Sag zum Abschied leise: Deutschland

30. März 2025. Bevor Schauspieldirektor Maik Priebe das Haus im Sommer verlässt, inszeniert er in über fünf Stunden ein dörfliches Epos. Eine einfache Magd erlebt hier die Nazi-Zeit und den Aufbau der DDR.

Von Erik Zielke

"Wege übers Land" in Neustrelitz © Bernd Uhlig

30. März 2025. Da sind sie ja alle: "unsere Menschen", wie es in der DDR staatlicherseits gerne hieß. Beim Einlass gruppieren sich die scheinbar privat gekleideten Darstellerinnen und Darsteller – 14 sind es an diesem Abend – immer wieder neu auf der Bühne, gehen auf und ab, plaudern, zeigen gut gelaunt ins Publikum. Unsere Menschen, die eine Geschichte von hier, aus Mecklenburg, erzählen.

Regisseur Maik Priebe, der in diesem Sommer nach nur zwei Spielzeiten als Schauspieldirektor das fusionierte Theater in Neustrelitz/Neubrandenburg verlässt, verabschiedet sich mit dieser Inszenierung von seinem Publikum. Er stammt aus der Region und zählt als 1977 Geborener zur Gruppe der "Zonenkinder", wie es die ostdeutsche Publizistin Jana Hensel ausdrückt. Die DDR ist bereits verschwunden, bevor er erwachsen wurde, eingeschrieben in seine Biografie hat sie sich dennoch.

Ein Epos freilegen

Folgerichtig hat sich Priebe Helmut Sakowskis Roman "Wege übers Land" vorgenommen, der in seiner Fassung als Fernsehfilm – mit Ursula Karusseit, Manfred Krug und Armin Mueller-Stahl! – seit Ende der sechziger Jahre ein Millionenpublikum erreicht hat. Heute ist der Fünfteiler vielleicht noch nicht vergessen, aber auf bestem Weg dahin. Und so werden wir Zeuge einer gewissermaßen archäologischen Arbeit.

wege 2Das Landleben? Ein weites Feld. Karin Hartmann, Stephanie Schönfeld © Bernd Uhlig

Keine leichte Aufgabe, diesen personalreichen Stoff, der sich über die Zeit von 1939 bis 1953 erstreckt, auf die Bühne zu bringen. Priebe nimmt sich dafür (bei drei Pausen) fünf Stunden und zwanzig Minuten Zeit. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Magd Gertrud Habersaat aus dem mecklenburgischen Dorf Rakowen. Als Tochter saufender Eltern hat sie es schwer; nur durch harte Anstrengungen kann sie den Makel der schlechten Herkunft wettmachen. Sie arbeitet auf dem Hof der Leßtorffs und beginnt eine heimliche Beziehung mit dem Großbauern Jürgen. Habersaats wie Leßtorffs und fast das gesamte Dorf sind nach dem deutschen Feldzug gegen Polen im Siegesrausch.

Als Jürgen Leßtorff sie der Karriere wegen sitzen lässt, geht sie mit dem nicht weniger opportunistischen Emil Kalluweit nach Osten, um sich dort geraubtes Land anzueignen. In Polen werden sie Zeugen der Abtransporte, Vertreibungen und Erschießungen. Gertrud nimmt sich heimlich, mehr aus Zufall denn aus Widerstandsgeist, eines jüdischen Kindes an. Der Krieg ist aus, ihr Mann verschollen.

Nach Rakowen zurückgekehrt, das mittlerweile mit dem KZ-Überlebenden und Kommunisten Willi Heyer einen neuen Bürgermeister hat, wird Gertrud Zeugin der Aufbaujahre in der sich bald formierenden DDR. Aus der Nazi-Mitläuferin wird eine treibende Kraft des Sozialismus, die von den Bürden der Vergangenheit jedoch immer wieder eingeholt wird.

