Medienschau: Wiesbadener Kurier – Schlechte Noten für Staatstheater-Verwaltung

"Dysfunktionale Gesamtsteuerung"

"Dysfunktionale Gesamtsteuerung"

21. Juni 2024. Der Wiesbadener Kurier berichtet von einer Analyse des Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG zur Situation der Verwaltung am Staatstheater Wiesbaden. Diese genüge in weiten Teilen "keinen professionellen Standards". Die Geschäftsführung steht weiter in der Kritik.

Die Analyse war vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HWMK) sowie der Stadt Wiesbaden in Auftrag gegeben worden, so die Autoren Frank Kaminski und Christian Matz in der heutigen Ausgabe der Zeitung. Diese hätten "Vorbehalte zur Plausibilität und Qualität der vorgelegten Planung und des Berichtswesens" geäußert, heißt es. In fünf von sechs Handlungsfeldern habe die Analyse den "niedrigsten der fünf zur Verfügung stehenden Level" attestiert ("Reifegrad: 1"). Das Theater weise demnach eine "dysfunktionale Gesamtsteuerung in der Leitung und dem Gesamtbudget" auf, so die Studie.

Dies bedeute laut Wiesbadener Kurier eine "fundamentale Kritik" an der Arbeit des Geschäftsführenden Direktors Holger von Berg und dessen Verwaltung. Insbesondere Controlling und Haushaltswesen genügten "offenbar keinen professionellen Standards". 

Ziel der in Auftrag gegebenen Analyse sei neben einer Organisationsuntersuchung auch "die Unterstützung der Verwaltung gewesen", so Ministeriumssprecher Jascha Habeck laut Wiesbadener Kurier. In Kürze solle deshalb auch eine "Soll-Konzeption" vorgelegt werden. Geschäftsführer Holger von Berg wollte sich gegenüber der Zeitung demnach nicht äußern. 

Die Studie fällt in den Zusammenhang eines seit langem bestehenden Konflikts zwischen dem im Januar 2024 aus dem Amt geschiedenen Wiesbadener Intendanten Uwe Eric Laufenberg und der Geschäftsführung um Holger von Berg.

(Wiesbadener Kurier / jeb)

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Medienschau Wiesbaden: Evaluation von außen
Das Erschreckende ist doch, dass die Geschäftsführende Direktion in Wiesbaden offenbar nicht einmal über die eigenen Zahlen Bescheid weiß. In dem Artikel im Kurier heißt es: "Die finanzielle Situation des Hauses ist noch nicht abschließend evaluiert. Die neue Intendanz wartet auf die finalen Ergebnisse
der Untersuchung." Evaluation meint von außen. D.h. im Haus selbst, weiß man nicht, wie die finanzielle Situation ist. Dazu passt (auch aus dem Kurier-Artikel): "widersprüchliche Zahlenwerke" und "fehlende Planbarkeit und Steuerbarkeit". Alles Probleme der Verwaltung. Die Folgerung von Minister Gremmels (SPD) war im Januar: Der Intendant muss gehen. Das verstehe wer will. Letztes Jahr wurden wir hier davon informiert, dass führende Mitarbeiter des Hauses vor der maroden Verwaltung warnten. Sie hatten offenbar recht. Bestraft wurde die Kunst.
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