Unter dem Großwetter-Radar

von Sophie Diesselhorst

29. November 2018. In einer großen Plakatkampagne spricht das Bundesinnenministerium seit Mitte November Geflüchtete an: Auf Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Russisch und Persisch wird in deutschen Städten für eine Webseite mit der Adresse returningfromgermany.de geworben, die Beratungsangebote für eine "freiwillige Rückkehr" ins Heimatland bereithält. Die Botschaft "Refugees Welcome" ist also offiziell in die Vergangenheit verbannt. Auch die Wirklichkeit dahinter? Im Herbst 2015 hatten wir bei nachtkritik.de unter dem Hashtag #refugeeswelcome eine Liste geführt mit den willkommenskulturellen Engagements der Theater. Was ist aus ihnen geworden? Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Raus aus Berlin!

von Christian Tschirner

Hamburg, 22. November 2018. Bevor es an dieser Stelle bald wieder darum gehen wird, wer fährt und wer nicht, wer zu Recht und wer zu Unrecht und wer schon längst mal hätte fahren müssen, hier ein Vorschlag am Rande: Theatertreffen raus aus Berlin!

Bloß nicht auffallen!

von Georg Kasch

Berlin, 21. November 2018. Wer hat Angst vor "Cripping up"? Offensichtlich niemand. "Cripping up", auch "Disability Drag" genannt, kommt aus dem Englischen und bezeichnet die Tatsache, dass nicht-behinderte Schauspieler*innen Menschen mit Behinderung spielen beziehungsweise sich entsprechend verkleiden und damit meist besonders viel Applaus, Anerkennung, Preise einheimsen, weil es offenbar als gänzlich extremer, exzentrischer Rollenwechsel angesehen wird. Laut einer Studie von 2012 spielten 16 Prozent aller Oscar-Gewinner Rollen mit einer Behinderung oder psychischen Krankheit. "Cripping up“ ist gewissermaßen das Pendant zum "Blackfacing" und rückt so in den Fokus der Repräsentationsdebatten, die das Theater seit nunmehr sieben Jahren umtreiben.

Therapie wider Willen

von Katharina Alsen

20. November 2018. Es kommt nicht so oft vor, dass Künstler*innen von Veranstalter*innen das Mikrophon abgedreht wird. Aber wenn, dann muss man aufmerken. Weil eine fundamentale Grenze erreicht wurde, weil eine Performance offenbar an den Grundfesten dessen rüttelte, was unsere Kultur ästhetisch und ethisch vertretbar findet. So geschehen beim eben zu Ende gegangenen Festival Save Your Soul an den Berliner Sophiensælen.