Mutter lässt anschreiben

Ein großes Ensemble hat Priebe zusammengestellt, für das er eine Vielzahl von Gästen ans Haus geholt und mit der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch kooperiert hat. Stephanie Schönfeld gibt die Gertrud Habersaat als zähe, kraftvolle Frau, die sich gegen ihre Widersacher zu behaupten weiß. Etwa gegen ihre Mutter, für die die Grande Dame Angelika Waller auf die Bühne zurückkehrt und die sie mit Unverfrorenheit und Frechheit spielt. "Hier hab’ ich Kredit in der Kneipe, hier bin ich wer", lautet ihr Leitsatz. Christian Ehrich zeigt den Kalluweit in all seiner Unsicherheit, die ihn nicht vor der Grausamkeit zurückschrecken lässt. Und Niklas Kohrt mimt dessen Gegenspieler Jürgen Leßtorff überzeugend kühl. Bei aller politischen Eindeutigkeit gehen die Nuancen in der Darstellung nicht verloren.

Wege Niklas Kohrt Stephanie SchoenfeldNuancenreiches Spiel: Niklas Kohrt und Stephanie Schönfeld © Bernd Uhlig

Erik Born hingegen findet als Kommunist nicht immer den richtigen, unverstellten Ton. Es mag auch den Schwächen der Vorlage geschuldet sein, dass gerade bei dieser Figur ein Zuviel an Pathos den Menschen unnahbar werden lässt. Das formelhafte Politvokabular der DDR ist heute schwer vermittelbar. Und anders als in Heiner Müllers Stück zur Bodenreform "Die Umsiedlerin" macht die differenzierte Figurengestaltung Halt bei dem sozialistischen Helden. Hier hätte ein stärkerer Regiezugriff helfen können.

Der Heimatabend hat Konjunktur

Priebe unterwirft sich mit "Wege übers Land" keinem Aktualisierungsgebot. Die Verbindungen des Stoffs ins Heute lassen sich eher punktuell ausmachen. Trotz aller Konzentration, neuen spielerischen Ansätzen mit jedem Teil und den wechselnden reduzierten Bühnenbildern von Susanne Maier-Staufen bleiben schleppende Szenen nicht gänzlich aus und das sozialistisch-realistische Happy End eher unbefriedigend.

Dennoch leistet die Produktion Beachtliches. DDR-Heimatabende haben an den Theatern im östlichen Teil des Landes derzeit mal wieder Konjunktur. Maik Priebe ist allerdings nicht den gewohnten Weg der Bühnen zwischen erhobenem Zeigefinger, Zwangsheiterkeit, ironischer Distanzierung oder gar denunziatorischem Eifer gegangen. Das Premierenpublikum hat einen geschichtsbewussten Theaterabend gesehen ohne Angst vor thematischer Schwere und dankt es beim Schlussapplaus hörbar.

 

Wege übers Land
nach Helmut Sakowski, bearbeitet von Maik Priebe
Regie: Maik Priebe, Bühne: Susanne Maier-Staufen, Kostüme: Christine Jacob, Sounddesign: Johannes Winde, Dramaturgie: Annett Hardegen.
Mit: Stephanie Schönfeld, Angelika Waller, Erik Born, Christian Ehrich, Niklas Kohrt, Karin Hartmann, Flavia Lovric-Caparin, Jonas Holdenrieder, Edward Ruben Auerbach, Josefin Ristau, Lisa Scheibner, Marie Nadja Haller, Thomas Pötzsch, Thomas Harms.
Premiere am 29. März 2025
Dauer: 5 Stunden 20 Minuten, drei Pausen

www.tog.de

Kritikenrundschau

"In seiner letzten Regie-Arbeit als Schauspieldirektor der Theater- und Orchestergesellschaft Neubrandenburg/Neustrelitz (tog) trumpft Maik Priebe noch einmal auf mit einer epischen Inszenierung", schreibt Susanne Schulz im Nordkurier (online am 30.3.2025), "die dem Publikum indessen die Zeit nicht lang werden lässt, die der literarischen Vorlage Respekt erweist und dabei bemerkenswertes eigenes Profil erlangt, reich an Anstößen in vielen berührenden oder erschütternden, bildhaften wie auch wortgewaltigen, derben wie auch feinen Momenten."

