Rom - Am Deutschen Theater Berlin erzählt Karin Henkel mit John von Düffels Shakespeare-Montage vom Aufstieg und Fall einer Republik
Viel Spaß bei Eurem Untergang!
Sommergäste - Daniela Löffner lässt am Deutschen Theater Berlin mit Maxim Gorki Schauspielkunst erblühen
Egal wann
von Michael Wolf
Berlin, 23. Februar 2018. Die Erwartungen sind hoch. Mit ihrer letzten Arbeit am Deutschen Theater hat Regisseurin Daniela Löffner ihren bislang größten Erfolg gefeiert. Väter und Söhne nach Iwan Turgenjew wurde 2016 zum Theatertreffen eingeladen. Nun wieder ein großes Ensemblestück und ein russischer Klassiker: Maxim Gorkis "Sommergäste". Eine Gesellschaft aus Wohlhabenden und Intellektuellen verbringt die Ferien auf dem Land. Im Idyll verlieben, betrügen und verachten sie sich um die Wette. Vor allem aber leiden sie an dumpfer Leere. Sehnsucht plagt sie. Nach einem anderen Leben, einem mit Sinn. Gorki schrieb das Stück 1905, nur ein Jahr bevor in Russland die Revolution vorerst scheiterte, und zwölf Jahre bevor sie tatsächlich über die Weltbühne ging. Es ist das Porträt einer Klasse, die bereits ahnt, dass ihre Zeit abgelaufen ist, die sich selbst zerfleischt aus Verachtung für die eigene Nutzlosigkeit.
Ulysses - Am Deutschen Theater Berlin inszeniert Sebastian Hartmann den Roman von James Joyce
Hopsa!
von Elena Philipp
Berlin, 19. Januar 2018. Dublin brennt! Feuer, Schwefelflammen, dichter Rauch. Im Flackern roter Bühnenportal-Neonröhren zählt Linda Pöppel, lässig im Leder-Look, lächelnd Lamentables auf: Galopp von Hufen. Kommandos und Kanonen. Sterbende, die schreien. Tote, die wiederauferstehen. Pandämonium, Apokalypse, Weltenbrand! Macht aber nix. Falls Dublin mal von der Erde verschwände, erklärt Szenen später ein Joyce-Zitat Pöppels glattkalte Verbindlichkeit, könne man's doch anhand seines "Ulysses" rekonstruieren. Selbstsicher formulierte der Autor so die Poetik seines welterschaffenden Totalromans. Alltagsprall, ideensatt und fleischeslustig ist er, elegant und gewitzt. Ein pochend-monströser Sprachkörper, bekanntlich handlungsarm: die Fährnisse des modernen Menschen in 18 Kapiteln. Ein Tag im Leben des Leopold Bloom, 38 Jahre alter Anzeigenakquisiteur und kultivierter Allerweltskerl. Wie bringt man so was auf die Bühne? Sebastian Hartmann, prosaerprobt, wagt's am Deutschen Theater Berlin.
Der Tag, als ich nicht ich mehr war - Anne Lenk inszeniert im Deutschen Theater Berlin die Uraufführung des Stücks von Roland Schimmelpfennig
Wo bist du dann?
von Sophie Diesselhorst
Berlin, 12. Januar 2018. Der Fichte ist in die Bedeutungslosigkeit gesunken. Er ist jetzt eine die und als solche ein Baum, der vor einem spießigen Einfamilienhaus die unoriginellen Gewaltfantasien seines kleinbürgerlichen Eigentümers weckt ("Das Haus ist zu klein, der Baum ist hässlich"). Das Programmheft zur Roland-Schimmelpfennig-Uraufführung in den Kammerspielen des Deutschen Theaters trägt noch ein Johann-Gottlieb-Fichte-Zitat: "Das Ich setzt das Nicht-Ich als beschränkt durch das Ich. Das Ich setzt sich selbst als beschränkt durch das Nicht-Ich."
Das Missverständnis – Jürgen Kruse mixt am Deutschen Theater Berlin aus Albert Camus' Farce ein nihilistisches Schauermärchen mit deutsch-deutschen Geschichtszeichen
Toter Engel der Geschichte
von Christian Rakow
Berlin, 3. Dezember 2017. Schon wieder stirbt jemand an vergiftetem Tee. Gestern schon in den Zofen von Jean Genet, heute im "Missverständnis" von Albert Camus. Es ist das Existenzialismus-Wochenende des Deutschen Theaters. Nur dass man bei Regisseur Jürgen Kruse natürlich nicht ganz sicher sein kann, ob den armen Camus-Protagonisten Jan nun eigentlich der Tee umgebracht hat, oder doch der reichlich herumstehende Wein. Aus der Teetasse fließt ihm jedenfalls Kunstblut über den Kopf.
Regie: Sebastian Hartmann
Regie: Jette Steckel
Regie: Tom Kühnel und Jürgen Kuttner
Regie: ZinA Choi, Tilmann Köhler, Kyungsung Lee, Jungung Yang und Kon Yi
Regie: Andreas Kriegenburg
Regie: Robert Lehniger
Regie: Tom Kühnel, Jürgen Kuttner
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