Rocky Horror Habsburger Show

11. August 2025. Dunkle Schächte, schaurige Gestalten – allesamt Wiedergänger aus der österreichischen Geschichte. Das Theater zum Fürchten (sic!) lädt in unterirdischen Bunkerschächten in eine historische Geisterbahn. Sechshundert Jahre Sex & Crime & Kaiserschmarrn. Warm anziehen wird dringend empfohlen! 

Von Jakob Hayner

„Horrible Habsburger! Sechshundert Jahre Sex & Crime & Kaiserschmarrn“ von Bruno Max im Theater im Bunker Möding © Bettna Frenzel

11. August 2025. Am Ende kommen Touristen. Japaner, in mehreren Bussen. Natürlich nicht wirklich, weil sich Touristen kaum ins beschauliche Mödling vor den Toren Wiens verirren, wo man unter den Platanen gemütlich eine Melange trinkt. Und noch weniger an den Stadtrand von Mödling, umgeben von den Hügeln des Wienerwalds, am Aquädukt und dem kleinen Kurpark vorbei, bis man auf den unscheinbaren Eingang zu einem ehemaligen Luftschutzstollen trifft.

Seit über 25 Jahren wird der in den heißen Sommertagen von der freien Truppe Theater zum Fürchten bespielt. Thema dieses Jahr: die Habsburger. Und die sind es nämlich, die am Ende in ihrer Gruft von Touristen heimgesucht werden. Einst ein großes Herrschergeschlecht, heute nur noch eine Marke der Fremdenverkehrsindustrie? Zum Glück. Denn mit solchen Leuten, so viel ist nach dem Abend sicher, will man nicht viel zu tun haben. Und noch weniger will man sie an der Macht haben.

Mord, Intrigen und andere Schandtaten

"Horrible Habsburger! Sechshundert Jahre Sex & Crime & Kaiserschmarrn" – Konzept, Text und Regie stammen von Bruno Max – lebt von zwei Sachen: Zum einen ist das der spannende Ort. Knapp ein Kilometer legt man in den schmalen Gängen des Bunkers zurück, der im Zweiten Weltkrieg zum Schutz der Mödlinger Zivilbevölkerung genutzt wurde. Immer tiefer dringt man in den Fels ein, entsprechend frisch ist es. Sachen zum Überziehen sind dringend empfohlen, auch wenn draußen Sommerhitze mit über 30 Grad Celsius herrscht.

In kleinen Gruppen von nicht mehr als 20 Leuten absolviert man insgesamt 17 Stationen, die in schlaglichtartigen Szenen durch die Geschichte der Habsburger führen. Von Mord und Totschlag über Intrigen und Urkundenfälschung bis hin zum fröhlichen Mittun beim Weltkrieg kommen allerlei Schandtaten zusammen, die jedoch unter den feudalen Machterhaltungsstrategien nicht weiter ungewöhnlich waren.

Das Gespenst von Kaiser Franz Joseph der Geisterbahn der Geschichte: Bernie Feit, Manuel Bauhofer, Marion Rottenhofer, David Stöckl © Bettina Frenzel

Bei der Raumgestaltung gelingt es Robert Notsch, das Publikum immer wieder mit stimmungsvollen Arrangements zu überraschen, ob mit Särgen im schummrigen Kerzenlicht, einer Küche mit frisch zubereitetem Kaiserschmarrn, einer im Aufzug steckengebliebene Regentin, die dem Fortschritt (und zwar nicht nur dem technischen) zürnt, oder einem Soldaten im Stacheldraht vor "Finis Austriae"-Banner.

Ohne Sisi-Klimbim

Weil die Gruppen im 15-Minuten-Takt durch die Stationen geschleust werden, läuft das schauspielerische Geschehen präzise wie ein Uhrwerk ab. Türen öffnen und schließen sich, und obwohl man immer im gleichen drögen Betonbunker ist, durchreist man in den Räumen und auch den Kostümen von Sigrid Dreger ganze Jahrhunderte. Und ja, ein ungewöhnlicher Ort mit einer überzeugenden Ausstattung, das ist schon einmal die halbe Miete.