"So wie hier in dieser denkwürdigen Inszenierung wird Geschichte heute selten erzählt", schwärmt Gunnar Decker in der Deutschen Bühne (30.3.3035). Lang sei der Abend, "ja, aber nie ins Breite gehend, sondern immer auch intensives Kammerspiel der präzis agierenden Akteure".

Kommentare  
Wege übers Land, Neustrelitz: Maik Priebe
Schade Maik, dass du gehst...
Wege übers Land, Neustrelitz: Stehende Ovationen
Was der Nachtkritiker verschweigt: das Publikum dankt es nicht nur hörbar, sondern kollektiv stehend! 10 Minuten stehende Ovationen für eine Uraufführung! Was für ein Triumph für Priebe und sein Team, das Ensemble und das ganze Theater! Chapeau!
Wege übers Land, Neustrelitz: Verneigung
Was Theater kann, ist an diesem Abend zu erleben. Ich habe im Laufe der Aufführung meinen Mann weinend neben mir erlebt. Wie das Theater die Rettung dieser Kinder erspielt, ist unglaublich! Wir verneigen uns und danken für diesen wichtigen Abend!
Wege übers Land, Neustrelitz: Aufsagetheater
(...) Es war Aufsagetheater der alten Schule. Okay, macht Priebe immer so. Nicht schlimm, eben aus der Zeit gefallen. Aber ich freue mich, dass es nun etwas Neues bald gibt.
Wege übers Land, Neustrelitz: Mega
Ich kann mich nur den Kommentaren anschliessen.. Es war die Jugend meiner Eltern, Zeit zum Besinnen, sehr ergreifend und reflektierend, 5 + spannende Stunden !ob der Leistung, dieses Werk auf die Bühne zu bringen! Mega! Danke!!!
Wege übers Land, Neustrelitz: Wahnsinn
Ich war überzeugt, dass es nicht geht. Karusseit war so prägend. Und im Theater? Das geht nicht

Und es geht doch! Die Schönfeldt ist eine Entdeckung (ich kannte sie nicht).

Auf nach Neustrelitz!
Wege übers Land, Neustrelitz: Ansage
Liebe Anja, was meinen Sie mit Aufsagetheater? Das geschriebener Text laut ausgesprochen wird? Das ist sogar bei Marhaler, Rasche und Mondtag so, wirklich. Aber das meinten sie wohl nicht? Nun zu diesem großen und großartigen Abend. Danke, und ich fand Herrn Born als Heyer durchgehend sehr überzeugend und berührend, denn auch der wird als Figur nicht ohne Widersprüche gezeigt. Danke für das wunderbare Textaufsagen.
Wege übers Land, Neustrelitz: Einfach großartig
Vielen Dank den Menschen, die sich in diesen kriegstreiberischen Zeiten trauen, Antikriegstheater auf die Bühne zu bringen. Ich fand es einfach großartig und keine Minute langweilig.
Wege übers Land, Neustrelitz: Mehr als begeistert
Wir sind von dem Stück mehr als begeistert. Es hat alles gestimmt. Schauspieler, Musik, Dramatik, Akustik, Beleuchtung etc. Sehr schade, dass Maik Priebe mit seinem Talent dem Theater verloren geht.
Wege übers Land, Neustrelitz: Was dieses Theater leistet!
Wir sind wegen der Kritik in Theater der Zeit nach Neustrelitz gereist und reiben uns verwundert die Augen. Was dieses kleine Theater leistet, welche politische Haltung dieser Abend transportiert, ist unglaublich. Soviel zur geschmähten Provinz! Wenn Eric Born als Heyer plötzlich in den Zuschauerraum sieht und in Anbetracht alter Nazis auf der Bühne in den Zuschauerraum sagt, dass er uns, also das Publikum nicht versteht, dann ist damit doch eindeutig ein Wahlverhalten heutiger Menschen gemeint. Immer wieder kippt diese Inszenierung ins Heute. Erschreckend! Das treibt nicht nur mir die Tränen in die Augen. Und eigentlich hat das Neustrelitzer Theater nicht eine Inszenierung gezeigt, sondern vier. Vier divergente Spielweisen, sogar Komödie, vier so unterschiedliche Arten mit der Bühne, dem Raum, dem Licht, der Musik und den Kostümen umzugehen. Da sitzt man als verwöhnter und leider oft gelangweilter Großstädter und fragt sich, warum dieses Regieteam, das ja scheinbar eine lange Arbeitsbeziehung verbindet, nicht schon längst in Berlin, Hamburg oder Dresden inszeniert. Und Theater der Zeit hat Recht: neben Usch Karusseit wird man fortan auch von Stephanie Schönfeld sprechen, wenn man an „Wege übers Land“ denkt. Das gesamte Publikum dankt diesem fabelhaften Ensemble und der Inszenierung stehend.

