburg, 3. Dezember 2015. Hallo liebe Kinder jeden Alters, was wollen wir denn heute mal spielen? Die Welt retten? Ja, dazu fällt uns bestimmt was Lustiges ein – mögen die Performer von Fake to Pretend gedacht haben. Da all die großen Gesellschaftsutopien des 20. Jahrhunderts "diskreditiert" seien, gestalten sie mit aktuellen, vor allem neoliberalen Weltrettungsideen einen bunten Abend, bei dem die Besucher als Mitspieler, nicht als Zuschaukünstler gefragt sind. Und erst einmal befragt werden nach Art einer TV-Tralala-Show. Als mehrheitsfähig erweisen sich Behauptungen, recht zufrieden mit der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation zu sein, nicht ganz so zufrieden mit dem Technikkrimskrams daheim. Ob jemand bereit wäre, einen Aspekt seines Lebens zu ändern? Zwischen den vorgegebenen Antwortextremen "keinen einzigen" und "immer alles" reihen sich die meisten bei "manches ist verhandelbar" ein.

Zwischen allen Stühlen

von Andreas Schnell

Oldenburg, den 12. Oktober 2015. Der Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja im Oktober 2006, ausgerechnet am Geburtstag Wladimir Putins, sorgte international für Empörung, vor allem im Westen, wo der Fall als symptomatisch für den postsowjetischen russischen Staat gedeutet wurde, der – so der kaum zu überlesende Subtext – so postsowjetisch eben doch noch nicht ist.

Preisverfall, Hassinflation

von Andreas Schnell

Oldenburg, 17. April 2015. Die gute Nachricht: Die weißrussischen "Drei Tage in der Hölle" sind in Oldenburg im Tausch gegen schlappe 80 Westminuten erhältlich. Die schlechte Nachricht: Bei galoppierender Inflation kann sich das schnell ändern. Überhaupt gibt es in Pavel Prjaschkos "Drei Tage in der Hölle" eher schlechte Nachrichten. Nicht nur für Dima, die Hauptfigur dieses Stücks, das Elina Finkel in der Exerzierhalle in Oldenburg für das Staatstheater zur deutschsprachigen Erstaufführung bringt.

An Liebe berauscht

von Jens Fischer

Oldenburg, 30. November 2014. Was die Zuschauer gern wollen: die bitterste der melancholischen Komödien Shakespeares als facettenreich schillernden Liebestaumel erleben – mit fantasievollem Schwärmen, herzgütigem Sehnen, gierigem Suchen, mit zueinander Stolpern, übereinander Stürzen, Zupacken, Wegstoßen. Was Dramaturgen gern mit dem Stück zeigen wollen: Männer und Frauen als Zwitterwesen, deren Geschlechterverwirrung und Identitätskrise mit aktuellen Gender Studies kommentiert und von harschen Rockklängen aufgewirbelt wird. Regisseur Martin Laberenz aber will vor allem – Karneval. Einfach mal tun, was sonst verboten ist. Mit Zitaten von Antonin Artaud nicht nur das "Plädoyer für ein maßloses Theater" ins Programmheft schreiben, sondern auch für die Dauer der Aufführung einen von Leidenschaft durchpulsten Befreiungszauber initiieren. Sich nicht ver-, sondern entkleiden. Kräfte freisetzen, die nicht nach Neutralisierung in ehelichen Beziehungen streben.

Kloster ohne Segen

von Andreas Schnell

Oldenburg, 19. Juni 2014. Nein, auf Kloster Blankenburg am Stadtrand Oldenburgs liegt wahrlich kein Segen. Im 13. Jahrhundert erbaut, diente das Dominikanerinnenkloster seit dem 16. Jahrhundert als Verwahrungsort für Arme, Waisen, Kranke, Arbeitslose, Prostituierte, psychisch Kranke und Asylbewerber. Heute steht das Anwesen zum Verkauf – eine gute Gelegenheit, dachte Matthias Grön, Dramaturg beim Oldenburger Staatstheater, die Geschichte dieses Orts endlich theatral aufzuarbeiten. Doch aus einer Aufführung vor Ort wurde nichts, der Eigentümer wechselte seine Meinung und wollte kein Theater mehr in seiner Immobilie, weshalb "Blankenburg" nun im Probenzentrum des Staatstheaters Uraufführung feiern musste.

Halt' die Klappe, Künstler!

von Andreas Schnell

Bremen, 7. März 2014. Vielleicht ohne es wirklich zu wollen, spricht "Munch und Van Gogh – Der Schrei der Sonnenblume" von Marc Becker, das am Freitagabend in Oldenburg im Rahmen des Festivals "Go West" seine deutsche Erstaufführung feierte, sein Problem selbst aus: Was der Kunstliebhaber wolle, sei Schokolade – etwas, das dem profanen Alltag ein wenig Sinn entgegensetze und erbaulich sei.

Kein Aufschrei

von Jens Fischer

Oldenburg, 13. November 2013. Thema: Abschiebung. Als Ungemütlichkeitsmonster bezeichnen Süßigkeiten- und Softdrinkautomat plus metallische Sitzbankreihen auf Nikolaus Frinkes Bühne eine charmefreie Abflughalle. Die so in ihrer kargen Schönheit relativ unverstellte Exerzierhalle Oldenburgs wird durch geschickte Lichtwechsel auch zur schäbig finsteren Baracke oder zum edelsanierten Backstein-Loft. Die Trennlinie zweier Welten, ihre Reißkante ist der Spielort der im Gegenschnitt präsentierten Handlung, die das Zwangsrückkehrerelend im Kosovo und die Komfortzone deutscher Bildungsbürgerlichkeit parallelisiert.

