Räuber-Ratten-Schlacht - Am Schauspiel Hannover mixt Alexander Eisenach eine deutsche Tragödie aus Schiller, Hauptmann und Müller

Diskurshölle Deutschland

von Falk Schreiber

Hannover, 21. März 2019. Mein wunderbarer Waschsalon. Ein frappierend einleuchtendes Einstiegsbild hat Bühnenbildner Daniel Wollenzin da gefunden für Alexander Eisenachs "Räuber-Ratten-Schlacht", einer "deutschen Tragödie" nach Texten von Friedrich Schiller, Gerhart Hauptmann und Heiner Müller am Schauspiel Hannover: eine Wand aus 28 Waschmaschinen, golden, clean, aseptisch. Und in einer regt sich etwas. Eine riesige Ratte (Andreas Schlager), aber Vorsicht: Der Nager ist kein Gast aus Hauptmanns Drama "Die Ratten", es ist der deutsche Gartenzwerg. Gutmütig, naiv, ein bisschen nervig. Ein Chor hebt an zum nationalen Erweckungsgesang, aber die Ratte brabbelt alles Pathos weg und scharwenzelt geschäftig durch die Szene. Lustig. Jedenfalls hängt die Ratte frisch gewaschene Nationalflaggen auf eine Wäscheleine, aber mittendrin hängt eine Hakenkreuzfahne. Da ist die lustige Ratte entsetzt. "Die braunen Flecken gehen einfach nicht raus!" Womit die Grundthese von "Räuber-Ratten-Schlacht" schon in den ersten Minuten des knapp vierstündigen Abends formuliert wäre.

Opernball - Alexander Charim inszeniert den Roman von Josef Haslinger am Volkstheater Wien

Schlecht war's auch früher schon!

von Leopold Lippert

Wien, 17. März 2019. Zwar geben die rechtsextremen Terroranschläge in Christchurch vom vergangenen Freitag dem Theaterabend eine gar unheimliche Aktualität. Doch ansonsten ist Alexander Charims Inszenierung von "Opernball", nach Josef Haslingers Erfolgsroman der neunziger Jahre über ein rechtsterroristisches Giftgasattentat auf den Wiener Opernball, irgendwie aus der Zeit gefallen. In der Volkstheater-Außenstelle "Volx/Margareten" versucht man erst gar nicht, diskursive Brücken ins Heute zu schlagen.

Die Stadt der Blinden - Kay Voges inszeniert José Saramagos Roman am Schauspielhaus Hamburg als Stroboskoplicht-Apokalypse

Haus der Hunde

von Jan Fischer

Hamburg, 16. März 2019. William Golding sagte einmal, dass Sex ihm als Motiv zu trivial erschienen sei um damit eine Geschichte über Gut und Böse zu erzählen – darauf angesprochen, dass in "Herr der Fliegen" keine Mädchen oder Frauen vorkämen. Wenn man Kay Voges' Inszenierung von "Stadt der Blinden" im Deutschen Schauspielhaus sieht, möchte man ihm nicht unbedingt recht geben. Denn die Geschichte des Literaturnobelpreisträgers José Saramago ist eine Geschichte, die, ähnlich wie "Herr der Fliegen", versucht, anhand eines Abstiegs in die Tierseele hinter der dünnen Tünche der Zivilisation etwas über Gut und Böse, über Moral und Unmoral herauszufinden. Sex gibt es aber reichlich, und Voges hat eine diebische Freude daran, diesen zu zeigen. Beispielsweise während einer Vergewaltigungsszene, Oralsex in Nahaufnahme in HD auf eine riesige Leinwand projiziert.

