"Ich sehe manchmal tagelang keinen Schauspieler"

29. Dezember 2016. Auf die Frage "Ist Ihr Optimismus in Düsseldorf schon geklaut worden?" antwortet Wilfried Schulz, Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses im dpa-Interview, das u.a. die Ruhrnachrichten bringen: "Schwere Frage (Schulz atmet durch und überlegt). Ich gehe nach wie vor davon aus, dass die Aufgaben, für die ich nach Düsseldorf gekommen bin und die verabredet worden sind, weiterhin zu erfüllen sind. So lange ich eine Chance sehe, dass das in einem überschaubaren Zeitraum passiert, ist das gut."

Ausgangspunkt der Reformation?

23. Dezember 2016. "Das, was ich hier am Haus, während der letzten Spielzeit und jetzt bei den Proben zum 'Kirschgarten' erlebe, hat wirklich nichts zu tun mit dem, was in der Presse verhandelt wird", sagt Nicolas Stemann im Interview mit Michael Stadler in der Münchner Abendzeitung, und sein Regisseurskollege Christopher Rüping pflichtet ihm bei und sagt auf die Frage zum in diesem Zusammenhang vieldiskutierten Unterschied zwischen Schauspieler und Performer: "Die gängige Definition würde wahrscheinlich so ähnlich lauten wie: Ein Schauspieler ist jemand, der sich auf der Bühne verwandelt, und ein Performer ist jemand, der auf der Bühne er selbst bleibt." Ihm scheine diese Unterscheidung allerdings viel zu schematisch, so Rüping "insbesondere an einem Ort wie den Kammerspielen mit seinen Schauspielerpersönlichkeiten". Beides mische sich immer: "Jemand kommt auf die Bühne, ist er selbst und setzt sich ins Verhältnis zu einer Figur, zu einem Text."

Rhetorische Nebelschwaden oder Reformprogramm?

20. Dezember 2016. Der designierte Intendant der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Chris Dercon und seine Programmleiterin Marietta Piekenbrock haben heute zum ersten Mal über ihre Pläne für die Berliner Volksbühne ab Sommer 2017 gesprochen. Offenbar  gaben sie mehreren Journalisten unterschiedlicher Organe Audienzen in ihrem Vorbereitungsbüro, darunter waren Rüdiger Schaper vom Berliner Tagesspiegel wie ein Dreier-Frageteam der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Soziale Gerechtigkeit und Dialogbereitschaft

21. Dezember 2016. Berlins neuer Kultursenator Klaus Lederer will die Gehälter der Berliner Intendanten, Museumsleiter und Generalmusikdirektoren öffentlich machen. Das war bereits bekannt. Jetzt begründet Lederer dieses Vorhaben noch einmal in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (20.12.2016). Außerdem spricht er über den Stand der Auseinandersetzung mit dem designierten Intendanten der Volksbühne Chris Dercon.

Mehr Kontrolle, weniger Kosten?

17. Dezember 2016. Christian Kircher, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding Wien, plant, die Buchhaltung und Personalverrechnung der zur Holding gehörigen Theaterhäuser in einem "Shared Service Center" zusammenzulegen, das seine Arbeit im September 2017 aufnehmen soll. Das berichtet die Wiener Tageszeitung Die Presse. Kircher beruft sich auf den Prüfungsbericht des Rechnungshofs des Burgtheaters und der Bundestheater-Holding nach dem Finanzskandal ums Burgtheater, in dessen Folge sein Vorgänger Georg Springer im Sommer 2014 zurücktrat.

Ohrfeige für Schlingensief

17. Dezember 2016. Die NZZ bringt heute einen Schwerpunkt zum Thema Hass, in dem u.a. Sibylle Lewitscharoff erzählt, wie sich in ihrer Pubertät Hass entfachte und die einzige Ohrfeige ihres Lebens an Christoph Schlingensief ging. In dem Text wirkt der Hass auf ihn noch ziemlich lebendig.

"Frag nicht, was Berlin für dich tun kann"

14. Dezember 2016. Der designierte Intendant der Volksbühne Berlin Chris Dercon hat der dpa ein Interview gegeben, aus dem mehrere Medien zitieren, unter anderem der RBB. Im Kern hat es die Botschaft: Dercon möchte ein festes Ensemble für die "neue" Volksbühne. Dafür wolle er "exponierte, bekannte Künstlerinnen und Künstler, aber auch solche, die noch ein Versprechen sind oder deren Star-Charakter sich bereits jenseits der großen Häuser entwickelt hat", rekrutieren. Konkreter wird er nicht.

Mehr Sorgfalt

13. Dezember 2016. "Beflissene wie dampfende Stellungnahmen für und wider Lilienthal umgingen en gros die von der SZ-Kritikerin Christine Dössel angezettelte Qualitätsdiskussion", schreibt Sabine Leucht in der taz (ausgehend von einer Kritik zu Rimini Protokolls "Top Secret International" an den Münchner Kammerspielen) – dabei hätten sich einige Autoren (inklusive Dössel) zu sehr in die Idee verbissen, die Kammerspiele "retten" zu müssen. "Andere wollten offenbar partout nicht in die reaktionäre Ecke gestellt werden und bejahten das 'Experiment' ohne weitere Differenzierung", so Leucht. "Lilienthal selbst hielt nonchalant das Label des Performativen wie ein Schutzschild vor sich, als würde sich Kritik daran von vornherein verbieten, weil es eben 'anders' ist und deshalb per se schon toll."

"Überhaupt kein Bruch"

13. Dezember 2016. Er würde nichts anders machen, wenn er "jetzt die Zeit anderthalb oder drei Jahre zurückdrehen könnte", sagt Matthias Lilienthal im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung. Im Rückblick auf seine ersten anderthalb Spielzeiten als Intendant der Münchner Kammerspiele, die zuletzt in die Dauerkritik geraten sind, räumt Lilienthal ein: "Ich hatte ehrlicherweise vonseiten der Zuschauer in der ersten Spielzeit mit stärkeren Reaktionen gerechnet und gehofft, dass die Medien in einer anderen Art und Weise unsere Arbeit übersetzen würden."