Don Karlos – Am DT Göttingen erzählt Maik Priebe mit Schiller von Liebe, Passivität und Freiheit
Hinter jeder Tür eine Intrige
von Jan Fischer
Göttingen, 19. November 2016. Man möchte ihn schütteln, den Infanten. Um ihn herum explodiert ein buntes Feuerwerk höfischer Intrigen. Und er? Don Karlos, Kronprinz des spanischen Weltreiches? Sitzt träge in der Ecke, während traurige Singer-Songwriter Musik läuft und er sich in seiner unglücklichen Liebe zu seiner angeheirateten Mutter wälzt. Aber Liebe macht nun einmal blind, und Liebeskummer offenbar auch. Dem leidenden Emo-Prinzen stellt Maik Priebe in seiner Inszenierung des Don Karlos am Deutschen Theater in Göttingen einen Marquis von Posa zur Seite, der von Typ her ein wenig wie ein abenteuerlustiger Backpacker wirkt. Die Bromance der beiden ist stark, auch wenn sie im Laufe der Inszenierung ein wenig bröckelt. Die Tragödie jedenfalls beginnt mit ihr, und trauriger Musik.
Der Raub der Sabinerinnen – Sebastian Hartmann mischt das Publikum im Schauspiel Stuttgart mit dem berühmten Schönthan-Schwank auf
Melancholie und Schmiere
von Steffen Becker
Stuttgart, 18. November 2016. Theater als Spiegel der Gesellschaft, Theater als Ort der progressiven Formen, die tradierte Sehgewohnheiten brechen und Denkmuster in Frage stellen? Hmmm, Frage in die Runde: Hat da jemand Bock drauf? Ach Quatsch, schieben wir diesen verquasten Feuilleton-Mist mal beiseite, fühlen uns in rüschigen Kostümen wohl, toben über die Bühne und machen die Zuschauer glücklich. Das in Kurzform ist der Eindruck, den gewinnen kann, wer Sebastian Hartmanns Interpretation des Schwanks "Der Raub der Sabinerinnen" in Stuttgart beiwohnt.
Romeo und Julia - Lily Sykes mischt Shakespeares Familienfehde in Graz mit seinem Sommernachtstraum
Shakespeare as Shakespeare can
von Reinhard Kriechbaum
Graz, 18. November 2016. Kaum hat das freundliche Mädchen im roten Plisseerock den Prolog gesprochen, ändert es den Gesichtsausdruck. Fast wutentbrannt rammt die junge Dame (ziemlich genau im Alter, wie Shakespeare Julia festschreibt) Blume um Blume in den Boden. Es sind Mohnblumen und nicht Rosen. Das Mädchen ist eher nicht Amor, sondern ein getarnter Psychopompos. Eine neugierige Beobachterin der Handlung, die dann Mercutio, Tybalt, Graf Paris und schließlich die beiden Hauptfiguren durch eine Tür ganz hinten ins Jenseits führen wird.
Regie: Tom Kühnel und Jürgen Kuttner
Regie: Nurkan Erpulat
Regie: Alexander Eisenach
Regie: Martin Gruber
Regie: Marie Bues
Regie: Alexander Giesche
Regie: Kainkollektiv / Othni
Regie: Michael Thalheimer
Regie: Patrick Wengenroth
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