Hiob - In Graz inszeniert András Dömötör Joseph Roths Roman als Überprüfung irgendeines Gottesbilds
God oder Good?
1984 – Hermann Schmidt-Rahmer stürzt George Orwells Romandystopie am Wiener Volkstheater in verblüffende Verfremdung
Her mit den alternativen Fakten!
von Theresa Luise Gindlstrasser
Wien, 17. November 2017. Rotes Scheinwerfer-Licht auf einem rosa gestreiften Boden. Phototapete miesester Auflösung betont die Holzhütte als Holzhütte. Eine Reihe von Bildschirmen, flimmernd, Clipart-Atmosphäre. Von oben hängt eine Projektionsfläche, eingefasst in Höhlenromantik. Sieben Schauspielende in beigem Trainingsanzug und mit Kim-Jong-un-Frisur tunken die Gesichter langsam ins dann grüne Scheinwerfer-Licht. Zu langsam, zu bunt, zu hell, zudem ein viel zu leises Gedudel, das hört niemals auf. Am Volkstheater Wien inszeniert Hermann Schmidt-Rahmer den Roman "1984" von George Orwell in richtig ranziger Optik. Die Bühne von Thilo Reuther, die Kostüme von Michael Sieberock-Serafimowitsch, die Videos von Clemens Walter und das Licht von Paul Grilj: Ist alles immer Verfremdungseffekt. Hält die Bühnenillusion in verstörender Distanz.
Das halbe Leid - Fürs Schauspielhaus Hamburg organisieren Signa eine zwölfstündige Empathie-Schulung
Wer ist mein Mentor?
von Michael Laages
Hamburg, 16. November 2017. Womöglich hatte sich Maxim Gorki ja so das "Nachtasyl" vorgestellt – Menschen am Rand der Gesellschaft, Untergegangene und Untergeher, auf engstem Raum und unter armseligsten Bedingungen aufeinander geworfen, bis schlimmstenfalls Blut fließt oder Füße verbrüht werden. Und vielleicht fühlt sich so ja heute auch eine jener Notunterkünfte für Geflüchtete an, 100 Familien in einer dörflichen Turnhalle, mehrstöckige Betten nebeneinander gepfercht, und die Grenze zwischen den Privatsphären ist ein windschief gehängtes Bettlaken. Das ist nun unsere Welt, wenn wir in Hamburg Leiden lernen wollen; bei und unter Anleitung von Signa, dem so außergewöhnlichen Performance-Team, dessen deutsche Karriere nach aufsehenerregenden Lebenswelt-Erfindungen in Dänemark von Köln aus unter anderem über Leipzig und Berlin nach Wien zu den Festwochen führte – dann neulich nach Mannheim zu den Schillertagen und mittlerweile zum dritten Mal auch nach Hamburg und ans Deutsche Schauspielhaus.
Nachdenken über Christa T. / Störfall - In Schwerin mixt Patrick Wengenroth einen Christa-Wolf-Cocktail
Im Nebel von Tschernobyl
von Frank Schlößer
Schwerin, 11. November 2017. In meinem Regal stehen "Kindheitsmuster", "Kein Ort. Nirgends.", "Kassandra". Durch keines dieser Bücher bin ich durchgekommen. Aber ich kenne Leute, die Christa Wolf gern und mit Gewinn gelesen haben. Das ist Arbeit. Kaum ein Gedanke landet unreflektiert im Text. Immer existenziell. Wenig bis gar kein Humor. Wenn ich Christa Wolf denke, dann sehe ich sie am 4. November 1989 auf dem Alex stehen, auf einem "W50", auf dieser grob gezimmerten Rednertribüne. Diese zehn Minuten haben mich erreicht.
Anna Karenina - Barbara Bürk und Clemens Sienknecht führen in Hamburg ihre Serie zu Seitensprüngen der Weltliteratur "mit anderem Text und auch anderer Melodie" weiter
Dürre Arme, große Liebe
von Falk Schreiber
Hamburg, 11. November 2017. Rockstargesten sind schwierig. Zumal wenn das lange Haar schütter ist, die Ärmchen dünn sind und unter der Kassenbrille ein unsicheres Lächeln entschuldigt: Mir ist es ja auch peinlich, wie ich den Gitarrenhals phallisch in die Höhe recke. Einerseits. Andererseits haben wir Postmoderne, und in der Postmoderne kann man auch die phallische Gitarre halbironisch umdeuten. Also lässt Clemens Sienknecht einen zurückhaltenden Rhythmus in die Loopbox klimpern, spielt eine sanfte Melodie drüber, weite Keyboardflächen und schließlich ein paar elektronische Beats, voilà: reizender Yachtrock. "Lisztomania" von Phoenix, spillerige Ironiker, die die Machoposen indigniert weglächeln, während man sich fragt, ob sie nicht im Grunde ihres Herzens doch ein Faible haben fürs cheesy Gitarrensolo.
Regie: Walter Asmus, Tino Sehgal
Regie: Julia Mota Carvalho, Daniel Mathéus
Regie: Thomas Köck & Elsa-Sophie Jach
Regie: Stefan Otteni
Regie: Klaus Gehre
Regie: Cilli Drexel
Regie: Sasha Marianna Salzmann / Sapir Heller
Regie: SKART / Masters of the Universe
Regie: She She Pop & zeitkratzer
Regie: René Pollesch
Regie: Christian Brey
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