Wer vom Faschismus nicht reden will, soll vom Blumenkohl schweigen

von Andreas Schnell

Bremen, 19. Juni 2013. Immer wieder gern zitiert wird sie, die Rede vom noch fruchtbaren Schoß, aus dem "das" kroch, wenn vor der rechten Sache gewarnt werden soll. Der Satz stammt aus dem Epilog des "Aufhaltsamen Aufstiegs des Arturo Ui" – in Marc Beckers Inszenierung, die gestern im Kleinen Haus in Oldenburg Premiere hatte, fehlt er indes. Stattdessen gibt es am Ende einstürzende Neubauten aus Obstdarren, hoch, sehr hoch gestapelt: das Ende der hochfliegenden Pläne des Arturo Ui, der bis nach New York gehen wollte.

Ein Bier namens Parole

von Tim Schomacker

Oldenburg, 20. Januar 2013. Das Nachrichtenlaufband im niedersächsischen Bahnhof verkündet ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den niedersächsischen Landtag. Derweil ein Karl-Marx-Darsteller im niedersächsischen Staatstheater zu Oldenburg gerade vom Klo kommt. Bedächtig schließt Marx die Kneipen-Klotür ab. Bedächtig, doch erstaunlich wenig gebeugt, verteilt er Bierflaschen auf Tischen. "71022 Tage Marx", verkündet eine Tafel neben der Bar. Vorwärts, summt Marx, und nicht vergessen. Die Gäste kommen jeden Moment.

Spezialist der Anfänge

von Tim Schomacker

Oldenburg, 18. Januar 2013. Wie eine flokatigewordene Version von Malewitschs Quadrat liegt sie da: die Insel. Darauf allerlei Kulturrestprodukte: eine dreckige Badewanne, ein Fahrrad, eine säuberlich ausgespülte Großküchen-Blechdose, vermutlich Sauerkraut. An einer Inselkante liegt Robinson, auf dem Bauch, die Füße im leeren Raum, das Gesicht gebettet auf das flauschige Weiß. Er ist gestrandet. Weniger auf der sprichwörtlichen einsamen Insel, denn in der Frühgeschichte seiner eigenen Art: des homo oeconomicus. Diese Insel ist Teil seiner Erzählung von sich selbst. Die Sprache ist das Werkzeug dazu. Eines der ersten Worte an diesem Theaterabend ist das Wort "organisieren". Und es dauert lange, bis das erste Wort fällt.

Die Politik der Zero Tolerance

von Andreas Schnell

Oldenburg, 13. September 2012. Das Stück "Willkommen in Theben" von der englischen Dramatikerin Moira Buffini wurde vor zwei Jahren in London uraufgeführt und ist gewissermaßen ein Update von Sophokles' "Antigone", ergänzt um Motive aus "Lysistrata" (Aristophanes) und "Hippolytus" (Euripides). Theben hat gerade einen verheerenden Bürgerkrieg überstanden und wird nun von Eurydike regiert, die um sich ein vorwiegend weibliches Kabinett gebildet hat. Sie warten auf Theseus, erster Bürger Athens, von dem man sich Hilfe beim Wiederaufbau erhofft.

Halbglas und Pullunderalt

von Tim Schomacker

Oldenburg, 7. Juni. Halbwelt und Halbweste wohnen nicht weit von einander entfernt. Schillers präsidialer Haussekretär Wurm trägt den Abend über ein gutes Dutzend Pullunder auf. Grüne und gelbliche, glatte und gerippte, solche mit und solche ohne Stickemblem überm Herz. In Jasper Brandis Version des Schiller-Klassikers faltet und wechselt und trägt Denis Larischs Wurm die ärmellosen, auch Halbwesten genannten Kleidungsstücke mit derartiger Hingabe, man müsste die Augen verschließen, um nicht zu merken, dass die Ärmellosigkeit hier als Generalmetapher dient.

altVorsprechen, nachsprechen, widersprechen

von Jens Fischer

Oldenburg, 23. Februar 2012. "Alle Menschen, die ein besseres Leben wünschen, soll'n aufstehn", sangen die Bots zur kuschelrevolutionären Animation auf Kundgebungen politisch-moralisch aufgewühlter Menschen. Und genauso herzig naiv, aber ironisch unterfüttert wird von einem Ensemble Amsterdamer, Berliner und Oldenburger Schauspieler/Musiker in Oldenburg "Der (kommende) Aufstand" beschworen. Aufstand bedeutet aufstehen – und mitklatschen. Das Publikum spielt brav amüsiert seine Rolle. Und beendet mit dem Song auch seinen Aufstand. Es wird wieder Platz genommen. Castor-Transporte-Behinderer, Wutbürger made in Stuttgart, Occupy-Camper, Auto-Anzünder – war da was, kommt da noch was? Aufstand 2012: Wie muss der Zwang der Umstände aussehen, um einer Empörung nachhaltiges Engagement folgen zu lassen?