Vom Hammer und der Freundlichkeit

4. November 2020. Theaterkritiker*innen sind eine vom Aussterben bedrohte Art. Der Grund dafür: eine dramatisch veränderte Medienlandschaft. Jobs und Plätze für Theaterkritik werden seit Jahren knapper. Die einstigen Großkritker*innen haben längst ihre Hochsitze in den Feuilletons geräumt. Die Rolle der Kritiker*innen als Stellvertreter*innen des Publikums ist fragwürdig geworden, denn "das" Publikum gibt es nicht mehr. Unterschiedliche Zielgruppen tauschen sich über eigene Kanäle in den sozialen Medien aus. Für Literaturkritikerin Sigrid Löffler ist dieses "elektronische Stammtischgeschnatter" eine "unerwünschte Konkurrenz" zum professionellen Kultur-Urteil.

Mehr als Genderfragen

von Falk Schreiber

Hamburg, 2. November 2020. Sympathisch, wie Amelie Deuflhard der Fauxpas gleich bei den einleitenden Worten unterläuft. Die Intendantin des Hamburger Produktionshauses Kampnagel begrüßt die Besucher*innen des vom Ensemble Netzwerk initiierten Geschlechtergerechtigkeits-Arbeitswochenendes "Burning Issues", erwähnt kurz den bevorstehenden Lockdown, bedauert "Wozu sollen unsere Theaterräume gut sein, wenn wir sie nicht live bespielen dürfen?", freut sich, dass die mittlerweile dritte "Burning Issues"-Ausgabe trotz Lockdown und Pandemiebeschränkungen vor Ort (und im Livestream) stattfinden kann. Und erklärt "Das Festiv… die Konferenz!“ für eröffnet.

Nicht spalten, sondern solidarisieren

von Monika Gintersdorfer
in Zusammenarbeit mit Dalel Bacre, Madhusree Dutta, Hauke Heumann, Sarah Israel, Octopus, Schellhammer/Mukenge, Felizitas Stilleke und Gregor Zoch

29. Oktober 2020. Dieser Text ist eine Reaktion auf Veröffentlichungen der letzten Monate zum Thema Klimaschutz und Reisen beziehungsweise NICHT-REISEN von Künstler*innen. Für mich sehr aufwühlend und bedrohlich, aber ich versuchs mit einer kühleren Bestandsaufnahme, bei der mir Künstler:innen und Kollektive in Gesprächen und E-Mails geholfen haben.

"Es braucht ganzheitliche Lösungen"

Christopher Rüping, Katinka Deecke und Timo Raddatz im Interview mit Christian Rakow

28. Oktober 2020. Mit "Dekalog" schuf das Schauspielhaus Zürich im April und Mai dieses Jahres eine mehrteilige Netztheater-Serie über moralische Dilemmata und existenzielle Handlungszwänge (hier die Nachtkritik vom Aufktakt). Angelehnt an die gleichnamige Filmreihe von Krzysztof Kieślowski wurden zeitgenössische Erzählungen im Lichte der biblischen Gebote entfaltet: von "Du sollst keine Götter haben neben mir" bis zu "Du sollst nicht neidisch sein". Die Erzählungen wurden als Monologe im Bühnenraum des Zürcher Schiffbaus live aufgeführt, abgefilmt und parallel über die Website des Schauspielhauses einmalig live ausgestrahlt. Bis zu 1000 Zuschauer*innen schalteten sich pro Episode ein.