Am Königsweg - Puppenspielmeister Nikolaus Habjan verneigt sich am Landestheater Niederösterreich vor Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek

Elfriede sei mit uns

von Martin Thomas Pesl

St. Pölten, 16. März 2019. Elfriede Jelinek hat oft Tagesaktuelles zu sagen, zeigt sich aber ungern in der Öffentlichkeit. Also ist es seit der Nestroyverleihung 2013 üblich – wird mittlerweile geradezu erwartet –, dass der Puppenspieler Nikolaus Habjan auszieht, ihre Botschaft zu verkünden. Er hatte für Matthias Hartmanns Burg-Inszenierung von Jelineks "Schatten (Eurydike sagt)" eine seiner großäugig furchterregenden Klappmaulpuppen mit Jelinek-Frisur ausgestattet und performte später, die Hand in dieser vergraben, ihren Dank für den Nestroy-Autorenpreis. Habjan, der so das von Nicolas Stemann eingeführte Stilmittel, Jelinek selbst durch eine Schauspielerin auftreten zu lassen, einen Schritt zurück in Richtung Künstlichkeit trug, wurde in Österreich weltberühmt und begann, sich als Regisseur auszuprobieren. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er auch einen Text der Nobelpreisträgerin in Angriff nehmen würde.

Lars Werner
Regie: Reinhard Göber
Greifswald - 16. März 2019
Nach dem Drehbuch von Federico Fellini, Tullio Pinelli und Ennio Flaiano
Regie: Robert Czechowski
Chemnitz - 16. März 2019
Wim Vandekeybus u.a. nach Euripides
Regie: Wim Vandekeybus
München - 15. März 2019
Alfred Jarry
Regie: Clara Weyde
Bielefeld - 15. März 2019
Friedrich Schiller
Regie: Ersan Mondtag
Köln - 15. März 2019
nach Maggie Nelson
Regie: Katie Mitchell
Hamburg - 15. März 2019
Oliver Storz
Regie: Christine Gnann
Esslingen - 14. März 2019
Anna Jelena Schulte
Regie: Anna-Sophie Mahler
Zürich - 14. März 2019
Eugene Ionesco
Regie: Claus Peymann, Leander Haußmann
Wien - 13. März 2019
Yael Ronen & Ensemble
Regie: Yael Ronen
Berlin - 09. März 2019
Nuran David Calis
Regie: Nuran David Calis
Köln - 09. März 2019
Arthur Miller
Regie: Armin Petras
Düsseldorf - 09. März 2019
Christoph Nußbaumeder
Regie: Martin Pfaff
Schleswig / Rendsburg - 09. März 2019
Dirk Laucke
Regie: Jan Gehler
Dresden - 09. März 2019
Philipp Löhle
Regie: Jan Philipp Gloger
Nürnberg - 09. März 2019
Carla Niewöhner
Regie: Esther Undisz
Bautzen - 09. März 2019
Thomas Arzt und Gerhard Meister
Regie: Patricia Benecke
Bregenz - 08. März 2019
Armin Petras nach Leo N. Tolstoi
Regie: Alize Zandwijk
Bremen - 08. März 2019
Nele Stuhler
Regie: Christopher Haninger
Kaiserslautern - 08. März 2019
Dominik Busch
Regie: Florian Fiedler
Oberhausen - 07. März 2019
René Kalisky
Regie: Frederic Lion
Wien - 06. März 2019
Ferdinand Schmalz
Regie: Philipp Arnold
Berlin - 03. März 2019
Lene Grösch und Moritz Schönecker nach Franz Kafka
Regie: Moritz Schönecker
Heidelberg - 02. März 2019
nach Motiven von Felix Salten
Regie: Charlotte Sprenger
Karlsruhe - 01. März 2019
Katja Hensel
Regie: Stefan Otteni
Bremen - 28. Februar 2019
Richard Yates
Regie: Jette Steckel
Berlin - 28. Februar 2019
Ibrahim Amir
Regie: Sandy Lopičić
Wien - 28. Februar 2019
Nach dem Roman von Joseph Roth
Regie: Christian Stückl
Wien - 24. Februar 2019
Bertolt Brecht
Regie: Mareike Mikat
Augsburg - 23. Februar 2019
Fiston Mwanza Mujila
Regie: Philipp Hauß
Wien - 23. Februar 2019
Tracy Letts
Regie: Antú Romero Nunes
Hamburg - 23. Februar 2019
Molière
Regie: Bernadette Sonnenbichler
Stuttgart - 23. Februar 2019

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