Das andere, was bei "Horrible Habsburger" zieht, ist das Thema des Abends selbst: die Habsburger. Und zwar ganz ohne Sisi-Klimbim oder Dekonstruktion desselben (das erledigt bereits Stefanie Reinsperger am Burgtheater mit Bravour). Es geht vielmehr um die verschiedenen Ausprägungen des Schwachsinns und der geistigen, aber auch körperlichen Degeneration, die dem Adel als einer noch sehr persönlichen und weniger versachlichten Form sozialer Herrschaft eigen waren.

horribleHabsburger BettinaFrenzel 4254Schwarzes Habsburgerschaf: Erzherzog Ludwig Victor und Pianist: Lukas Goldschmidt, Christoph Prückner © Bettina Frenzel

Genüsslich kann man Inzucht und Idiotismus thematisieren, aber auch Bereicherungs-, Prunk- oder Profilierungssucht. Zugegeben: Vieles davon ist einem auch heute nicht fremd, selbst wenn sich Herrschaft nicht mehr umständlich übers Geburtsrecht legitimieren muss. Viele Szenen verbinden geschickt Vergangenheit und Gegenwart, so beispielsweise mit einer Pressekonferenz oder der bis heute gepflegten Unsitte, Zehntausende von Tieren über den Haufen zu schießen – nur, weil es geht.

Und die zarten Momente?

Das ist alles wirklich "horrible" und nicht nur, weil die Leute damals komische Bartfrisuren oder schräge Moralvorstellungen hatten. Da hilft auch die "Weißwaschanstalt" der erst 1989 verstorbenen Kaiserin Zita nicht viel, die sich immerhin sehr bemühte, ihre Sippschaft persilrein erscheinen zu lassen. Aber gibt es denn auch zarte Momente? Wenige. Vielleicht den, wenn Christoph Prückner als Erzherzog Ludwig Viktor auftritt, der als "schwarzes Schaf" der Familie galt, unter anderem, weil er schwul war.

Luziwuzi, wie er auch genannt wurde, ist längst als queere Ikone entdeckt worden (im Wiener Theater Rabenhof läuft noch immer "Luziwuzi – Ich bin die Kaiserin", das Theaterdebüt von Tom Neuwirth alias Conchita Wurst). Nach achtzig kurzweiligen Minuten ist man überzeugt: 600 Jahre waren genug. Sollen sie für immer in ihrer Gruft verrotten. Zur Strafe lasse man außerdem bitte die Touristen auf sie los.

Horrible Habsburger! Sechshundert Jahre Sex & Crime & Kaiserschmarrn
von Bruno Max
Konzept, Text, Regie: Bruno Max, Raum: Robert Notsch, Kostüm, Sigrid Drege, Musik: Fritz Rainer, Licht: Andreas Pamperl, Markus Moldan, Bernhard Winkler, Maske: Gerda Fischer, Pia Urbanek
Mit: Helfried Roll, Rainer Hopfer, Thomas Krempl, Sandra Högl, Benita Holzhammer, Celina Leonardelli, Bernadette Mold, Daniela Moser, Stephanie-Christin Schneider, Bruno Max, Franz Weichenberger, Vanessa Payer Kumar, Birgit Wolf, Mark Rayal, Mark Mayer, Bettina Soriat, Peter Rothkappel, Alessio Romanelli, Loredana Belli, Stephan Bartunek, David Czifer, Marius Lackenbucher, Christina Saginth, Barbara Suchanka, Florian Lebek, Sam Madwar, Peter Fuchs, Mara Koppitsch, Wolfgang Lesky, Xiting Shan, Ulrike Hübl, David Ignjatovic, Anna Dangel, Katharina Krause, Eva Lorenzo, Paul Barna, Lotte Loebenstein, Randolf Destaller, Denise Neckam, Valentina Himmelbauer, Christoph Prückner, Lukas Goldschmidt, Christoph Lackner-Zinner, Niklas Petzer, Alexander Kuchar, Sibylle Kos, John Fricke, Karl Wenninger, John Fricke, Eva-Christina Binder, Bernie Feit, Marion Rottenhofer, David Stöckl, Manuel Bauhofer, Peter Perktold, Denny Bernard, Monica Cammerlander, Mark Rayal, 
Premiere am 10. August 2025
Dauer: 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause

www.theaterzumfuerchten.at/TheaterImBunker

Kritikenrundschau

Von einem schaurig-komischen Panorama aus sechs Jahrhunderten Habsburger-Monarchie, schreibt Georg Krierer im Wiener Kurier (11.8.2025). Zwischen pikanten Liebesgeschichten, absurden Allianzen und der Frage, wer den Kaiserschmarren eigentlich erfunden hat, bleibe kaum ein Mythos unzerpflückt. "Am Ende hat man nicht nur historische Funfacts im Kopf, die im Schulbuch fehlen, sondern auch das Gefühl, dass 600 Jahre Habsburgersaga in diesem Format genau die richtige Länge hatte. Und dass es ein Segen ist, dass die Monarchie Geschichte ist."

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