What if Women Ruled the World? - Yael Bartana setzt in der Berliner Volksbühne einem twitternden Machopräsidenten ein Frauenkabinett entgegen
Madame, President Twittler ist am Telefon!
Maß für Maß - Jan Bosse inszeniert Shakespeare am Schauspielhaus Zürich
Regieren ist Drecksarbeit
von Valeria Heintges
Zürich, 12. April 2018. Herzog Vincentio sitzt vor den Mauern der Stadt. Er hat die Macht, kann wie Big Brother seinen Untertanen von oben zusehen, wie sie versuchen, sich im Labyrinth zurecht zu finden. Wenn Vincentio seinen Zigarettenrauch in das kleine Stadtmodell auf seinem Schoß pustet, dann weht seinen Untertanen der Rauch um die Ohren. Es ist nur eine kleine Szene, mit der Jan Bosse seine Inszenierung von "Maß für Maß" im Schauspielhaus Zürich beginnen lässt. Doch zeigt sie gleich, wie souverän dieser Abend mit Bildern, mit Perspektiven, mit Einfällen spielt: Ein Video filmt von oben, was sich hinter der Mauer verbirgt. Hier pustet eine Nebelmaschine, wenn Vincentio in sein Minimodell raucht.
Kaspar Hauser und Söhne - Ersan Mondtag malt Olga Bachs deutsche Profiteursgeschichte am Theater Basel mit kräftigen Farben aus
Wieso zwienget er ihm?
von Cornelia Fiedler
Basel, 12. April 2018. Es sind archetypische Szenen einer autoritären Gesellschaft: brüllende, prügelnde Väter, hilflos weinende Mütter, angstgestörte Kinder, denen jeder Begriff von Freiheit ausgetrieben wurde. Olga Bachs "Kaspar Hauser und Söhne" ist angelegt als das unbarmherzige Kondensat einer deutschen Generationengeschichte, Startpunkt 1940, vorläufiges Finale 2018. Kaspar Hauser, jener berühmte verstörte junge Mann, der im Jahr 1828 in Nürnberg auftaucht und angeblich ohne jeden menschlichen Kontakt aufgewachsen war, wird hier zum Namens- und Motivgeber für eine ganze schwer beschädigte Dynastie. So setzt der Regisseur Ersan Mondtag in seiner Uraufführung des Stücks am Theater Basel denn auch auf ästhetisierte Hässlichkeit in Fatsuits und eine protoäffische Spielweise.
Madame Bovary - Am Wiener Theater in der Josefstadt sucht Anna Bergmann in Flauberts Provinzschicksal die Großtragödie einer Dramaqueen
Arsen und Gasherd
von Gabi Hift
Wien, 12. April 2018. "Ich bin Madame Bovary", lautete Flauberts berühmt gewordene Antwort auf die Frage, wer denn das Vorbild seiner Romanfigur sei. Heute dürfte ein Mann nicht mehr so ohne weiteres behaupten, alles über die Erfahrung einer weiblichen Figur zu wissen. Umso gespannter wartet man, was eine Frau als Regisseurin damit machen wird, und nicht irgendeine Frau, sondern Anna Bergmann, die kürzlich einen Riesenwirbel ausgelöst hat mit ihrer Ankündigung, sie werde als Schauspieldirektorin in Karlsruhe nur weibliche Regiekräfte engagieren. In ihrer Version soll es gleich fünf Madame Bovarys aller Altersklassengeben – die Männerwelt aber, an der Emmas Sehnsüchte so kläglich zerschellen, der stumpfe, gutmütige, langweilige Charles Bovary, der hohle Leon, der berechnende Verführer Rodolphe, sie alle werden ohne die höheren Weihen der Verfünffachung auskommen müssen.
Regie: Philipp Preuss
Regie: Sebastian Hartmann
Regie: Sonja Streifinger
Regie: Christoph Marthaler
Regie: Moritz Schönecker
Regie: Nuran David Calis
Regie: Thorleifur Örn Arnarsson
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