Für die Kunstfreiheit
Keine Kriminalisierung kritischer Kunst!

Berlin, 11. April 2019. Gegen das "Zentrum für politische Schönheit" ist wegen "Bildung einer kriminellen Vereinigung" ermittelt worden. Das ist ein bedrohlicher Angriff auf die Meinungs- und Kunstfreiheit. Wir protestieren!

Der lange Schatten des Spardiktats

von Georg Kasch

4. April 2019. Wenn sich gleich mehrere Ensembles und Gruppen eines Hauses gegen ihren Intendanten wehren, ist irgendetwas richtig schief gelaufen. So wie in Schwerin. Im Januar 2018 protestierten die Schauspieler des Mecklenburgischen Staatstheaters zum ersten Mal gegen Generalintendant Lars Tietje, weil er ihnen per Aushang verbot, beim Theaterball "eigenmächtige politische Äußerungen" zu machen. Im November 2018 wandten sie sich erneut an die Öffentlichkeit, ebenso Ballett und Orchester, jetzt wieder. Ihr Vorwurf: Tietje habe sich für den Maulkorberlass nie richtig entschuldigt, er habe führende Mitarbeiter entlassen, andere seien wegen des Drucks freiwillig gegangen; zugesagte Produktionen – und zwar ausgerechnet die politisch brisanten – und Stellen seien gestrichen, das Repertoire ausgedünnt worden.

Konfetti und Konflikte

27. März 2019. Konfetti, Nebel, Schaumstoffquader: Minimale Mittel nutzt die Bühnenbildnerin Katrin Brack, um frei bespielbare Theaterräume zu erschaffen. Mit der vielfach ausgezeichneten Künstlerin sprechen Susanne Burkhardt und Elena Philipp über die Kunst des Bühnenbilds. Außerdem fragt das Theaterpodcast-Duo in Folge #13 mit Blick auf den Konflikt an den Bühnen Halle, wie viel Experimente das Stadttheater verträgt.

"Fusionen sollte man im Winter beschließen"

Volker Arnold im Interview mit Georg Kasch und Christian Rakow

20. März 2019. Theaterfusionen sind der spitze Faustkeil der Kulturpolitik. Wann immer Politiker radikal zum Sparen am deutschen Stadttheatersystem ansetzen, bringen sie die Zusammenlegung von Theatern aufs Tapet. Zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern, wo man probierte, das bereits fusionierte Theater Vorpommern (Greifswald, Stralsund, Putbus) mit dem ebenfalls schon zusammengezwungenen Verbund Neubrandenburg-Neustrelitz zum Staatstheater Nordost zusammenzuspannen. Die Pläne liegen inzwischen auf Eis.

Ministrant oder Agnostiker?

von Martin Krumbholz und Sascha Westphal

21. März 2019. Kritik heißt Beschreiben, Interpretieren, Werten, Einordnen, Empfehlen, mitunter auch Ausmisten. Und Kritik heißt Innehalten können, die eigenen Maßstäbe befragen. Diesem Innehalten dient die kleine nachtkritik.de-Reihe "Positionen der Kritik", in der in loser Folge Texte zur Praxis der gegenwärtigen Theaterkritik erscheinen. Martin Krumbholz und Sascha Westphal sind als Kritiker für diverse Medien tätig und sie sind feste Größen im Autorenstamm von nachtkritik.de in Nordrhein-Westfalen. Im Anschluss an die jüngste Bochumer Herbert Fritsch-Inszenierung ("Philosophie im Bourdoir") trafen sie sich zum Streitgespräch.

