Der Sandmann - Staatsschauspiel Nürnberg
Deckel drauf und alles Gute
Schuld und Sühne - Staatsschauspiel Dresden
Schuld-und-Sühne-Maschine
von Matthias Schmidt
Dresden, 31. Mai 2019. Ungefähr nach 45 Minuten haben endgültig alle verstanden, dass das hier so bleiben wird. Dass Sebastian Hartmann und sein Team hier etwas erarbeitet haben, was kein Sprechtheater mehr ist, kein Schau-Spiel mit irgendwie stimmungsvoller musikalischer Begleitung, keine Roman-Nacherzählung versehen mit ein paar Andeutungen oder Provokationen oder hashtag-tauglichen Spitzfindigkeiten, angerichtet in origineller Kulisse und bunten Farben, aufgehübscht durch Videos und ein echtes Kamerateam auf der Bühne. Erst recht ist es keine Erzählung aus dem Sankt Petersburg des 19. Jahrhunderts. Das hier verzichtet auf lineare Abläufe, auf Akte, Szenen, Dialoge. Das hier findet in Schwarz-Weiß statt. Das hier ist alles in einem: Text und Musik und Film und Performance. Das hier ist Theater von einem anderen Stern. Ein paar Leute verlassen das Unerwartete in den ersten 45 Minuten entnervt. Viele der anderen sind da längst in eine Art Trance gefallen und schauen und hören so gebannt zu, als lande soeben ein UFO auf der Bühne. Wobei Faszination und Fassungslosigkeit nah beieinander liegen dürften.
Mary Said What She Said - Wiener Festwochen
Maria Huppert und Isabelle Stuart
von Gabi Hift
Wien, 30. Mai 2019. Es beginnt mit einem Scherz: Beim Einlass hängt in der Mitte des blutroten Samtvorhangs ein goldener Rahmen, in dem ein Video von einem kleinen schwarz-weißen Hund läuft, der seinem Schwanz nachjagt. Er sieht aus wie Snipper, der Hund von "His Master's Voice". Und für die Endlosloops, in denen der Meister Robert Wilson einer immer wieder entwischenden Erkenntnis nachjagt, wird sich dann der Vorhang öffnen. Die zweite Referenz erschließt sich nur den gut Vorbereiteten: Gerade so ein Schoßhündchen war unter den Röcken Maria Stuarts versteckt, als sie zur Hinrichtung ging, und nachdem ihr Kopf, endlich, nach dem dritten Schlag, gefallen war, tauchte das Hündchen blutverschmiert unter dem roten Stoff auf. Der Meister und seine Königin, Wilson und Isabelle Huppert – die 1993 schon "Orlando" miteinander kreiert haben und 2006 "Quartett" von Heiner Müller – erschaffen nun die letzten Sekunden Maria Stuarts.
Regie: Thorleifur Örn Arnarsson
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