Das Vorsprechen - Boris Nikitin versucht an den Münchner Kammerspielen aus der Not(wendigkeit) eine Tugend zu machen
Wer sich zeigt, verbirgt sich
von Sabine Leucht
München, 3. November 2015. Dieser Abend stellt den Kritiker vor ein Problem: Lässt er sich über die Qualitäten einzelner Schauspieler aus oder auch nur darüber, wer von ihnen mit welchem Kniff und welcher Haltung welche Szene wie gestaltet, dann ist zumindest nicht ausgeschlossen, dass er ihre Aussichten auf ein Engagement beeinflusst. Und er nähme zugleich auch den sechs vermutlichen Notengebern, die bei der Premiere in der Kammer 2 vorne am Bühnenrand saßen, einen Teil ihrer Arbeit ab. Denn der Regisseur Boris Nikitin zeichnet zwar für "Das Vorsprechen" verantwortlich, aber letztlich versteckt sich hinter diesem Etikett genau das: Das Intendantenvorsprechen von Schauspielschülern gegen Ende ihrer Ausbildungszeit. Nur dass die Münchner Kammerspiele in diesem Fall neben den potentiellen Entscheidern über die Zukunft der Bühnen-Youngster auch ganz normales Publikum eingelassen haben. Schön wird das eingangs schriftlich auf den Punkt gebracht: "Heute ist das Publikum gemischt, die Kriterien auch", kann man auf der rückwärtigen Leinwand lesen. Und etwas von den "harten Kriterien" der Profi-Zuschauer, als da sind Haarfarbe und Körpergröße... Okay, das wird vermutlich frech!
Geschichten aus dem Wiener Wald - Stefan Bachmann inszeniert Horváth zum Saisonauftakt am Schauspiel Köln
Das Durchdrehen der Schraube
von Andreas Wilink
Köln, 31. Oktober 2015. Walter Benjamin prägte den Begriff der "möblierten Psyche", wonach der Mensch an seiner Wohnstube und deren Interieur zu erkennen sei. Er bezog ihn auf Wien, wo er nicht nur in der Berggasse 19 zuhause ist. Als Stefan Bachmann 2010 die "Geschichten aus dem Wiener Wald" für die Burg von Matthias Hartmann inszenierte und eigenem Bekunden nach daran gescheitert sei, glich die Bühne im Akademietheater einem Möbellager: eine beschränkte Welt der Schrankwände.
Punk & Politik - Tomas Schweigens heftig engagierte Saison- und Intendanzeröffnung am Schauspielhaus Wien
Viel Glück, du neues politisches Zentrum!
von Theresa Luise Gindlstrasser
Wien, 31. Oktober 2015. Nach dem Volkstheater und dem Brut wurde nun auch am Schauspielhaus Wien die Spielzeit und eine neue Intendanz eröffnet. Während das Volkstheater mit der Leitung von Anna Badora lediglich eine neue Publikumstribüne bekam, wurde im Brut und Schauspielhaus deutlicher auf räumliche Veränderung gesetzt. Das Brut ist mit Kira Kirsch im Aussehen grau und seriös geworden, das Schauspielhaus mit Tomas Schweigen als neuem künstlerischem Leiter rot und grün. Das ist nicht ganz so seriös und vielmehr optisch übel, aber nach der Eröffnungspremiere "Punk & Politik" ein Spruch aus dem Volksmund: Don't you judge that book by its cover!
Regie: Nurkan Erpulat
Regie: Bernhard Mikeska
Regie: Simon Stone
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