Die problematische Mitte

Bianca Klose im Interview mit Matthias Dell

11. März 2019. Mitte Februar hat die Berliner Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) gemeinsam mit Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters (DT) und Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), eine Handreichung "Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts" vorgestellt. Die Broschüre entstand als Folge eines gestiegenen Beratungsbedarfs in den letzten beiden Jahren: Theater und andere Kulturinstitutionen sehen sich immer häufiger Angriffen von rechten Akteur*innen ausgesetzt. Vom inflationären Gebrauch parlamentarischer Anfragen durch die AfD bis zu Bombendrohungen reicht das Spektrum der Störaktionen. Die Broschüre erntete Lob für ihren Ratgeberteil, aber auch starke Kritik für ihre theoretischen Positionsbestimmungen und die Einschätzung, der "Kulturkampf von rechts" werde bereits in den Feuilletons der großen Zeitungen geführt. Die Bro­schü­re mache letztlich kei­nen Un­ter­schied "zwi­schen kon­ser­va­ti­ven, li­be­ral­kon­ser­va­ti­ven, rechts­ex­tre­men, ras­sis­ti­schen, Gen­der­theo­rie-skep­ti­schen oder rechts­po­pu­lis­ti­schen Po­si­tio­nen", urteilte die Wochenzeitung "Die Zeit". Im theoretischen Teil der Broschüre wurde fälschlicherweise behauptet, Zeit-Autor Ul­rich Grei­ner ha­be die zu­wan­de­rungs­kri­ti­sche "Er­klä­rung 2018"un­ter­zeich­net. Der Fehler wurde umgehend korrigiert und bedauert. Im Interview mit Matthias Dell erklärt sich MBR-Geschäftsführerin Bianca Klose und spricht über ihre Sicht auf die Presse-Reaktionen.

Wilmersdorfer Witwen und Kulturkampf

1. März 2019. "Fahr mal wieder U-Bahn, dann ahnst'e, wie das Leben läuft": Diesem Liedtext folgt "Der Theaterpodcast" – in die Inszenierung "Linie 1" am Berliner Kinder- und Jugendtheater GRIPS, das in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. In Folge #12 geht es zudem um die Frage, ob sich das Theater in einen von rechtsnationalen Kräften erklärten "Kulturkampf" verwickeln lässt.

 

Triumph des Kleinmuts

Von Regine Müller

23. Februar 2019. Doch, sie können Theater in Halle, und wie! Die Dramaturgie ist selbst in der Niederlage auf fast gespenstische Weise perfekt, als sich am Freitagabend wenige Stunden nach Bekanntgabe des Votums des Aufsichtsrats der Vorhang ausgerechnet zur Premiere von Richard Strauss’ Oper "Ariadne auf Naxos" hebt. "Träum ich? Wach ich? Leb’ ich? Bin ich bei Sinnen?" ist als Zitat aus Hugo von Hofmannsthals Libretto auf den Vorhang projiziert, und nicht wenige der Premierenbesucher fragen sich wohl, ob die Entscheidung des Aufsichtsrats, Florian Lutz' Vertrag nicht zu verlängern, nicht doch nur ein aberwitziger Traum ist, aus dem man schleunigst aufwachen möchte.

Kunst in unsicheren Zeiten

von Dorothea Marcus

Köln, 11. Februar 2019. Sollte politisches Theater auf Mitleidserzeugung ausgerichtet sein? Kann man überhaupt mit Leiddarstellung auf der Bühne Empathie – und letztlich Weltverbesserung – erreichen, ohne Gefahr zu laufen, Teil einer pornografischen Mitleidsindustrie zu werden? Eine, die ohnehin nur das präsentiert, was wir hören wollen? Und können sich Theatermacher*innen mit Weltverbessungsfragen überhaupt glaubwürdig beschäftigen, solange sie Baumwolle tragen und Schokolade essen – Produkte, die unter härtesten neokolonialen Bedingungen hergestellt werden? Knifflige Fragen, aufgeworfen von der Spezialistin schlechthin für globale Gerechtigkeit und Dekolonisierung Nikita Dhawan, Professorin für Politische Theorie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, zum Auftakt des 2. "Flausen"-Bundeskongresses am Freien Werkstatt Theater Köln. Zu ihren Antworten später, denn das Hauptthema war ein anderes.

Auf zweiter Stufe

von Christian Rakow

6. Februar 2019. Ziel jeder Erziehung ist es, den Erzieher überflüssig zu machen. So hat es Kant der Pädagogik mit auf den Weg gegeben. Und wenn man erst einmal aus der Obhut der Erzieher in Familie und Schule entlassen ist, was nichts anderes bedeutet, als im emphatischen Sinne mündig geworden zu sein, dann graust es einen doch eigentlich, weiterhin Bildungsprozeduren an sich zu erfahren. Zumal in der Kunst, von der man nach dem Durchgang durch die Avantgarden des 20. Jahrhunderts nun alles Mögliche erwartet: Verstörung, Subversion, Provokation, oder weiterhin auch ästhetische Finesse, handwerkliche Meisterschaft und dergleichen Formenaspekte. Aber wohl nicht zuvorderst den Transport eines politischen Bildungsauftrags.

Unterkategorien