Kritik Theater der Zeit: https://tdz.de/artikel/2e7042f3-548d-4720-890a-eff5e1697886
Wege übers Land, Neustrelitz: Westdeutsche Erkenntnisse
Ich gestehe, dass ich den Stoff nicht kannte - ich bin aus dem Westen. Aber was wir am vergangenen Freitag sahen, ist wirklich eindrucksvoll. Stephanie Schönfeld wird hier zurecht als Ereignis gefeiert. Aber auch Angelika Waller als Mutter ist unvergesslich. Wir haben uns danach sofort mit der Karriere dieser Schauspielerin beschäftigt und dann sitzt man als ahnungslose Westdeutsche da und fragt sich, wie es sein konnte, dass so eine Ausnahmeschauspielerin nicht auch im Westen eine größere Bekanntheit erreicht hat.

Diese Inszenierung "Wege über Land" sind so wichtig, berührend, lustig, erschreckend, erhellend.

Weiß jemand warum die Schauspieler Blumen bekamen?
Wege übers Land, Neustrelitz: Nicht gesehen
Das Theater Neustrelitz ist gar nicht zu überschätzen. 1991 begann Charly Hübner dort als Schauspieleleve und Regieassistent seine Karriere. Gut das war Zwanzigstes Jahrhundert. Aber Ralf-Peter Schulzes "König Lear" (2005) müsste eigentlich unter die hundert besten Theaterabende der letzten fünfundzwanzig Jahre. Und Christoph Schrotts "Käthchen von Heilbronn" (2006) oder Annett Wöhlerts "Mein Kampf" (Tabori) unter die zweihundert besten. Alles das fand in Neustrelitz statt. Und wurde wohl leider von den abstimmenden Kritikern nicht gesehen.
Wege übers Land, Neustrelitz: Hier passiert Ungewöhnliches
Lieber Herr Schwandt, Ihre sicher berechtigten Einlassungen klingen doch so, als wollten Sie die derzeitigen Entwicklungen, ja Erfolge in Neustrelitz in Abrede stellen. Ich jedenfalls kenne keine vergleichbare Leitung mit 4 Uraufführungen, 1 DSE in einer Spielzeit und solcher Resonanz. Darüber hinaus gastierten am Haus U.Matthes, N.Heesters, C.Hübner (klar der local hero, aber vorher ja auch nicht gastierend!), C.Miosga, G.Gysi, A.Milster, N.Gummich, A.Waller, C.Harfouch usw. Und wollen Sie uns wirklich erzählen, dass H.Schmidt in Schwerin gastierte, weil jemand am Haus die Idee hatte? Oder doch eher weil Schmidt vorher in Neustrelitz auftrat?

In Neustrelitz ist gerade etwas ungewöhnliches passiert. Nirgendwo in der Republik hat es eine solch beachtliche Neuausrichtung einer Schauspielsparte gegeben. Und gerade in Schwerin sollte man zur Zeit doch einen sehr genauen Blick auf die Neustrelitzer Entwicklungen werfen.
Wege übers Land, Neustrelitz: Ensembleleistung
eine fast unglaubliche ensembleleistung, die gestern am 11.4. zu recht mit nicht enden wollenden stehendem jubel belohnt wird. wie hier alle; und zwar ausnahmslos alle, sich in ein ensemble fügen, ist bemerkenswert. wie alle gemeinsam eine geschichte erzählen, ohne mätzchen, ohne das üblich aktualisierende, ist mehr als bewunderswert.

