Die Zukunft von gestern. Menschenbilder 2.0. – Nico and the Navigators feiern in den Berliner Sophiensälen das zwanzigjährige Bestehen der Gruppe
Melancholie-Vollbad
von Janis El-Bira
Berlin, 2. Oktober 2018. Sie kommen in die Jahre, die Heldinnen und Helden der Berliner Freien Szene. Hatten am Wochenende noch die Performer von She She Pop ihr 25-jähriges Bestehen im HAU mit einer mehrteiligen Riesensause begangen, sind es nun Nicola Hümpel und Oliver Proske, die mit ihren "Navigators" offiziell das Teenageralter überwunden haben. Zwanzig Jahre nämlich ist es auch schon wieder her, dass Nico and the Navigators als artists in residence mit ihrem neuartigen Mischwesen aus Tanz-, Musik und Performancetheater an den Berliner Sophiensälen anheuerten, um berühmt zu werden. Ein Grund zum Feiern.
Der Elefantengeist - Das Helmut-Kohl-Stück von Lukas Bärfuss hat im Nationaltheater Mannheim Sandra Strunz uraufgeführt
Spurensuche im Kanzlerbungalow
von Elisabeth Maier
Mannheim, 29. September 2018. Keine zehn Kilometer Luftlinie entfernt von Oggersheim, dem Heimat- und Sterbeort von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, ist jetzt am Nationaltheater Mannheim eine wütende Abrechnung mit dem als Stifter der deutschen Einheit oft verherrlichten CDU-Politiker zu sehen. Den distanzierten Blick auf die deutsche Polit-Ikone wagt der Schweizer Dramatiker Lukas Bärfuss in seinem Auftragswerk, das jetzt in der Regie von Sandra Strunz uraufgeführt wurde.
Hexenjagd - Stefan Pucher will am Hamburger Thalia nichts von Arthur Millers Klassiker, das allerdings auf hochvirtuose Weise
There is no God
Von Falk Schreiber
Hamburg, 29. September 2018. Die Verführung durch den Antichrist hat ihren Reiz. Beats pochen, die Kamera fliegt durch den Wald, erfasst junge Mädchen beim rituellen Tanz, Blut fließt, Augen verdrehen sich. Und dann steht Reverend Parris im Bild, von Julian Greis als muskelschwere Dumpfbacke gespielt, die gar nicht glauben kann, was für ein Ausbruch jugendlicher Ekstase sich da vollzieht. Stefan Pucher hat die Vorgeschichte zu Arthur Millers "Hexenjagd" am Hamburger Thalia als Video gedreht, als schwarzen Pop in kluger Clip-Ästhetik, der Lust macht, einen neuen Zugriff auf Millers 1953 entstanden Klassiker der US-Dramatik zu sehen.
Die Möwe - Mit ihrer Tschechow-Inszenierung stellt sich Anne Lenk als neue Hausregisseurin am Staatstheater Nürnberg vor
Zwischenfall im Plattenbau
Von Dieter Stoll
Nürnberg, 29. September 2018. Es ist sozusagen "russisches Wochenende" am Staatstheater Nürnberg. Einen Tag vor Prokofjews Tolstoi-Oper "Krieg und Frieden", die als eines der kolossalsten und gleichzeitig unbekanntesten Werke der Musiktheater-Geschichte gelten darf, stand im Schauspielhaus mit "Die Möwe" der populärste Titel aus dem Sortiment von Anton Tschechows melancholischen Komödien-Wundern auf dem Premieren-Plan. Als Konzept-Behauptung wäre die Nachbarschaft mächtig überinterpretiert, aber zumindest die Absicht, diesen in Form und Inhalt auseinander strebenden Klassikern viel mehr als den verträumten Blick in die "russische Seele" zuzutrauen, verbindet denn doch. Anne Lenk, die man sonst eher in München oder Berlin vermutet, hat sich mit ihrer Inszenierung auf den bedingt glanzvollen Titel einer mittelfränkischen "Hausregisseurin" der neuen Direktion von Jan Philipp Gloger eingelassen. Das bedeutet zunächst das Versprechen von zwei Produktionen pro Saison (im Januar folgt die Roman-Adaption von Roman Ehrlichs "Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens") und die Hoffnung auf dauerhafte Partnerschaft. Auch wenn es im ersten Versuch holperte.
Die Verlobung in St. Domingo - In München verschneidet Robert Borgmann Heinrich von Kleists Novelle mit (Post-)Kolonialismus-Exkursen und dem Selbstmord des Autors
Wie ein Zootier
von Petra Hallmayer
München, 29. September 2018. Schon die Besetzungsliste macht klar, dass wir hier keine einfache Übertragung von Kleists Novelle auf die Bühne sehen werden. Nicht Gustav und Toni sind im Programmheft verzeichnet, sondern Heinrich und Henriette. Robert Borgmanns Inszenierung von "Die Verlobung in St. Domingo" überblendet den Doppelselbstmord von Kleist und Henriette Vogel am Kleinen Wannsee 1811 mit der im selben Jahr erschienen Erzählung. Darin sucht der Schweizer Gustav in den Wirren des Sklavenaufstandes im heutigen Haiti Zuflucht im Haus eines Schwarzen. Congo Hoango, "ein fürchterlicher alter Neger", wie Kleist schreibt, benutzt seine Ziehtochter, die "Mestize" Toni, als Lockvogel, um Weiße zu massakrieren. Gustav und Toni verlieben sich ineinander, doch weil er eine List von ihr missdeutet, unfähig ist, ihr vorbehaltlos zu vertrauen, endet die Beziehung tödlich.
Regie: Andres Veiel
Regie: Jan Philipp Gloger
Regie: Eva Lange
Regie: Kay Voges
Regie: Claudia Bauer
Regie: Sönke Wortmann
Regie: Kelly Copper, Pavol Liska
Regie: Anne Teresa De Keersmaeker
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