Hexenjagd - Arthur Millers Hysterisierungsdrama von Jan Bosse am Schauspielhaus Zürich inszeniert

Der Exorzist als Nerd

von Andreas Tobler

Zürich, 9. Januar 2016. Kreuze werden gerammt, Trockeneisnebel wallt über den Sand, eine Horde junger Frauen in Ekstase gibt sich derselben zuckend hin. Wie man sich das halt so vorstellt, also schon bald auf dem Boden liegend und sich wild windend. Und wir sind mit dabei, an diesem Abend, an dem "The Crucible" über die Schiffbau-Bühne gejagt werden soll. Warum? Weil es Regisseur Jan Bosse so will, dass wir uns auf Kirchbänken rund um ein gestampftes Rechteck aus Sand versammeln, um ebenda eben Arthur Millers "Hexenjagd" zu gucken. Also jene 1953 vor dem realen Hintergrund der McCarthy-Ära entstandene Parabel, die zeigt, wie im 17. Jahrhundert eine Dorfgemeinschaft im religiösen Wahn sich selbst hysterisiert – und schon allzu bald zu einem Lynchmob mutiert, nachdem die weibliche Jungmannschaft bei einem okkulten Ritual gegen Dingenskirchen verstößt, na sag' schon, genau: Moral und religiöses Gesetz.