lesenswert ist auch das interview zwischen schauspielchef priebe und seiner langjährigen dramaturgin annette hardegen. da zeigt sich ein hochspannendes team, dass die erfahrungen aus stadttheater und freier szene vereint.
Wege übers Land, Neustrelitz: Durchschaubar
Jetzt hör doch mal mit diesen durchschaubaren Kommentaren auf, es ist ja kaum auszuhalten !!!!
Wir haben doch verstanden, dass in Neustrelitz einzigartiges Theater gemacht wird und das Regieteam auf der Suche nach einer neuen Bleibe ist...
Wege übers Land, Neustrelitz: 99 Luftballons
Liebe Nena, durchschaubar ist hier entweder Neid oder schlechte Laune ihrerseits. In einem offenen Forum sollte doch wohl etwas Begeisterung erlaubt sein. Zumal ja tatsächlich die Kritiken sehr gut sind. Und die Zuschauer auch wirklich begeistert sind. Der interessante Fakt das tatsächlich Leute nach Neustrelitz von außerhalb kommen, wegen dem kommunikativen Furor, ist doch eigentlich was schönes. Und das sie es dann nicht bereuen. Das ist durchschaubar, sie sagen es offen, es hat Ihnen gefallen. Das ist weder geheimnisvoll noch schlecht. Oder haben sie was gegen Theater? Dann ist der Ort hier möglicherweise nicht so passend für Sie? Schönen Tag noch
Wege übers Land, Neustrelitz: Gäste aus der Hauptstadt
@Horst
Wenn es so ein erfolgreicher Abend ist erklären Sie mir doch mal warum es jetzt bis Spielzeitende genau noch 2 Schulvorstellungen und eine 18 Uhr Vorstellung gibt ?
Zu großer Abend ? Zu große Besetzung ? Aufwand und Nutzen ? Kein Wunder, wenn in diesem Land von Subventionsverschwendung an Theatern gesprochen wird.
Und Neustrelitz ist ganz vorn mit dabei, holt und bezahlt lieber Gäste aus der Hauptstadt
Wege übers Land, Neustrelitz: Inhaltlich meckern
Da ist eine Kulturpolitikerin unterwegs, Nena: Sie reden also von den Kosten, ich sprach von der künstlerischen Qualität und dem regen positiven Feedback des Publikums. Da mehr als die Hälfte der Schauspielerinnen und Schauspieler aus dem Ensemble besetzt sind, finde ich es doch toll, wenn auch Gäste mitspielen können. Aber dass es nur noch 3 Vorstellungen gibt, finde ich auch sehr schade. (...) Die Auslastung ist wirklich gut. Oder war es ihnen zu lang? (...) Meckern Sie weiter (...) Nur etwas Inhaltliches wäre interessant, über den Abend (...)
Wege übers Land, Neustrelitz: Großes Schauspielertheater
Frau Schönfeld ist ein Theaterwunder! Aber auch die anderen: Christian Ehrich ist wohl der gefährlich-traurigste Schauspieler, den ich je gesehen. Erik Born, kraftstrotzend mit viel Humor (man hört teilweise Manfred Krug), Lisa Scheibner als polnische Mutter sehr bewegend, Karin Hartmann in Sekundenschnelle die Figuren wechselnd, die Waller abgründig monströs. Thomas Harms mit klugen Miniaturen, die in Erinnerung bleiben. Eduard Auerbach, Jonas Holdenrieder und Flavia Lovric sind Talente, von denen wir noch hören werden!
Nur Niklas Korth ist mir persönlich zu eitel. Aber das war Müller-Stahl auch immer und ist wohl Geschmacksache.
Ein großer Theaterabend, der an den A-Häusern zu Recht umjubelt wäre.
Wege übers Land, Neustrelitz: Frage
@Bernd
A-Häuser, B-Häuser,C-Häuser, D-Häuser, E-Häuser, F-Häuser...
In was für einer Welt sind Sie denn unterwegs ?
Wege übers Land, Neustrelitz: Antwort
Lieber @Gunther,
In dieser Welt lebt @Bernd:
Orchester werden im Vertrag nach § 17 in einzelne Vergütungsgruppen gruppiert, die sich nach Mindestzahlen von Planstellen im jeweiligen Orchester richten.
Grundsätzlich gibt es die Vergütungsgruppen A, B, C und D.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Tarifvertrag_f%C3%BCr_die_Musiker_in_Konzert-_und_Theaterorchestern
Im Musiktheater ist es deshalb durchaus üblich, von einem A-Haus zu sprechen. Dann weiß man, wie groß der Klangkörper ist, was für Spielplanentscheidungen nicht unwesentlich ist. Manche Menschen nutzen diesen Begriff dann eben für die Finanzierung eines gesamten Mehrspartenhauses.
Wege übers Land, Neustrelitz: Triumph
Gestern, 1. Mai. Kampftag der Werktätigen und das Neustrelitzer Theater spielt "Wege übers Land". Ein ausverkauftes Haus, auf dem Vorplatz sind Stimmen zu hören, man sei aus Stuttgart, München, Wien, Schwerin und Berlin angereist. Dazwischen wir Neustrelitzer, die endlich wieder stolz sind auf ihr Schauspiel. Und am Ende - nach 5,5 Stunden - steht jubelnd der ganze Saal und will dieses famose Ensemble nicht gehen lassen. Was für ein Triumph für dieses kleine Haus.
Wege übers Land, Neustrelitz: Begeistert begeistert
Ich bin begeistert von dieser Kommentarspalte. Sie zeigt, dass es noch echte begeisterte Menschen gibt, sie kommen aus dem ganzen Land nach Strelitz. Danke, Strelitz. Pardon, Neustrelitz. Was für ein Triumph.
Wege übers Land, Neustrelitz: Verneigung
Dass man sich hier aufregt über einen Erfolg in der Provinz ist doch absurd!
Gestern 18 Uhr (die Anfangszeit hat sicher mit der Länge zu tun, wie wir aus Castorf-Abenden wissen!), ausverkaufte Hütte in der 20.000 Einwohnerstadt. Und am Ende Jubel Jubel Jubel. Stehend! Und dass es nur 6 Aufführungen bis Spielzeitende gibt, ist ja normal. Dass es nicht in die nächste Spielzeit übernommen wird, ist der eigentliche Skandal. Der dem neuen Schauspieldirektor anzulasten ist.
Diese Aufführung ist mehr als beeindruckend, beim TT heißt es bemerkenswert. Ein Ensembleabend, der auch in Berlin, Leipzig und Dresden sein Publikum finden würde!
Wege übers Land, Neustrelitz: Riesenerfolg
Ich schließe mich Lena Müller an und stimme ein in den Lobgesang und Riesenjubel für einen Theaterabend "Wege übers Land" am Neustrelitzer Theater. Ich bedanke mich für die große Kunst von Stephanie Schönfeld und Angelika Waller und verbeuge mich vor dieser fantastischen Ensembleleistung, die mich sehr berührt hat. Einen besonderen Dank richte ich an Maik Priebe, der die literarische Vorlage von Helmut Sakowski wiederentdeckte und den Mut und die Kunstfertigkeit bewies, diesen epischen Stoff erstmals auf eine Theaterbühne zu bringen.
Wege übers Land, Neustrelitz: Weg nach Berlin
Es ist wirklich außergewöhnlich, ich bin ebenfalls begeistert von der Neustrelitzer Bürgerschaft, die sich hier unglaublich zahlreich einfindet, und zwar sind das offensichtlich immer verschiedene Leute - um diesen Neustrelitzer Abend wirklich zu feiern. Ich danke den Kommentator:innen aus der 20.000 Einwohner-Stadt, die damit den Weg nach Berlin ja schon gewiesen haben - sowohl dem Team (Nachfolge BE? Schaubühne?) als auch dem Abend (Theatertreffen). Seriös! Ich meine: seriously!
Wege übers Land, Neustrelitz: Danke!
Dieser Kommentar sollte eigentlich die Spur der Steine mit Wege übers Land verbinden. Leider ist die erste Aufführung nicht zu kommentieren. Die Funktion fehlt.

Wir haben beide Aufführungen gesehen und sind so dankbar und berührt, das diese Stoffe und Themen endlich bearbeitet werden. Unser Leben in der DDR hat es verdient!
Kommentar schreiben